Norderstedt
Veranstaltung

Talk im Langenhorner Kulturhaus: Und wie fastest du?

Fasten bedeutet die völlige oder teilweise Enthaltung von allen oder bestimmten Speisen, Getränken und Genussmitteln für einen bestimmten Zeitraum.

Fasten bedeutet die völlige oder teilweise Enthaltung von allen oder bestimmten Speisen, Getränken und Genussmitteln für einen bestimmten Zeitraum.

Foto: Suradech14 / Getty Images/iStockphoto

Vertreter der jüdischen, buddhistischen, muslimischen und christlichen Religion diskutierten im Kulturhaus Lali. Ein Besuch vor Ort.

Langenhorn.  „Und wie fastest du?“ So lautete der Titel eines Talks im Langenhorner Kulturhaus LaLi zum Thema Fasten mit jüdischen, buddhistischen, muslimischen und verschiedenen christlichen Experten sowie einer Ernährungswissenschaftlerin. Organisiert vom Jugendmigrationsdienst EvaMigrA, dem Diakonie-Quartiersprojekt, dem ella- Kulturhaus, dem SelbstLernZentrum und dem Bezirksamt Nord, Fachstelle Gesundheit.

Der Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan sei ein guter Anlass, so befanden die Organisatoren, das Thema Fasten in verschiedenen Religionen und auch das gesundheitliche Fasten ins Gespräch zu bringen. Viele Menschen wüssten, dass im Ramadan gefastet wird. Nur wenigen sei jedoch bekannt, dass in nahezu allen Religionen Fastenregeln gelten.

Buddhist will beim Fasten negative Gedanken reduzieren

Anja Schiffner vom Diakonie-Quartiersprojekt und Boon Jan Hamann von EvaMigrA begrüßen die Gäste. Dann läutet Moderatorin Sabine Middel-Spitzner die Podiumsdiskussion ein mit der ersten Frage „Was bedeutet Ihnen Fasten?“ „Negative Gedanken und Geisteszustände zu reduzieren“, so der Buddhist Oliver Petersen vom Tibetischen Zentrum. Für Shlomo Bistritzky, den Landesrabbiner der Stadt Hamburg, ist Fasten „zunächst Verzicht auf Essen und Trinken, aber auch, Traditionen zu erfüllen.“ „Achtsamkeit und auch Sensibilisierung für eigene Themen“, antwortet die Ökotrophologin Kadi Sieben. „Fasten ist Reinigung, sowohl körperlich wie geistig“, sagt Martin Haars, Mitglied der RAI Vision (migrantischer Verein zur Förderung der Integration, hauptsächlich für geflüchtete Eritreer). Er vertritt an diesem Abend die orthodoxen Christen aus Eritrea und Äthiopien.

Der Imam der Zentralmoschee Borstelmannsweg, Ferhat Sevinc, verbindet Fasten mit „Gottesfürchtigkeit und dem Kennenlernen von Abhängigkeiten“. Freiheit und Freiwilligkeit sind wichtig, so Albrecht Süptitz, Religionspädagoge und Leiter der EvaMigrA.

Fastenzeiten in den Religionen sind sehr unterschiedlich

Sehr prominent diskutiert wird an diesem Abend das Fasten im Islam, die im Koran verankerte religiöse Pflicht der Muslime. Einen Monat lang wird von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen (beziehungsweise generell Genussmittel) und geschlechtliche Beziehungen verzichtet. Wie fühlt sich das an? Und ist es ungesund, nichts zu trinken? „In den ersten Tagen ist es anstrengend“, so der Imam. Nach ein bis zwei Tagen habe sich der Körper daran gewöhnt. „Muslim zu sein heißt auch, überzeugt zu sein, dass es für den Menschen nicht schädlich ist.“ Und wie sieht es die Ernährungswissenschaftlerin? Sie könne aus keinen wissenschaftlichen Studien zitieren. Doch: „Das Durstempfinden ist unterschiedlich bei den Menschen“, sagt Kadi Sieben. Ein Mensch komme drei bis vier Tage ohne Trinken aus.

Nicht nur die Philosophien des Fastens sind unterschiedlich, die Fastenzeiten sind es auch. Im Buddhismus, so erfahren die Gäste, spielt „Verzicht“ allgemein eine wichtige Rolle. So nehmen buddhistische Mönche und Nonnen täglich von Mittag an keine Nahrung mehr zu sich. Der wichtigste Feier- und Fastentag ist „Vesakh“ am ersten Vollmondtag im Mai oder Juni. Dann werden Geburt, Erleuchtung und der Tod Buddhas gefeiert.

Im Judentum wird zu Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, 25 Stunden lang gefastet. Kurz vor Sonnenuntergang des Vortags bis zum nächsten Sonnenuntergang wird weder flüssige noch feste Nahrung eingenommen. Es ist ein Tag der absoluten Ruhe, Buße und Versöhnung. Neben fünf weiteren wichtigen Fastentagen gebe es auch das freiwillige Fasten – beispielsweise am Vorabend des monatlichen Neumonds, am eigenen Hochzeitstag und am Todestag der Eltern.

Im orthodoxen Glauben wird zusätzlich zu den mehrwöchigen Fastenzeiten auch jeden Mittwoch und Freitag gefastet.

Zum Abschluss gibt es ein gemeinsames Fastenbrechen

Evangelische und katholische Christen sehen, so Religionspädagoge Süptitz, das „Fasten unter dem Begriff der Freiheit“. Sie fasten freiwillig, wenn sie das möchten. Die „kleine christliche Fastenzeit“ ist der Advent. Die christliche Fasten- oder Passionszeit dauert von Aschermittwoch bis Ostern.

Die Talkrunde ist sich einig, dass es wichtig sei, Achtung vor der Religiosität anderer zu haben. Schließlich hätten alle Religionen eines gemeinsam: Menschen friedlicher zu machen. Sie geistig und seelisch zu stärken. „Welche Wege gäbe es für uns, den Schritt zu Ihrer Religion zu machen?“, fragt die Moderatorin in die Runde. „Haben Sie den Mut, auf Menschen anderer Kulturen und Glaubensrichtungen zuzugehen. Sprechen Sie uns an. Unsere Türen sind offen“, ist die Antwort. In diesem Sinne beschließen die Gäste den Abend zum Sonnenuntergang mit einem gemeinsamen muslimischen Fastenbrechen und regem Gedankenaustausch.