Norderstedt
Norderstedt

Tanzen, damit das Herz im Takt bleibt

Foto: Christopher Herbst

Beim Line Dance des Roten Kreuzes Norderstedt tun verschiedene Altersgruppen unter ärztlicher Aufsicht etwas für ihre Gesundheit.

Norderstedt.  Manchmal dauert er nur wenige Sekunden, doch das Leben ist danach ein anderes. Mehr als 200.000 Herzinfarkte gibt es pro Jahr in Deutschland, die Herzschwäche ist die häufigste Ursache für stationäre Krankenhausaufenthalte. Mehr noch: Die Zahl der Sterbefälle durch derartige Erkrankungen hat 2017 sogar leicht zugenommen – doch selbst wer überlebt, muss in der Folge mit teils erheblichen Einschränkungen im Alltag zurechtkommen. Der Weg zurück zu einer stabilen körperlichen Verfassung ist jedoch nicht einfach, wenn die Leistungsfähigkeit des Organs nur noch bei 60 oder 70 Prozent liegt.

In der Gruppe sind herzkranke und gesunde Menschen

„Ein Herzinfarkt bedeutet den Verlust aktiver Herzmuskulatur – in Konsequenz Körperschwäche, Schwindel, weitere Probleme“, sagt Dr. Reinhard Zahn. Er begleitet als Arzt die Line-Dance-Herzsportgruppe des Deutschen Roten Kreuzes in Norderstedt, die sich immer donnerstags von 17 bis 18 Uhr im DRK-Haus (Ochsenzoller Straße 124) trifft. „Es ist wichtig, hier eine Anlaufstelle zu haben. Viele Fragen werden die Menschen bei ihren Hausärzten nicht mehr los, weil deren Praxen überrannt werden.“ Mit Line Dance habe man gute Erfahrungen gemacht. „Neben den Herzpatienten machen auch gesunde Menschen mit. Diese Kombination tut der Gruppe sehr gut. Aber wir haben auch noch Plätze frei.“ Aus diesem Grund kam eine Teilnehmerin auch auf die Idee, regionale Medien einzuladen – denn ansonsten würde man sich Sorgen machen um die Zukunft des Angebots.

Beim Line Dance geschehen die Bewegungen behutsam. Übungsleiterin Anette Ockert gibt die Schrittfolgen vor, zur Musik drehen und schwingen die Teilnehmer durch den verspiegelten Raum, die Choreografie sitzt mit jedem Ansatz besser. Zwischendurch werden regelmäßig Pausen gemacht, die Belastung ist individuell angepasst. Es sind unterschiedlichste Menschen, die hier zusammenkommen, manche sind gerade einmal knapp 50 Jahre alt, andere um die 80.

Einer von ihnen ist Helmut Lange (65) aus Norderstedt. „Ich habe diese Herzsportgruppe vor zwei Jahren verordnet bekommen. Ich bin belastbarer geworden – nicht nur mit meinem Herzen, sondern auch bei der Koordination.“ Das Leben brachte ihm gleich zwei Schicksalsschläge: Lange erlitt nicht nur einen Herzinfarkt, sondern hat auch die Parkinson-Krankheit. „Nebenbei“, so sagt er es trocken.

Wenn der Herzsport verordnet wird, zahlt übrigens die Krankenkasse. Langes Arzt begrüßt es, dass er regelmäßig tanzen geht. Dort trifft er auch Ursula Schenkluhn (54), die ebenfalls in Norderstedt lebt. Die frühere Leistungsschwimmerin sagt, sie sei „längere Zeit krank gewesen“ und deswegen nicht mehr voll berufstätig.

„Als ich hier einmal zufällig vorbeigekommen bin, ist mir die Trainerin positiv aufgefallen mit ihrer Ausstrahlung, dazu die Musik und die Bewegung.“ Herzkrank sei sie nicht, sagt Schenkluhn. „Aber ich brauche die Bewegung. Der Line Dance animiert Leute, die sonst nur auf dem Sofa sitzen. Es wirkt gegen Depression, man spannt ein soziales Netz.“

Sie fühle sich einfach fitter. „Und das Gedächtnis wird gestärkt, weil man sich die Tanzschritte merken muss.“ Manchmal, so berichtet Reinhard Zahn, trifft sich die Gruppe auch außerhalb der Einheiten. „Das hat schon so manchen Menschen aus der Einsamkeit herausgeholt. Es ist ein Wiedergewinn der Lebensfreude.“

Am 23. Oktober gibt es im DRK-Haus einen Vortrag

In Hamburg gründeten mehrere Ärzte vor mehr als 40 Jahren eine „Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen“ (kurz: Herz InForm). Sie arbeiten eng mit den Angeboten von Sportvereinen zusammen. Auch das DRK hat sich angeschlossen.

Der Vorsitzende von „Herz InForm“, Prof. Dr. Herbert Nägele, wird am Dienstag, 23. Oktober, zu Gast sein im DRK-Haus (Ochsenzoller Straße 124). Er referiert von 18 Uhr an über das „Leben mit einem schwachen Herzen“. Nägele, ein Internist und Kardiologe, ist Leiter des Departments Herzinsuffizienz am Albertinen-Krankenhaus in Schnelsen. Der Eintritt ist frei, um Voranmeldung im DRK-Büro unter der Telefonnummer 040/523 18 26 wird gebeten.