Norderstedt
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Zirkus lädt auch Weihnachten in die Manege

Die „Werona“-Artisten sind das ganze Jahr über auf Tournee

Die „Werona“-Artisten sind das ganze Jahr über auf Tournee

Foto: Heike Linde-Lembke

Im „Circus Werona“ geben die Artisten in Norderstedt tagsüber eine Vorstellung. Der Abend gehört dann ganz der Familie.

Norderstedt.  Wer täglich arbeiten muss, der weiß die besonderen Momente zu schätzen. „Diesen Abend lassen wir uns nicht nehmen, den genießen wir. Die Familie steht über allem, Weihnachten ist ein Familienfest, da hat man einfach mal nicht den Zirkus im Kopf.“ So beschreibt Angelo Sperlich seine Beziehung zum Heiligabend. Der 29-Jährige ist mit dem „Circus Werona“ ununterbrochen auf Tour, zwischen Januar und Dezember geben die Sperlichs viele Hundert Vorstellungen in ganz Norddeutschland und den Niederlanden. Selbst am 24. Dezember, und zwar ab 14 Uhr auf der Festwiese an der Ulzburger Straße in Norderstedt.

Angelo Sperlich wird dann mit seinen Kamelen und Pferden in der Manege stehen. Etwas anderes kennt der 29-Jährige auch nicht. „Ich bin seit meiner Geburt im Zirkus. Ich könnte mir nichts anderes vorstellen. Ich liebe es, bin mit Herz und Seele dabei. Und ich könnte auch nicht ohne meine Tiere leben.“

Die Sperlichs sind eine klassische Artistenfamilie

Mit elf Verwandten verbringt er jeden Tag. Chef der Kompanie ist Vater Mario, dazu kommen seine Frau Lona, die Kinder Angelo, Adriano und Gina, zwei weitere Cousins, einer davon verheiratet. Ursprünglich stammt der Zirkus aus Schwerin, ihn gibt es seit 21 Jahren. Sein Name ist der leicht abgewandelte Name einer norditalienischen Stadt. Dort, also in Verona, hatte Mario Sperlich einst mit dem Zirkus seines eigenen Vaters Ewald Station gemacht und sich gesagt: Sollte er sich einmal selbstständig machen, dann unter diesem Namen.

Die erweiterte Familie ist riesig, Ewald Sperlich hat zum Beispiel bereits stolze 37 Enkelkinder. Viele, aber nicht alle sind im Zirkusgeschäft aktiv. Angelo Sperlich ist mittlerweile selbst Vater zweier Söhne. „Wir als Zirkusfamilie haben einen starken Zusammenhalt. Wenn einer von uns ein Problem hat, dann haben alle ein Problem.“

Natürlich sei das Zirkusleben hart, auch wenn 2016 ein gutes Jahr mit vielen Besuchern gewesen sei. Und Urlaub gebe es grundsätzlich nicht, schließlich werde jeder der Künstler gebraucht. „Alles ist abgestimmt und einstudiert. Da geht nichts schief“, sagt Sperlich. „Zur Sommerzeit sind wir meistens in Rerik oder auf der Insel Poel. Da kann man abends auch mal ans Wasser gehen, das ist dann so wie Urlaub.“

Das Nebenzelt wird zur guten Stube

Weil der Zirkus als reisendes Unternehmen keinen festen Sitz hat, werden die Sperlichs an den Feiertagen kreativ. Im beheizten Nebenzelt, das als Aufenthaltsbereich genutzt wird, befindet sich ein bunt beleuchtetes Weihnachtsarrangement voller Kitsch – und zwei echten Tannenbäumen. Für ein paar Stunden entsteht hier somit die gute Stube. Nach der Vorstellung an diesem Sonnabend läuft es so ab, dass Angelo Sperlich zunächst seine Tiere versorgt, bevor das Hauptzelt aufgeräumt und die Manege geputzt wird. „Dann ziehen wir uns festlich an, schließlich tragen wir ja sonst immer unsere Arbeitskleidung.“

Gekocht wird gemeinsam, dann ist Bescherung. Während andere Menschen wochenlang nach Geschenken suchen, dauert die Shopping-Tour bei Zirkusleuten genau einen Tag. Mehr Zeit ist nicht, und selbst das Einkaufen muss genau untereinander abgestimmt sein. Schließlich sind die Künstler zusätzlich zu den Proben und Vorstellungen unentwegt auf Promo-Tour in Norderstedt, verteilen Flyer, bringen Plakate an, werben für „Werona“.

Auch an den Weihnachtstagen steht Angelo Sperlich früh auf

Abends wird es gemütlich. Auf einer Großbildleinwand im Zelt flimmern klassische Weihnachtsfilme. Erst „Kevin allein zu Haus“ für den Nachwuchs, dann der „Grinch“ für die Erwachsenen. Spät wird es nicht, zumindest nicht für Angelo Sperlich. Um 5 Uhr morgens muss er wieder aufstehen, kümmert sich um die Tiere. Der Zirkusbetrieb fährt dann wieder hoch, die Sperlichs kennen den Rhythmus. Doch das Weihnachtsfest lassen sie sich nicht nehmen.