Norderstedt
Boostedt

Angeklagter will Tatwaffe gefunden haben

Die Unterkunft in Boostedt, in der sich die Tat ereignete.

Die Unterkunft in Boostedt, in der sich die Tat ereignete.

Foto: Frank Molter / dpa

Prozess um Messerstiche bei Übertragung eines Spiels der Fußball-WM in Boostedt: Zeuge erscheint nicht vor dem Landgericht.

Kiel/Boostedt.  Im Prozess um die Messerstiche bei einer Fußball-WM-Übertragung in der Flüchtlingsunterkunft Boostedt hatte der wegen versuchten Totschlags angeklagte Iraker zuletzt überraschend einen Entlastungszeugen benannt: Ein Afrikaner könne bezeugen, dass er während der Massenschlägerei zwischen gegnerischen Fußballfans die Tatwaffe zufällig auf dem Boden liegen sah und einsteckte, damit sie nicht in falsche Hände geriet.

Als Reaktion auf diese Darstellung hatte die Strafkammer den angeblichen Entlastungszeugen umgehend zur Aussage vor dem Kieler Landgericht geladen. Doch der Afrikaner folgte nicht der schriftlichen Aufforderung zum Termin. Die Kammer brummte ihm 100 Euro Ordnungsgeld auf und bestellte ihn für den nächsten Prozesstag ein. Sollte der Zeuge dann erneut unentschuldigt fehlen, muss er mit seiner Inhaftierung rechnen.

Wie berichtet, bestreitet der 33 Jahre alte Angeklagte den Vorwurf, einem 20-jährigen Afghanen vier Messerstiche in die Brust versetzt zu haben. Das lebensgefährlich verletzte Opfer soll kurz zuvor als Reaktion auf die Schlägerei während des WM-Spiels Irak–Spanien das Fernsehgerät im Gemeinschaftsraum mit einem Stuhl zertrümmert haben.

Der Angeklagte wurde in dem seit Dezember des vergangenen Jahres laufenden Prozess bisher von mehreren Zeugen als Täter belastet. Bei ihm hatte die Polizei damals die Tatwaffe mit den Blutspuren des Opfers sichergestellt. Die Strafkammer setzte nach der Einlassung des Angeklagten drei weitere Fortsetzungstermine an. Das Urteil könnte Ende Februar verkündet werden.