Norderstedt
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Wer gibt 1,2 Millionen Euro fürs Schalomhaus?

Sie wollen so schnell wie möglich Leben in die Schalom-Gemeinde zurückbringen: Architektin Anke Held (von links), Pastor Gunnar Urbach, Propst Karl-Heinrich Melzer, der CDU-Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann, Arne Mann und Thorsten Borchers von der Norderstedter CDU und Pastor Ingmar Krüger.

Sie wollen so schnell wie möglich Leben in die Schalom-Gemeinde zurückbringen: Architektin Anke Held (von links), Pastor Gunnar Urbach, Propst Karl-Heinrich Melzer, der CDU-Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann, Arne Mann und Thorsten Borchers von der Norderstedter CDU und Pastor Ingmar Krüger.

Foto: Michael Schick

Pleiten, Pech und Pannen: Seit dem Baustopp 2017 ruht die Sanierung des kirchlichen Gemeindezentrums. Nun werden Sponsoren gesucht.

Norderstedt..  Nackte Betondecken, Leitungen, die eingemauert sind, statt frei zu hängen, zu kleine Leitungsquerschnitte, Gänge, die zuwuchern – die Schalomkirche macht nicht nur einen desolaten Eindruck , sie ist auch nicht nutzbar. Seit dem Baustopp 2017 ruht die Sanierung, die Kita ist aber in Betrieb. Nun soll es weitergehen, aber: Es fehlt Geld. 1,2 Millionen hat der Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein noch zur Verfügung, weitere rund 1,2 Millionen Euro für den Innenausbau muss der Bauherr jetzt auftreiben.

Und da hofft die Gemeinde auf den Bund. Gero Storjohann, Segebergs CDU-Bundestagsabgeordneter, soll den Fördertopf für Gebäude anzapfen, die unter Denkmalschutz stehen. Rund 40 Millionen Euro gibt die Bundesregierung pro Jahr aus, um marode Gebäude instand zu setzen (siehe unten). Nun hat sich Storjohann ein Bild vom Zustand des Gemeindezentrums am Lütjenmoor gemacht. Eingeladen hatten ihn Norderstedts CDU-Chef Thorsten Borchers und CDU-Stadtvertreter Arne Mann – beide gehören auch der Kirchengemeinde an –, Propst Karl-Heinrich Melzer und Pastor Ingmar Krüger.

Sie machten deutlich, warum das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Das 1974 gebaute Gemeindezentrum wurde als Kirche ohne Turm, Glocke und Altar, ohne Orgel und Kirchenbänke gebaut, dafür mit bequemen Sesseln und durch große Fenster von außen einsehbar – gedacht war es eher als Diskussionsforum denn als klassischer Kirchraum. Alles, was in der Gemeinde passiert, sollte unter ein Dach passen: kirchliche Verkündigung und Amtshandlungen, Seelsorge, Gemeindeleben, Jugendarbeit, Kinderbetreuung.

Im Gegensatz zu anderen Kirchen in Norderstedt wurde das bewusst moderne, architektonisch an Industrie- und Verwaltungsbauten erinnernde Schalom im Zentrum Norderstedts neben das Herold-Center gebaut. Bau- und Gemeindekonzept entsprachen einander: Das Schalom wollte eine offene und sozial engagierte Gemeinde sein, hatte eine gut besuchte, offene Jugendarbeit, ein Jugendcafé und einen Kinderladen. Die Gemeinde engagierte sich für den Frieden und gegen Atomkraft, für und mit Migranten und fragte nicht nach Kirchenzugehörigkeit.

Baukosten sind auf 4,7 Millionen Euro gestiegen

Die Architektin Anke Held von bauwerk Kirchliche Immobilien des Kirchenkreises erinnerte an die Sanierung seit 2015 – eine Geschichte voller Pleiten, Pech und Pannen, die die Baukosten, die ohnehin jährlich steigen, zusätzlich in die Höhe schnellen ließ von 2,8 Millionen auf aktuell 4,7 Millionen Euro.

„Was wir vorgefunden haben, entsprach nicht immer den Plänen und führte zu weiteren Arbeiten“, sagte die Architektin. Nachdem die Arbeiter beispielsweise die Decke abgehängt hatten, hätten sie festgestellt, dass die Leitungen nicht frei hingen, sondern eingemauert waren. Außerdem seien die Leitungsquerschnitte zu klein, um das Schmutzwasser abzutransportieren. Hinzu seien mehrere Wasserschäden und Schwierigkeiten bei Genehmigungen gekommen. Nun seien ein neues Architekturbüro beauftragt und der Sanierungsplan aktualisiert worden.

„Gesichert und finanziert durch Kirchengemeinde und Kirchenkreis sind nun alle Baumaßnahmen, die das Gebäude außen betreffen: denkmalgerechte Instandsetzung, energetische Verbesserung, Dachabdichtung, Mauerwerkssanierung, Fenster, Entwässerung, Außenanlagen“, sagt Anke Held.

Für den Innenausbau werden zusätzlich rund 1,2 Millionen Euro veranschlagt: Kirchsaal, Kapelle, Gemeinderäume, Räume für die Jugendhilfe, Wohnungen und Pastorat sowie Haustechnik-Räume und WCs müssen saniert oder erneuert werden. Diese Kosten sind noch nicht finanziert.

Nach dem Rundgang über die Baustelle und den Gesprächen mit dem Propst, den Norderstedter CDU-Politikern und Vertretern der Kirchengemeinde sagte Gero Storjohann zu, er werde sich dafür einsetzen, dass das Schalom Fördermittel des Bundes bekomme, wenn das entsprechende Förderprogramm wieder aufgelegt werde.

Propst Melzer betont soziale Bedeutung des Schalomhauses

„Wie der Gemeinde geholfen werden kann, werden wir bei einem Gespräch im Oktober klären. Dieses Zentrum hat von seinen Veranstaltungen her für Norderstedt und für die Gemeinde eine große Bedeutung“, sagte Storjohann. Die Kirche als Forum und Begegnungsort habe auch die Möglichkeit, Geld aus der Städtebauförderung mit den Schwerpunkten „Soziale Stadt“, „Stadtumbau West“ sowie „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ zu bekommen. Schließlich könne der Bauherr auch Stiftungen ansprechen.

Gunnar Urbach, langjähriger Pastor in Norderstedt und jetzt zuständig für das Fundraising des Kirchenkreises, denkt über Ideen für das Einwerben von Spenden nach. Das hatte beim Neubau des Frauenhauses sehr gut geklappt. „Wir müssen Bürgern wie Unternehmen die soziale Bedeutung des Schalomhauses verdeutlichen“, sagte Propst Melzer. Die CDU will versuchen, der Stadt eine Geldspritze abzuringen, ebenfalls mit Blick auf die soziale Arbeit – im Gemeindehaus hatte auch die Straßensozialarbeit des „Lichtblick“ ihre Anlaufstelle.

Weitere Infos: 250.000 Euro für die Kirche in Bornhöved

Rund 40 Millionen Euro stellt der Bund aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) jedes Jahr für die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude zur Verfügung. 80 Prozent entfallen auf Kirchen. „Rund 2,8 Millionen gehen nach Schleswig-Holstein“, sagt der Segeberger CDU-Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann. Im Kreis Segeberg habe die Kirchengemeinde Bornhöved davon profitiert, die 250.000 Euro für die Sanierung der St.-Jakobi-Kirche bekomme. Auch die Marienkirche in Bad Segeberg steht auf Storjohanns Förderliste, vielleicht werde es im kommenden Jahr Geld vom Bund geben. Nun will sich der Abgeordnete dafür stark machen, dass das Schalom-Gemeindezentrum in Norderstedt eine Finanzspritze aus Kiel für die Restsanierung erhält. „Maximal gibt es 500.000 Euro für ein Einzelprojekt“, sagt Storjohann.