Prozess

Goldbarren bei 88-jährigem Demenzkranken erbeutet

Am 18. April beginnt der Prozess vor dem Amtsgericht Norderstedt.

Am 18. April beginnt der Prozess vor dem Amtsgericht Norderstedt.

Foto: Oliver Berg / dpa

Die Staatsanwaltschaft hat zwei Männer angeklagt, die einen Norderstedter Rentner um 400.000 Euro betrogen haben sollen.

Norderstedt.  Das Amtsgericht in Norderstedt beschäftigt sich am Donnerstag, 18. April, mit dem besonders rücksichtslosen Betrug, den ein 24 und ein 38 Jahre alter Mann verübt haben sollen. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hatte den 38-Jährigen festgenommen, kurz bevor der Rentner ihm weitere Goldbarren im Wert von 200.000 Euro übergeben wollte.

Die Ermittler ordnen beide Männer einer Bande zu, die sich im Herbst 2017 zusammengeschlossen hat, um alte Menschen zu betrügen. Die Drahtzieher sollen in Call-Centern in der Türkei gesessen und vor dort aus ihre Opfer angerufen haben. Dabei gaben sie sich als Polizeibeamte oder Staatsanwälte aus und erweckten durch Lügen bei den Senioren den Eindruck, dass ihr Vermögen in Gefahr sein.

Im September 2017 nahmen die Anrufer mehrfach Kontakt zu dem Norderstedter auf

In mehreren, teilweise langen Gesprächen gelang es den Tätern in den Call-Centern, ihre Opfer dazu zu überreden, ihre Wertsachen an ihrem Wohnort anderen vermeintlichen Polizeibeamten zu übergeben, die ebenfalls der Bande angehörten.

Im September 2017 nahmen die Anrufer mehrfach Kontakt zu dem 88-jährigen Norderstedter auf. „Zu diesem Zwecke sollen sie sich wahrheitswidrig als Kriminalbeamte ausgegeben haben und den Geschädigten dazu veranlasst haben, am 12. September 2017 Goldbarren zum Preis von circa 400.000 Euro bei einer in Hamburg ansässigen Firma zu kaufen“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Polizei fingierte die zweite Übergabe von Goldbarren

Am 22. September übergab der Rentner das Gold an ein bislang unbekanntes Bandenmitglied und glaubte, einen Polizeibeamten vor sich gehabt zu haben. Noch am selben Tag hat der 88-Jährige nach Erkenntnissen der Kripo eine weitere Bestellung zum Preis von 200.000 Euro bei der Hamburger Firma aufgegeben. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste bereits die Kripo über den Betrug Bescheid, ermittelte im Verborgenen und inszenierte eine fingierte Lieferung. Tatsächlich war die Bestellung bereits storniert worden. Als es zur zweiten Übergabe am 4. Oktober kommen sollte, schlug das Spezialeinsatzkommando zu.

Die Polizei verzeichnet bundesweit einen massiven Anstieg ähnlicher Delikte

Der 24-Jährige soll als „Logistiker“ tätig gewesen sein und den Kontakt zwischen den Drahtziehern und dem Abholer, dem heute 38-Jährigen, gehalten haben. Zu den Aufgaben des „Logistikers“ gehörte laut Anklage die Suche nach Abholern, ihre Handynummern an die Drahtzieher zu übermitteln und die Beute von ihnen zu übernehmen. Dafür soll der Abholer entlohnt worden sein, der sich bei dem Opfer als „Herr Müller von der Kriminalpolizei“ ausgegeben haben soll.

Seit etwa zwei Jahren verzeichnet die Polizei bundesweit einen massiven Anstieg ähnlicher Delikte und warnt ältere Menschen vor Betrügern, die eine falsche Identität angeben, und rät zu größtem Misstrauen.