Norderstedt
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Wenn das Mobiltelefon im Müllcontainer landet

Die Handy-Retter vom Recyclinghof (v. l.): Die Mitarbeiter Jürgen Spahr und Helge Sahm sowie Eugeniusz Ptak und Freundin Regina Kaphengst.

Die Handy-Retter vom Recyclinghof (v. l.): Die Mitarbeiter Jürgen Spahr und Helge Sahm sowie Eugeniusz Ptak und Freundin Regina Kaphengst.

Foto: Luka Simon

Für Eugeniusz Ptak ist das Handy die berufliche Existenzgrundlage – ausgerechnet auf dem Recyclinghof rutschte es aus der Tasche.

Norderstedt.  Dass einem das Mobiltelefon aus Versehen aus der Tasche fällt, das hat sicher jeder schon einmal erlebt – in der Fußgängerzone beim Shoppen, am Bahnhof, im Auto. Kein Problem, solange der Bildschirm halbwegs heil bleibt. Man hebt es wieder auf und ärgert sich vielleicht über den ein oder anderen Kratzer auf dem Display. Schwierig wird es jedoch, wenn einem das Handy genau in dem Moment herunterfällt, wenn sich unter einem ein tiefer Schacht mit kiloweise Grünabfällen auftut.

So erging es Eugeniusz Ptak: Der Norderstedter Bauleistungsunternehmer brachte Ende Oktober seine Pflanzenabfälle zum Recyclinghof in Norderstedt, kurz vor der Schließung des Hofes am Abend. Beim Ausleeren der Müllsäcke rutschte sein Handy aus der Brusttasche seiner Jacke. Es fiel zwei Meter tief in den riesigen Abfallcontainer und verschwand zwischen Ästen, Blättern und Heckenüberresten.

Eugeniusz Ptak verlor damit nicht nur ein knapp 600 Euro teures, extra robustes Baustellenhandy, sondern auch seine dienstlichen sowie privaten Kontakte. Wieder zu Hause kontaktierte er per Festnetztelefon sofort Regina Kaphengst. Die beiden verbindet eine langjährige Freundschaft. „Seit ich 2005 von Polen nach Deutschland gekommen bin, hat sie mich oft unterstützt und mir zum Beispiel bei kompliziertem Papierkram geholfen“, sagt Eugeniusz Ptak. Regina Kaphengst, die bis zu ihrer Rente selbstständige Floristin in Norderstedt war, fuhr mit ihrem Bekannten gleich am nächsten Morgen zum Recyclinghof. Mitarbeiter Jürgen Spahr war sofort mit einem Bagger zur Stelle und begann, den Abfallcontainer freizuschaufeln. „Der Container war zum Glück ziemlich voll, da Herr Ptak der letzte Kunde am Vorabend gewesen war. Zu tief mussten wir also nicht graben.“ Normalerweise ist der Müll vom Vortag am nächsten Morgen schon entsorgt, dann wäre das Handy endgültig verloren gewesen. Die beiden Männer stiegen in den Container und konnten das komplett heil gebliebene Handy aus dem Strauchgut bergen.

Regina Kaphengst war über die Hilfe auf dem Hof so begeistert, dass sie sich gleich beim Hamburger Abendblatt meldete. „Ich finde diese Hilfsbereitschaft von Herrn Spahr großartig und lobenswert. Solch einen selbstlosen Einsatz erlebt man in der heutigen Zeit selten.“

Dass Gegenstände im Müll verloren gehen, ist keine Seltenheit. „Wir hatten schon einen verlorenen Ehering und Schmuck der Großmutter“, sagt Helge Spahr. „Die Leute dürfen nicht auf eigene Faust in die Container steigen, das wäre zu gefährlich. Bei einem verlorenen Ring wäre der Aufwand aber definitiv zu groß.“ Rein rechtlich gesehen ist die nachträgliche Aneignung von Gegenständen aus den Müllcontainern nicht erlaubt. „Natürlich ist es schade, wenn etwas aus Versehen im Müll verloren geht, aber es muss gewährleistet werden, dass nicht jeder brauchbare Dinge auf dem Recyclinghof sammelt und mitnimmt“, sagt Julia Büttner vom WZV. „In diesem Fall ist das eine große Ausnahme, weil der Container noch da war.“