Norderstedt
Recyclinghof Norderstedt

WZV – Kritik aus Henstedt-Ulzburg wird schärfer

Der Recyclinghof Norderstedt an der Oststraße, der vom Wege-Zweckverband getrieben wird.

Der Recyclinghof Norderstedt an der Oststraße, der vom Wege-Zweckverband getrieben wird.

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Gemeinde will Antrag von Politikern aus Bad Bramstedt auf erneute Wirtschaftsprüfung der Strukturen des Wege-Zweckverbandes mittragen.

Bad Segeberg. Es bleiben unruhige Zeiten für den Wege-Zweckverband im Kreis Segeberg. Zwar hat das Amtsgericht Norderstedt das Betrugsverfahren gegen den ehemaligen Leiter des Recyclinghofs Norderstedt eingestellt. Doch erstens behält sich die Stadt Norderstedt weiterhin vor, Regressansprüche zu stellen (das Abendblatt berichtete) – und zweitens wenden sich auf der Verbandsversammlung am morgigen Dienstag in Bad Segeberg (16 Uhr, WZV-Fahrzeughalle, Am Wasserwerk 5) zwei der größten Kommunen gegen die Verantwortlichen des Entsorgers. Denn Politiker und Verwaltung in Henstedt-Ulzburg und Bad Bramstedt misstrauen den Strukturen des WZV offenkundig und wollen die Finanzen erneut durchleuchten lassen.

Dafür beantragt die Bramstedter Bürgermeisterin Verena Jeske eine weitere Wirtschaftsprüfung. „Ein Fachanwalt für Wirtschaftsrecht oder eine Unternehmensberatung“, welche „bislang nicht für den WZV oder dessen Tochterunternehmen tätig war“, heißt es, solle das übernehmen. Geprüft werden sollen Vorgänge, die im Bericht des Gemeindeprüfungsamtes (GPA) dokumentiert sind – und zwar mit Blick darauf, ob „zivil- oder strafrechtliche Tatbestände erfüllt sein könnten“.

In dem GPA-Papier werden dem WZV Verstöße bei Auftragsvergaben, überhöhte Beraterverträge und Verfehlungen bei der Berechnung von Gebühren vorgeworfen. Das lasse vermuten, so der Bramstedter Antrag, „dass zumindest Vergaberichtlinien und Compliance-Regeln nicht eingehalten wurden“.

Henstedt-Ulzburg, das Bad Bramstedt vermutlich unterstützen wird, hat die Tonlage längst verschärft. Die Mehrheit der Politiker ist der Meinung, dass die in letzter Zeit stark gestiegenen Müllgebühren auch eine Folge von Misswirtschaft sind. „Möglicherweise muss man den WZV anders aufstellen“, sagte Bürgermeister Stefan Bauer sogar kürzlich im Hauptausschuss. Karin Honerlah von der WHU, selbst Delegierte in der Verbandsversammlung, nennt den GPA-Bericht „erschütternd“. Die Verbandsversammlung, in der unter anderem alle Bürgermeister der WZV-Kommunen sitzen, kritisiert sie scharf. „Wenn es dort zu den wichtigen Themen kommt, wollen die ersten schon wieder auf den Mähdrescher.“

Und Kurt Göttsch von den Grünen sagt, zwar würden sich derzeit wenige Menschen dafür interessieren – „das könnte sich ändern, wenn die Menschen den Zusammenhang zu unnötig hohen Müllgebühren herstellen“. Die Verbandsversammlung wird auch die letzte vor dem Amtsbeginn des neuen Verbandsvorstehers Peter Axmann sein, der am 1. Juli seinen ersten Arbeitstag hat. Eines seiner Versprechen: mehr Transparenz im WZV.