Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Eine Holzbrücke, die niemand haben will

Foto: Frank Knittermeier / KNITTERMEIER

Bauwerk über die Alster in Henstedt-Ulzburg muss saniert werden, doch das Geld fehlt. Denn Land und Gemeinde wollen nicht zahlen.

Henstedt-Ulzburg.  Die Alsterquelle liegt zwar in Henstedt-Ulzburg , aber die Brücken über den in diesem Bereich noch schmalen Fluss sind für die Gemeinde eher eine Belastung. Nachdem eine Bürgerinitiative vor einigen Jahren den Abriss und die Umgestaltung der Alsterbrücke am Hohnerberg verhindern konnte, steht jetzt die nächste Brücke wenige Hundert Meter weiter im Fokus der Diskussionen. Von der Alsterquelle aus gesehen ist es nach der Hohnerberg-Brücke die nächste: Die Alsterbrücke beim Schlappenmoor soll abgerissen werden und durch eine Furt ersetzt werden, weil Land und Gemeinde nicht für die Reparatur- und Erhaltungskosten aufkommen wollen.

Anders als die Hohnerberg-Brücke steht die etwa 40 Jahre alte Holzbrücke am Schlappenmoor nicht so sehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Aber sie erfüllt für Spaziergänger und Wanderer, für Naturschützer, Jäger und Landwirte eine wichtige Funktion: Nur über diese Brücke können das Moorgebiet und die angrenzenden Feuchtwiesen erreicht werden. Tatsächlich ist die Nutzung als Wanderweg gewünscht und gewollt: Es gibt zwei Rastplätze und diverse Bänke in unmittelbarer Nähe, acht Tafeln weisen auf die Pflanzen und Tierwelt in diesem Bereich des Naturschutzgebietes Oberalsterniederung hin. Das Landesamt für Umwelt und ländliche Räume hat dafür gesorgt, dass Spaziergänger mit ausreichend Informationen versorgt werden.

Über vier Jahrzehnte gab es keine Diskussionen über die Brücke . Aber kurz vor Weihnachten ist alles anders: Das Land müsste die Brücke demnächst sanieren, will sich diesen Aufwand aber ersparen. „Das Land will die Brücke loswerden“, sagt Klaus Möller, Vorsteher des Gewässerpflegeverbandes Alster-Rönne. „Wer die Brücke haben will, bekommt sie.“ Das hört sich zunächst interessant an, ist es aber zumindest für die Gemeinde Henstedt-Ulzburg nicht: „Wer die Brücke übernimmt, muss auch für die Verkehrssicherheit sorgen und sie gewährleisten“, erklärt Klaus Möller.m, Im Henstedt-Ulzburger Rathaus ist das Interesse gleich null. „Das wäre eine weitere finanzielle Last für die Gemeinde“, sagt Bauamtsleiter Jörn Mohr.

Die Brücke ist Teil des Rundwanderweges

Fazit: Das Land will die Brücke nicht, die Gemeinde auch nicht – also wird sie abgerissen und durch eine Furt, also einen Weg durchs Wasser, ersetzt. Sie wäre die einzige Möglichkeit, für einen betroffenen Landwirt, für die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und den Naturschutzbund (Nabu), die eigenen Flächen zu nutzen und zu pflegen. Das ist der Stand heute. Aber die Naturschützer wollen das so nicht akzeptieren. „Unser Eindruck ist, dass Land und Gemeinde die Brücke los sein wollen, ohne weiter darüber nachzudenken“, sagt Peter Schiebold vom Nabu in Norderstedt, der die Pflege der genau neben der Brücke liegenden Orchideenwiese übernommen hat.

Die Unterbrechung des Wanderweges durch den Abriss der Schlappenmoorbrücke bedeutet seiner Ansicht nach eine erhebliche Beeinträchtigung für die vom Land und der Gemeinde gewollte Nutzung des Naturschutzgebietes durch die heimische Bevölkerung und auswärtigen Besucher. „Die Brücke ist Teil des Rundwanderweges“, ergänzt Gebietsbetreuer Ernst Lohse, der für die Landesjägerschaft im Einsatz ist. Als Bauingenieur rechnet er vor, dass die Brücke für rund 8000 Euro saniert werden könnte, die Einrichtung einer Furt aber rund 60.000 Euro kosten würde.

Zwar ist eine Entscheidung über den Abriss der Brücke offiziell schon gefallen, aber Bauamtsleiter Jörn Mohr lässt die Hintertür noch einen Spalt offen. „Wenn die Politik entscheidet, dass die Gemeinde Henstedt-Ulzburg die Brücke übernehmen sollte, wäre das eine andere Sache; bislang aber liegt kein Antrag vor.“

Das könnte sich ändern: Inga Lütjohann, Mitglied der BfB, kündigt an, ihre Fraktion werde sich dafür einsetzen, dass die Gemeinde die Kosten für die Pflege der Brücke übernimmt. Jägerschaft und Nabu würden den BfB-Antrag unterstützen.

Eile ist geboten: Der Gewässerpflegeverband Alster-Rönne hat den Abriss der Brücke bereits beschlossen. Sehr zum Entsetzen des Nabu Norderstedt, der zur entscheidenden Sitzung im Verwaltungsgebäude des Amtes Itzstedt mit einigen Vertretern angereist war. „Wir wurden dort vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Peter Schiebold.

Sollte es tatsächlich zum Abriss der Brücke kommen, müsste nach Ansicht des Nabu und der Jägerschaft parallel zur Furt eine Querung der Alster per Fußgängersteg ermöglicht werden.