Norderstedt
Städtepartnerschaft

50 Jahre Freundschaft mit der Stadt Maromme

In Maromme gibt es auch eine Rue Garstedt

In Maromme gibt es auch eine Rue Garstedt

Foto: Stadtmuseum Norderstedt

Am Wochenende feiert Norderstedt das 50-jährige Bestehen der Verschwisterung mit Maromme. Großes Festprogramm zum Jubiläum.

Norderstedt/Maromme.  Sie waren sich auf Anhieb sympathisch. Der Franzose aus Maromme in der Normandie. Und der Deutsche aus Garstedt. Dabei waren sie doch „Erbfeinde“. Paul Vauquelin, der Franzose, 1902 geboren, wurde im Juni 1940 vom deutschen NS-Regime in Dünkirchen gefangen genommen. Drei Jahre war er in deutscher Kriegsgefangenschaft, 1943 kam er frei und wurde Bürgermeister von Maromme. Horst Embacher, der Deutsche, 1917 in Westpreußen geboren, war SPD-Mitglied, Bürgermeister in Garstedt und nach dem Zusammenschluss der vier Dörfer zu Norderstedt von 1970 bis 1982 der erste Bürgermeister dieser Stadt.

Im Mai 2016 wurde das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft in Maromme gefeiert, von heute an besucht eine Delegation aus Maromme mit Bürgermeister David Lamiray Norderstedt, und das Verschwisterungsfest wird um 17 Uhr mit der Einweihung eines Gedenksteins für Paul Vauquelin an der Marommer Straße/Ecke Coppernicus­straße eröffnet.

Am Sonnabend spielen Schülerinnen und Schüler der Marommer und der Norderstedter Musikschule von 15 Uhr an im Kulturwerk (Eintritt frei), am Sonntag nehmen die Marommer Gäste von 10 Uhr an am Erntedankfest teil und besuchen um 17.30 Uhr die Ausstellung „Maromme – Norderstedt, Europa im Herzen“ im Stadtmuseum.

Die einstigen „Erbfeinde“ haben eine gemeinsame Überzeugung: Nie wieder Krieg, nie wieder Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland, wir brauchen ein einiges Europa. Der Weg zur heutigen Freundschaft zwischen Franzosen und Deutschen war alles andere als selbstverständlich, doch am 1. Mai 1966 wurde der Freundschaftsvertrag feierlich in Maromme unterzeichnet und am 11. September 1966 in Garstedt. Bereits Ostern 1966 waren Schüler der Garstedter Realschule Gäste in Marommer Familien. Sie wurden geradezu enthusiastisch empfangen.

Beide Bürgermeister wollten mit der Verschwisterung Vorbild für andere Gemeinden sein, sie wollten ein geeintes Europa. Vorerst aber feierten die Marommer und die Garstedter ihre Verschwisterung mit vielen bunten Veranstaltungen und Begegnungen auf allen Ebenen.

„Ohne die deutsch-französische Freundschaft wird Europa nicht leben können“, sagte Horst Embacher beim Verschwisterungs-Festakt. Der offiziellen Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags folgten viele Schüleraustausche. Freundschaften zwischen den Familien in Maromme und Garstedt bildeten sich, Verbände und Vereine wie die Freiwilligen Feuerwehr Garstedt besuchten sich, und mit mehr als 400 Pflanzen entstand in Maromme 1969 ein Jardin du Garstedt. In den 70er-Jahren waren die Begegnungen zwischen Maromme und Norderstedt stets ein Fest. Doch dann stagnierten die Austausche, vor allem die der Jugendlichen. Um die Freundschaft lebendig zu erhalten, gründen 23 Norderstedter, darunter Erika Bothe, Hagen Ilschner und Jean-Pierre Dijon, im April 1994 den Kulturverein Norderstedt pro Maromme. Natalie Lasne übernahm später den Vorsitz. Für inhaltsreichen Austausch sorgen im neuen Jahrtausend mit dem Kulturverein vor allem die Musikschulen beider Städte.