Norderstedt
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Norderstedt ist Weltspitze im Streaming

Das Logo der Streaming-App Prime Video von Amazon.

Das Logo der Streaming-App Prime Video von Amazon.

Foto: Patrick Semansky / picture alliance/AP Images

Laut Amazon werden nur an zwei anderen Orten auf der Erde ähnlich viele Prime-Videos pro Kopf geschaut wie in Norderstedt.

Norderstedt.  Seit dieser Woche weiß die ganze Welt, was die Norderstedter in ihrer Freizeit am liebsten machen. Nämlich: Auf der Couch sitzen und Serien gucken. Gut, das hat die Stadt nicht exklusiv. Dafür aber einen anderen, sehr erstaunlichen Sonderstatus. Diesen hat Amazon jetzt verraten. Versteckt in einer Pressemitteilung, die einige Fakten zum „Prime“-Angebot des Online-Versandriesen auflistet, wird nüchtern vermeldet, wo pro Kopf weltweit die meisten Videos über Prime abgerufen werden.

Zu den Top drei gehört Santa Clara (127.000 Einwohner) in Kalifornien. Kein Wunder, das ist mitten im Silicon Valley. Und das japanische Tokai. Also ein Ballungsraum mit mehr als 15 Millionen Menschen. Wer noch fehlt in dieser Liste? Natürlich Norderstedt.

Die Welthauptstadt des Streaming. Auf diesen Werbeslogan wäre im Rathaus niemand gekommen. Leider behält Amazon die wirklich brisanten Daten für sich. Also wie viele Stunden jeder Norderstedter täglich über Fernseher, Tablet oder Smartphone Serien wie „Jack Ryan“ – nach eigenen Angaben beliebteste Eigenproduktion des Anbieters – konsumiert.

80.414 Einwohner hat Norderstedt laut Auskunft der Verwaltung aktuell. Warum werden hier im Durchschnitt so viele Videos geschaut? Die erste Vermutung von Ortsunkundigen wäre vielleicht: Es ist hier so langweilig, dass die Bevölkerung keine andere Wahl hat. Lokalpatrioten werden protestieren. Im Sommer der Stadtpark, im Winter die „TriBühne“, immerhin auch die Hopfenliebe, das Kulturwerk und eigentlich an jedem Wochenende irgendwelche Veranstaltungen oder notfalls wenigstens die U-Bahn nach Hamburg – ganz so öde ist es hier nicht.

Es wird vielleicht eher mit einem weiteren Alleinstellungsmerkmal zu tun haben. Für das Glasfasernetz von wilhelm.tel wurde – und wird – Norderstedt seit Jahren von weitaus größeren Städten beneidet. So gut wie jeder Haushalt ist angeschlossen, die hohen Übertragungsraten sind essenziell für das Videostreaming. „Digitalisierung fußt auf Konnektivität“, sagt Oliver Weiß, Sprecher der Stadtwerke, wo man sich die Amazon-Mitteilung genüsslich durchgelesen hat. „Die Fakten von Amazon sagen, dass der Datenaustausch so hoch ist. Als wilhelm.tel haben wir eine Telekommunikationsin­frastruktur verlegt, die das möglich macht. Und in Norderstedt und Hen­stedt-Ulzburg haben wir ungefähr 1000 Access-Points für WLAN.“ Was die ferne, in Seattle ansässige PR-Abteilung von Amazon denkt, nämlich, dass die Norddeutschen nur im Wohnzimmer Serien gucken, muss gar nicht stimmen, denn das ist in Norderstedt auch in aller Öffentlichkeit möglich.