Norderstedt
Schröters Wochenschau

Falsche Daten: Halbtausendjahrfeier um drei Jahre verschoben

Autor Jan Schröter

Autor Jan Schröter

Foto: Wolfgang Klietz

Kisdorfer entdeckten den Fehler. Henstedt-Ulzburger Ortsteil Götzberg wird 2020 noch gar nicht 500 Jahre alt.

Die Gemeinde Henstedt-Ulzburg besteht im nächsten Jahr seit einem halben Jahrhundert. Ihr Ortsteil Götzberg dagegen wurde bereits vor einem halben Jahrtausend erstmals urkundlich erwähnt, nämlich 1520 – dachte man hier zumindest bislang.

Besagte Urkunde ist eine Amtsrechnung. Darauf ist neben Götzberg auch Kisdorf genannt. Und die Kisdorfer recherchierten akribisch: Das Dokument stammt aus dem Jahr 1523. Als scharfe Rechner werden die Kisdorfer ihre 500-Jahr-Feier demnach punktgenau in drei Jahren begehen. Die Götzberger können ihre bereits für nächsten Sommer angeplante Halbtausendjahrfeier bis 2023 vergessen und müssen sich mit dem schnöden Henstedt-Ulzburger Halbjahrhundert begnügen. Alles nur, weil irgendwelche Leute ihre Rechnungen seit 500 Jahren aufbewahrt haben. Ich schaffe das meist nicht mal für fünf Minuten. Ich führe meine Haushaltskasse weitestgehend papierlos und daher waldschonend. Schon ewig, da war „Fridays for Future“ noch gar nicht erfunden.

Auch Jahreszahlen sind am Ende bloß Zahlen

Ich gebe zu, das führt manchmal zu gewissen Irritationen im Umgang mit dem Finanzamt. Dort wird erwartet, dass man seine Einnahmen und Ausgaben bis zurück ins 20. Jahrhundert lückenlos belegen kann. Vermutlich bergen eifrige Historiker im Jahre 2519 meinen Kassenzettel von gestern über drei Druckerpatronen aus der Aktengruft des Finanzamtes Neumünster und rätseln darüber, welche Art von Munition hier wohl gemeint sei.

Vielleicht hat Anno 1523 ein gestresster Amtsschreiber vor dem anstehenden Besuch eines Revisors die blöde Rechnung an die Götzberger nicht wiedergefunden. Also schnell Götzberg mit auf die Rechnung von Kisdorf schreiben, alles wieder paletti.

Was die Götzberger brauchen, ist nur eine flotte Story auf einer Urkunde

Liebe Götzberger, feiert doch einfach jedes Jahr. Ignoriert die verstaubten Urkunden und haut jeden Sommer so richtig auf den Putz. In Hamburg praktiziert man das schließlich schon lange. Dort feiert man den Hafengeburtstag aufgrund eines Freibriefs, angeblich 1189 vom Kaiser Barbarossa höchstselbst erteilt. Längst wurde dieser Brief als Fälschung entlarvt, doch das hält die Massen nicht davon ab, alljährlich tagelang entlang der Landungsbrücken Party zu machen.

Götzberger, das könnt ihr auch. Ihr braucht nur eine flotte Story auf einer Urkunde. Und ihr ahnt, wer euch so etwas schreibt.

Wir machen das aber ohne Rechnung!