Norderstedt
Pilotversuch

Mit diesem Chip sollen Müllsünder entlarvt werden

Jürgen Haldau (l.) und Gerd Köneking vom WZV testen während ihrer Tour in Ellerau, ob das Chipsystem funktioniert. Der Chip, so groß wie eine 2-Euro-Münze, ist auf der Unterseite der Biotonne am Schüttkamm befestigt.

Jürgen Haldau (l.) und Gerd Köneking vom WZV testen während ihrer Tour in Ellerau, ob das Chipsystem funktioniert. Der Chip, so groß wie eine 2-Euro-Münze, ist auf der Unterseite der Biotonne am Schüttkamm befestigt.

Foto: Michael Schick

Mit digitaler Technologie will der WZV für mehr Gebührengerechtigkeit sorgen. Und so funktioniert der Chip.

Ellerau.  Grün leuchtet auf, die Automatik hebt die Biotonne an und entleert den Inhalt ins Innere des Müllfahrzeugs. Eine neue Technologie zeigt Müllwerkern wie Jürgen Haldau und Gerd Köneking, dass alles Okay ist. Der Chip in der Tonne ist das Mittel, das der Wege-Zweckverband (WZV) bei der Müllabfuhr im Kreis Segeberg (außer in Norderstedt) im Kampf gegen Tonnen-Trickser einsetzen will.

„Die Menschen sind durchaus kreativ, wenn es darum geht, Geld zu sparen“, sagt Julia Hobohm, Leiterin im Bereich Abfall des WZV. Sie geht davon aus, dass drei bis sieben Prozent des Mülls entsorgt werden, ohne dass die Leistung vergütet wird. Mal stellen die Gebührensünder Bio-, Papier- oder Restmüllbehälter zur Abfuhr an die Straße, obwohl sie nicht angemeldet sind. Mal lassen sie die Tonne erst ordnungsgemäß bei sich leeren, füllen sie erneut und ziehen sie dann an die Straßenecke, wo die Müllwerker den Abfall bei der Tour eine Woche später in ihr Fahrzeug kippen – einmal bezahlen, zweimal entsorgen. „Das widerspricht der Gebührengerechtigkeit. Diejenigen, die sich korrekt verhalten, zahlen für die anderen mit“, sagt Hohbohm.

4900 Müllbehälter wurden mit Chip ausgestattet

Bisher wurde jede Tonne, die an der Straße stand, auch geleert. Nun soll der Chip den Schwarztonnen den Garaus machen. Für den Pilotversuch hat sich der WZV Ellerau ausgesucht. Dort wurden alle 4900 Müllbehälter in den vergangenen Wochen mit den orangefarbenen Chips eines Identifikationssystems ausgestattet. Gespeichert sind der dazugehörige Haushalt, die Abfallart, Volumen und Abholrhythmus.

„Die Ellerauer haben richtig gut mitgemacht“, berichtet Julia Hobohm. Bevor die kleinen Informationsträger installiert wurden, hat der WZV das Abrechnungsverfahren umgestellt. Bis zum 1. Juli haben die Stadt und Gemeindeverwaltungen die Müllgebühren erhoben. Seitdem erledigt das der WZV. Zuvor wurden die kommunalen mit den WZV-Daten abgeglichen – mit überraschenden Erkenntnissen. „Da sind wir auf Windeltonnen gestoßen, die es offiziell seit 1996 nicht mehr gibt“, sagt Hobohm. Bei 14,2 Prozent der Müllgefäße stimmten die Daten nicht überein.

Auch beim Chippen wurden eigentlich unmögliche Tonnenkombinationen ermittelt. Einige Kunden hätten ihre Tonnenfamilie kurzfristig angepasst. „Wenn da irgendetwas nicht mehr aktuell ist, ist das ja keine böse Absicht der Kunden. Wichtig ist uns allen doch, dass die Tonnen zu den festgelegten Terminen geleert werden. Weiter kümmern wir uns nicht darum“, sagt die Leiterin des Abfallbereichs.

Daten werden noch am Fahrzeug abgeglichen

Müllwerker Jürgen Haldau greift sich eine Biotonne und setzt sie auf die Schüttvorrichtung. „Bei den kleineren Gefäßen müssen wir darauf achten, dass der Chip auf dem Lesegerät sitzt“, sagt der Müllwerker. Die Daten werden noch am Fahrzeug abgeglichen, einen Wimpernschlag später leuchtet es schon grün auf dem Display, Tonne wird geleert.

An der nächsten Ecke schnappen sich Haldau und sein Kollege einen Behälter, der schon geleert ist. Rot leuchtet auf, die Automatik stoppt den Kippvorgang und fährt die Tonne zurück. Wer tricksen will, bleibt auf seiner vollen Tonne sitzen. Etwa 15 Minuten später laufen die Daten in der WZV-Zentrale in Bad Segeberg ein und werden ausgewertet. Die ersten Erkenntnisse: Rund fünf Prozent der Müllgefäße waren „Schwarztonnen“. Das neue Identsystem bietet einen weiteren Vorteil. „So können wir verlässlich Rede und Antwort stehen, wenn Bürger anrufen und behaupten ihre Tonne sei nicht geleert worden“, sagt die Leiterin des Abfallbereichs. Die Frage, ob Müllwerker nochmals rausfahren müssen, erübrige sich. Das spare Zeit und Geld und erlaube es zudem, die Touren effizienter zu planen – alles Argumente, dafür, die neue Prüftechnologie kreisweit zu installieren.

Das würde bedeuten: 180.000 Tonnen müssten gechippt werden. Die Kosten beziffert Hobohm auf rund 760.000 Euro. Sie geht aber davon aus, dass sich das Identsystem nach drei oder vier Jahren amortisieren wird.

Die Entscheidung, ob das Identsystem im gesamten Kreis Segeberg (außer in Norderstedt) eingeführt wird, treffen die Gremien des WZV. Dafür ist es nötig, dass die Ergebnisse der Testtouren in Ellerau vorliegen. Stimmen die Gremien zu, sollen alle Gefäße im kommenden Jahr mit den Chips ausgestattet werden.