Norderstedt
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Kulturwerk: Grandios gespieltes Ehedrama

Giovanni Arvaneh, Renan Demirkan und Tanja Schumann

Giovanni Arvaneh, Renan Demirkan und Tanja Schumann

Foto: Heike Linde-Lembke

Die Komödie „Alles über die Liebe“ des Tourneetheaters Thespiskarren kam beim Publikum im Kulturwerk hervorragend an.

Norderstedt.  Eine richtige Komödie. Und nicht ein Stück, das die Lacher nur aus Türen auf- und zuschlagen zieht. In „Alles über Liebe“, das das Tourneetheater Thespiskarren im Norderstedter Kulturwerk aufführte, fetzen sich Renan Demirkan als Ehe-Therapeutin, Tanja Schumann als Anna und Giovanni Arvaneh als Carlos derart gekonnt, dass über die fürs Stück irrelevanten Tanzeinlagen hinweg gesehen werden kann.

„Alles über die Liebe“ von Stephan Eckel packt eines der tragischsten Ereignisse des Lebens in eine erträgliche Form – die Komödie. Denn worüber man nicht mehr weinen kann, darüber kann man nur noch lachen. Das Lachen aber bleibt doch manchmal im Halse stecken, wenn sich Anna und Giovanni aneinander abarbeiten und dabei nicht mehr merken, wie sehr sie aneinander vorbei leben und lieben.

Tanja Schumann ist grandios in der Rolle der gemehrteilten Ehefrau, Mutter und Mich-gibt-es-doch-auch-noch-Rolle. Sie heult, schreit, tobt, versinkt in Selbstmitleid und bringt die Tragik so echt über die Rampe, dass es einerseits komisch ist, andererseits aber die ganze Verzweiflung dieser Mütter-Tretmühle spiegelt.

Giovanni Arvaneh erfüllt jedes Klischee des Mannes, der in seinem Beruf aufgeht. Er spielt intensiv, teilweise überdreht, dann wieder reumütig.

Renan Demirkan ist die Persiflage auf alle Coaches und Therapeuten. Es ist sehr amüsant, wie sie diese Berater-Spezies demontiert und sich selbst als höchst gestört inszeniert. Allein, wie sie mit den Fingern die Luft zerschneidet und auf jeglichen Körperkontakt abweisend reagiert, ist sehr sehenswert.