Norderstedt
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Stapelfeldt – der älteste Betrieb der Stadt

Als dieses Foto von der Firma Stapelfeldt  in Glashütte im Jahr 1911 entstand, war der Betrieb bereits 44 Jahre alt

Als dieses Foto von der Firma Stapelfeldt in Glashütte im Jahr 1911 entstand, war der Betrieb bereits 44 Jahre alt

Foto: Stapelfeldt

Das Sanitär- und Haustechnik-Unternehmen wurde vor 150 Jahren gegründet und hat seitdem seinen Sitz an der Segeberger Chaussee.

Norderstedt.  Es ist das Klima. Das Betriebsklima. Da gibt es für Marcel Brademann und Torben Hanke kein Vertun. Wohl fühlen sie sich in dem Familienunternehmen. Weil es hier so menschlich und respektvoll sei. Sympathisch die zwei. So erfrischend fröhlich. Demnächst ist Prüfung. Dann sind die dreieinhalb Jahre Ausbildung zum Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik rum. Für die 20-Jährigen geht es als Jung-Gesellen weiter – bei Günther (66) und Hendrik Stapelfeldt (33).

„Wir brauchen dringend Nachwuchs“, sagt der Seniorchef beim Kaffee im Büro. Ein großer kräftiger Mann mit freundlichen Augen. Die 150-jährige Firmenhistorie (offizielles Jubiläum war der 20. Dezember 2017, mit Kunden gefeiert wird im kommenden Mai) soll heute nicht das Thema sein. Entscheidend, so der gelernte Sanitär- und Elektromeister, seien Gegenwart und Zukunft. Denn: „Engagierten und qualifizierten Nachwuchs zu finden, ihn zu fordern und zu fördern – das ist unsere Aufgabe.“

Und für ihn eine Herzensangelegenheit: Seit 2014 ist Günther Stapelfeldt Präsident der Handwerkskammer Lübeck. Ein Ehrenamt. Das trennt er strikt vom Job. Sein Credo: „Ich möchte mit dieser Aufgabe die Interessen der kleinen Handwerksbetriebe in Schleswig-Holstein stärken. Damit sie ausbilden und Nachwuchs finden können.“

Vom Augenoptiker bis zum Zweiradmechatroniker: Etwa 7300 Schulabgänger starteten 2017 in dem nördlichsten Bundesland ihre Ausbildung in einem der etwa 130 Handwerksberufe. „Und die benötigen wir auch“, sagt Günther Stapelfeldt, der seit September 2017 ebenfalls die sechs Küstenkammern im Präsidium des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks vertritt. Mehr als 10.000 Betriebe in Schleswig-Holstein benötigten dringend Nachfolger. Betriebsübernahmen innerhalb der Familie lägen unter 50 Prozent. „Gibt es keine Nachfolge, wird der Betrieb geschlossen, und die Versorgung der Region bricht zusammen. Dabei ist unsere Stärke doch die flexible, persönliche und nachhaltige Kundenbetreuung“, betont der zweifache Familienvater.

Im eigenen Unternehmen – es ist der älteste Handwerksbetrieb in Norderstedt und einer der ältesten in Schleswig-Holstein – steht der Nachfolger bereits fest: Mit Sohn Hendrik hat 2011 die fünfte Generation in den 1867 als Klempnerei in Glashütte gegründeten Betrieb Einzug gehalten. Der gelernte Installateur- und Heizungsbaumeister und studierte Betriebswirt im Handwerk ist mittlerweile zu 50 Prozent gleichberechtigter Gesellschafter der Stapelfeldt Haustechnik oHG.

Von Hamburg bis Kaltenkirchen reicht das Einzugsgebiet des achtköpfigen Meisterbetriebs. Und das ist gespickt mit großen Einrichtungshäusern. Die fürchten die Stapelfeldts nicht. „Ein Möbelhaus kann Objekte anbieten. Wir können die Realisierung mit der handwerklichen Qualifizierung und Umsetzung. Mit Kompetenz und Herzblut“, sagt Hendrik Stapelfeldt. Die gesamte Heizungstechnik ist das Metier des Juniors. Zweites Standbein ist die Badsanierung, vor 13 Jahren aufgebaut von Günther Stapelfeldt. „Unsere Philosophie basiert auf ehrlicher Beratung“, sagt er. „Ich habe niemals jemanden gefragt: Wie viel Geld wollen Sie ausgeben? Man muss das häusliche Umfeld sehen und dann sensibel ausloten: Was wünscht der Kunde?“

Anneliese Stapelfeldt ist der kreative Part in der Firma

Der Kaffee ist ausgetrunken, unser Gespräch macht Lust auf einen Rundgang durch die Badausstellung. Eine wohnlich-warme Wohlfühloase, Trendfarbe ist immer noch Weiß. Liebevoll dekoriert mit Accessoires wie Kerzen oder Blumen. Na, da war doch eine Frau am Werk? Jawohl! Anneliese Stapelfeldt. „Meine Mutter ist der kreative Part“, sagt Hendrik Stapelfeldt. „Meine Frau gab 1980 ihren gut bezahlten Job bei der Landesversicherungsanstalt auf, um sich mit mir in das Abenteuer Selbständigkeit zu begeben“, sagt Günther Stapelfeldt. „Ich hätte mich sonst schwer getan, den Betrieb meines Vaters zu übernehmen. Sie hat damals in der Abendschule ihren Betriebswirt im Handwerk gemacht. Die Frauen spielten bei uns immer eine starke Rolle.“

Heutzutage ist Anneliese Stapelfeldt noch einmal pro Woche im Unternehmen, widmet sich sonst ihrem Ehrenamt: Paulinchen e.V., der Initiative für brandverletzte Kinder. Zeigt damit auch viel Verständnis für ihren Mann, der wöchentlich drei Tage für das Seinige aufwendet. „Ich kann dieses nur ausführen, weil mein Sohn diesen Betrieb leitet “, sagt Günther Stapelfeldt. Er mache jedoch immer noch mal ein Bad. „Um den Kontakt zum Tagesgeschäft nicht zu verlieren. Wenn ich als Handwerkspräsident über unsere Aufgaben spreche, dann möchte ich von heute und nicht von früher erzählen.“

Der Senior-Chef hört in seiner Freizeit gern klassische Musik

Ungefähr 30 Lehrlinge hat Günther Stapelfeldt in den vergangenen 38 Jahren ausgebildet. Einer der Ersten war Udo Braack. Der 59 Jahre alte Sanitärinstallateurmeister ist immer noch dabei. Managt Büro, EDV und betreut die Lehrlinge. Mathias Waßmer (25) zählte dazu. Über ein Praktikum hatte er sich damals empfohlen. Seit 2013 arbeitet der junge Familienvater nun als Jung-Geselle. Und er will unbedingt bleiben. „Diese Loyalität unserer Mitarbeiter, auch das spürt der Kunde“, stellt Günther Stapelfeldt zufrieden fest.

Beim Stichwort Loyalität schwenken wir kurz rüber ins Private: „Sankt Peter Ording. Einmal im Jahr müssen wir hin“, sagt der Senior, der in seiner Freizeit gern klassische Musik hört. Sohn Hendrik liebt es eher rockig, packt einmal im Jahr den Rucksack und dann geht es für zwei Wochen ab in die Ferne.

Gern denkt er zurück an sein viermonatiges Betriebspraktikum im spanischen San Sebastián. Das war noch vor der Meisterprüfung 2011. „Diese Erfahrung hat mich geprägt“, sagt Hendrik Stapelfeldt. „Jedem jungen Menschen rate ich zu einem beruflichen Auslandsaufenthalt“, ergänzt Vater Günther. Er selbst war in den 70er-Jahren als Geselle zum Handwerkeraustausch im französischen Marseille: „Das hat mich geformt und meine eigene Persönlichkeit gestärkt.“

www.stapelfeldt-haustechnik.de