Norderstedt
Kreis Segeberg

Norderstedt – Die DLRG bangt um ihre Feuerwache

Das ist ein  idealer Standort“, sagen die DLRG-Vorstände Holger Lahn und Marc Blös vor der alten Feuerwache an der Segeberger Chaussee.

Das ist ein idealer Standort“, sagen die DLRG-Vorstände Holger Lahn und Marc Blös vor der alten Feuerwache an der Segeberger Chaussee.

Foto: Michael Schick

Die Norderstedter SPD ließ Abriss prüfen, um Wohnungen für Flüchtlinge zu bauen – allerdings ohne vorher mit den Lebensrettern zu reden.

Norderstedt.  „Wenn wir hier ausziehen müssen, ist das für uns ein Desaster und macht unsere Arbeit quasi unmöglich“, sagt Marc Blös. Der stellvertretende Vorsitzende der DLRG in Norderstedt blickt auf die Fahrzeuge in der Halle der ehemaligen Feuerwache an der Segeberger Chaussee. Seit 2009 nutzen die Lebensretter die Räume als Garage, Materiallager und Einsatzzentrale.

Doch nun steht zur Debatte, ob der mit 1500 Mitgliedern neben Lübeck größte DLRG-Ortsverein in Schleswig-Holstein seinen Standort räumen muss – das jedenfalls befürchtet der DLRG-Vorstand. Die SPD hatte am 16. Mai im Sozialausschuss beantragt, die Verwaltung solle prüfen, ob die alte Wache abgerissen werden und durch einen Neubau für Flüchtlinge ersetzt werden kann (s. Text rechts).

Sirko Neuenfeldt, Leiter des städtischen Sozialamts, stellte das Ergebnis der Prüfung in der Sitzung des Ausschusses am 19. September vor: „Ein Gespräch mit dem Träger hat stattgefunden, dieser ist aktuell auf der Suche nach Alternativen“, heißt es im Ausschussprotokoll.

„Davon stimmt leider gar nichts“, sagt Norderstedts DLRG-Chef Holger Lahn. Mit dem Vorstand habe niemand gesprochen, und es sei auch falsch, dass der Verein auf der Suche nach einem neuen Standort sei.

„Wir fühlen uns hier pudelwohl und möchten nicht umziehen“, sagt Lahn. Die Bedingungen seien nahezu ideal. In der Halle, wo früher die Löschfahrzeuge standen, ist jetzt der Fuhrpark der DLRG mit vier Fahrzeugen untergebracht. In einer kleineren Halle stehen die Trailer mit dem Boot, in dem die Lebensretter beispielsweise das Schwimmen der Triathleten im Stadtparksee überwachen, und weitere Rettungsutensilien.

In mehreren Räumen hängen die Einsatzkleidung, lagert das Sanitätsmaterial, werden die Gasflaschen für die Taucher befüllt. „Hinzu kommt, dass wir schnell auf der Segeberger Chaussee und damit auf einer Hauptverkehrsader sind“, sagt der DLRG-Vorsitzende.

Stellvertreter Marc Blös ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass sich ihr Einsatz für den Standort nicht gegen Flüchtlinge richte, im Gegenteil: „Wir haben ja sogar die Wohnung über der Fahrzeughalle, in der die Rettungsschwimmer für den Wasserrettungswachdienst im Arriba-Strandbad untergebracht waren, für eine Flüchtlingsfamilie geräumt“, sagt Blös. Der Verein hat von 2015 bis 2018 auch den Saal sowie die Neben- und Sanitärräume im Erdgeschoss als Unterkunft für Asylbewerber zur Verfügung gestellt.

DLRG braucht Unterstützung durch die Kommunalpolitik

CDU-Stadtvertreter Patrick Pender hat sich mit Lahn und Blös getroffen, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen: „Es darf und kann doch nicht sein, dass ein Verein wie die DLRG, die ehrenamtlich wichtige Aufgaben in der Stadt übernimmt, einfach so vor die Tür gesetzt wird.“ Im Gegenteil: „Um ihre gemeinnützigen Aufgaben erfüllen zu können, braucht es Unterstützung seitens der Kommunalpolitik.“

Die Heizungsanlage, die Warmwasserversorgung und Teile der Fassade seien erst im Frühjahr erneuert worden. Die ehemalige Feuerwache biete sich als Stützpunkt von der Architektur und der Lage perfekt für die mobile Einsatzgruppe an. „Warum sollte man nun dieses Gebäude abreißen, einen Neubau hochziehen, um dann auf einer anderen Fläche, die es übrigens gar nicht gibt, ein neues Einsatzgebäude für die DLRG zu planen?“, fragt Pender.

CDU-Mann Pender wirft der SPD mit Tobias Schloo als Vorsitzendem des Sozialausschusses an der Spitze mangelnde Kommunikation vor. Bevor sie ihren Antrag gestellt haben, hätten sie die DLRG über ihre Pläne informieren und die Sicht der Betroffenen einholen müssen. Dann wäre es möglicherweise gar nicht zu dem Prüfauftrag gekommen, die DLRG wäre nicht unnötig in Aufruhr versetzt und verunsichert worden.

„Ein Prüfauftrag ist Verwaltungshandeln“, sagt SPD-Mann Schloo. Daher könne er sich nicht erklären, wie es zu der Aussage des Sozialamtsleiters im Sozialausschuss gekommen ist. „Die Stadt hat, gemäß politischem Prüfauftrag, die ehemalige Feuerwache als möglichen Standort geprüft. Es haben dazu auch Gespräche mit der DLRG als jetziger Nutzerin stattgefunden“, sagt Rathaussprecher Bernd-Olaf Struppek. Zu diesem Thema sei aber noch nichts entschieden. Schloo sagt, er habe immer mal wieder auf Veranstaltungen mit Vertretern der DLRG gesprochen und den Eindruck gewonnen, dass der Verein eine neue Bleibe suche. Nun wolle die SPD das Gespräch mit der DLRG suchen. „Fest steht aber schon: Wir werden die DLRG auf keinen Fall rauswerfen“, sagt der Ausschussvorsitzende.