Norderstedt
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Stadtwerke wollen Technologieführer werden

Werkleiter Axel Gengelbach, Daniel Günther, die Werkleiter Jens Seedorff und Theo Weirich, Elke Christina Roeder und Hans-Joachim Grote (von links) beim Festakt.

Werkleiter Axel Gengelbach, Daniel Günther, die Werkleiter Jens Seedorff und Theo Weirich, Elke Christina Roeder und Hans-Joachim Grote (von links) beim Festakt.

Foto: Michael Schick

Stadtwerke Norderstedt feiern 100., wilhelm.tel den 20. Geburtstag. Am Festakt am Freitag im Kulturwerk nahm auch Ministerpräsident Günther teil.

Norderstedt.  „Wir wollen in Europa Technologieführer werden und uns an den Chinesen orientieren, die uns bei der Digitalisierung fünf Jahre voraus sind.“ Das sind die Ziele, die Theo Weirich, einer von drei Leitern der Norderstedter Stadtwerke, für die Zukunft formulierte. „So demütig wie immer“, wie Werkleiter Jens Seedorff ironisch ergänzte. Anlass für den mutigen Ausblick war die Vergangenheit, denn: Die Stadtwerke feiern ihren 100., deren „Sohn“ wilhelm.tel den 20. Geburtstag.

Schon mehrfach in diesem Jahr haben der Energieversorger und der Kommunikationsanbieter die Jubiläen mit den Bürgern gefeiert. Am Freitag nun gab es den offiziellen Festakt im Kulturwerk mit 200 geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik. Und da ließ es sich der Ministerpräsident nicht nehmen, die Geburtstagskinder zu würdigen. Daniel Günthers Rede war ein kräftiger Lobgesang auf die beiden kommunalen Unternehmen: „Trotz ihrer 100 Jahre sind die Stadtwerke ein rüstiges Unternehmen mit bundesweitem Vorbildcharakter. Gemeinsam mit wilehlm.tel hätten die Werke eine absolute Erfolgsgeschichte geschrieben.

Stadtwerke haben schon 2004 Glasfaserkabel in Norderstedt verlegt

Viele Städte im Norden blickten neidisch nach Norderstedt. Und dort richte sich der Blick nicht nur nach innen: „Theo Weirich und sein Team sind immer da, wenn Schleswig-Holstein Hilfe braucht. Während die Stadt schon 2004 die leistungsstarken Glasfaserkabel in der Erde verbuddelt und ein stadtweites Netz geschaffen habe, werde das nördlichste Bundesland erst 2025 flächendeckend modernes Internet anbieten können. „Unser erster Blick morgens geht in den Süden des Landes, und wir gucken, was in Norderstedt läuft“, sagte der Regierungschef. Schon immer sei die Stadt ein Innovationstreiber gewesen, beispielsweise mit dem Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden. „Wenn sich alle so früh auf den Weg gemacht hätten wie die Norderstedter, bräuchten wir uns heute keine Gedanken zu machen, wie wir die Klimaschutzziele erreichen können.“

Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder sagte an die Adresse von Günther, sie freue sich, „dass Sie so ein Norderstedt-Fan geworden sind“. Sie dankte einem Mann für seine „klugen und zukunftsweisenden Entscheidungen“, der natürlich auch unter den Gästen war: Innenminister Hans-Joachim Grote habe als langjähriger Norderstedter Verwaltungschef maßgeblich dazu beigetragen, bei den Stadtwerken und wilhelm.tel ein Erfolgskapitel nach dem anderen aufzuschlagen. Das funktioniere aber auch nur mit kompetenten, zuverlässigen und motivierten Mitarbeitern einerseits und Kommunalpolitikern, die die innovativen Ideen der Stadtwerke mitgetragen und unterstützt hätten.

Oberbürgermeisterin Roeder erinnerte an die Anfänge im Jahr 1919

Roeder erinnerte an die Anfänge 1919, als es in Garstedt zwei Trafostationen und 280 Stromkunden gegeben habe. 60 Pfennig kostete damals die Kilowattstunde Strom, doch die meisten Garstedter konnten sich Elektrizität nicht leisten. 70.000 Kilowattstunden seien damals pro Jahr verbraucht worden. Heute reiche das für den Bedarf von 14 bis 15 Haushalten mit je vier Personen. Auf Basis des damaligen Strompreises koste eine Kilowattstunde heute zwölf Euro. „Doch davon sind wir glücklicherweise weit entfernt, und wir wollen bei den Werkleitern auch gar keine Begehrlichkeiten wecken“, sagte Roeder.

Doch die Stadtwerke sicherten mit 431 Mitarbeitern, wilhelm.tel mit 132 und die Stadtpark Norderstedt GmbH mit 49 Beschäftigten die Versorgung der Norderstedter mit Strom, Gas, Fernwärme, Trinkwasser, Internet und Freizeitspaß. „Sie bieten zugleich Service und Ansprechpartner in der Stadt, bilden aus und sind als Sponsor wichtiger Partner für Sportvereine und Veranstaltungen.“

Volker Hallwachs leitete die Stadtwerke 38 Jahre lang

Die Werkleiter dankten ihrem Vorgänger, der die Basis für die erfolgreiche Arbeit geschaffen habe: Volker Hallwachs leitete die Werke 38 Jahre lang. Im Umgang nicht immer einfach, hatte er doch die richtigen Ideen. Er setzte die U-Bahnverlängerung nach Norderstedt-Mitte durch, sicherte den Betrieb des kommunalen Schwimmbades und gründete die Verkehrsgesellschaft Norderstedt. Sein vielleicht erfolgreichstes Projekt war die Gründung von wilhelm.tel, um die Position der Stadtwerke zu festigen, nachdem 1998 der Strommarkt liberalisiert worden war. So war es nicht erstaunlich, dass es lang anhaltenden Applaus gab, als sein Name fiel. „Was wir tun, machen wir nicht aus Selbstzweck, sondern für die Norderstedter und mit ihnen“, sagte Seedorff.