Norderstedt
Schröters Wochenschau

Operation Kegelrobbe ist ins Wasser gefallen

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Kolumnist Jan Schröter sollte ein Foto von Robbi machen, der Kegelrobbe, die seit vier Wochen in der Bramau haust – und scheiterte.

Kreis Segeberg.  Anruf aus der Redaktion: Die Kegelrobbe ist in der Bramau. Ich wohne unmittelbar an diesem neuerdings exotischen Wiesenfluss und könnte doch ganz locker ein paar tolle Fotos von dem Tier für unser Lieblingsblatt machen? Leichter geht’s nicht, findet die Redaktion. Ich Glückspilz.

Seit vier Wochen stehen bei mir Ferngläser auf den Fensterbänken. Peile ich damit Richtung flussabwärts downtown Wrist, bespaßt Robbi irgendwo in Bad Bramstedt die Kurgäste. Peile ich flussaufwärts, räkelt sich Robbi auf einem Wrister Badesteg. So wird das nichts. Ich muss auf Expedition. An Tagen, an denen die Vögel reihenweise als Tiefkühlware aus dem Geäst purzeln. Dabei bin ich werksseitig überhaupt nicht für zweistellige Minusgrade zugelassen. Bei solchen Temperaturen erlischt meine Betriebserlaubnis, aber das interessiert in der Redaktion niemanden.

Plan A: Am Pegelhäuschen in Föhrden-Barl wurde Robbi gesichtet. Allerdings nicht von mir. Und falls die Robbe mich gesehen hat, wie ich dort ausgerutscht und fast in den Bach gerollt bin, hat sie sicher sehr gelacht.

Plan B: Installation einer Foto-Falle an der Bramau, direkt vor meinem Haus. Auf dem Weg über die Wiese zum Ufer versacke ich in einem eisgetarnten Entwässerungsgraben. Die Kamera ist weg, nicht so schlimm, gehört meinem Schwager.

Plan C: Ich experimentiere mit „Photo­shop“, trickse ein Robben-Foto vom letzten Hagenbeck-Besuch in die Bramau-Kulisse und bekomme Skrupel: Die Foto-Füchse in der Redaktion checken das. Die Leser bestimmt auch – und dann heult die AfD wieder was von „Lügenpresse“. Das möchte ich nicht. Die Robbe soll schwanger sein. Bald gibt es hier also so viele, da will niemand mehr ein Foto davon sehen. Okay, Kollegen? Ich komme übrigens bis auf Weiteres nicht in die Redaktion.

Ich sitze zu Hause in der Badewanne, trinke Grog und verleihe mir die Ernest-Shackleton-Gedächtnismedaille.