Norderstedt
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Neun Bewerber treten gegen Stadträtin an

Anette Reinders, hier mit Stadtrat Thomas Bosse, hat sich besonders bei der Integration von Flüchtlingen in Norderstedt große Verdienste erworben

Anette Reinders, hier mit Stadtrat Thomas Bosse, hat sich besonders bei der Integration von Flüchtlingen in Norderstedt große Verdienste erworben

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Dem Abendblatt liegt die Bewerberliste vor – SPD wünscht sich eine Person, die auch Oberbürgermeister Grote 2022 beerben könnte.

Norderstedt.  Neun Bewerber gibt es, die gerne die amtierende Sozialdezernentin Anette Reinders (60) in ihrem Amt beerben würden. Das geht aus einer verwaltungsinternen Liste aus dem Norderstedter Rathaus hervor, die dem Abendblatt jetzt vorliegt.

Die Palette der Bewerber und ihrer beruflichen Qualifikationen ist bunt. Sozialpolitische Schwergewichte mit ausreichender Verwaltungserfahrung fehlen. Vielleicht ein Ergebnis der mehr oder weniger unklaren Erfolgsaussichten der Bewerber. Denn in der Norderstedter Kommunalpolitik ist eine Mehrheit für Amtsinhaberin Reinders bei der Wahl im November wahrscheinlich. Was die Politiker nicht daran hindert, sich nach geeigneten Herausforderern umzusehen.

SPD fordert Transparenz im Verwaltungsbetrieb

Allen voran die Sozialdemokraten hatten mit Verweis auf die Transparenz im Polit- und Verwaltungsbetrieb darauf gepocht, die Wahl der oder des Sozialdezernenten nicht zum halböffentlichen Selbstgänger in publikumsfreien Ausschusssitzungen zu machen. Immerhin reden wir beim Dezernat II des Rathauses in Norderstedt von einer Stelle, die mit 85.000 bis 90.000 Euro (Besoldungsstufe B2/B3) dotiert ist und eine Personalverantwortung für 380 Mitarbeiter im Amt für Familie und Soziales und dem Amt für Schule, Sport und Kindertagesstätten mit sich bringt.

Was in der SPD bei der Personalie im Sozialdezernat ebenfalls eine Rolle spielt, ist die Absicht, als Dezernenten einen potenziellen Nachfolger zu in-stallieren, der Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote als Verwaltungschef im Jahr 2022 beerben könnte. Grote selbst kam über die Leitung des Baudezernates in den Chefsessel.

Reinders war Stadtvertreterin und Fraktionsvorsitzende der Grün Alternativen Liste Norderstedt (GALiN) und Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Berufsbetreuer, ehe sie im Januar 2011 zur Dezernatsleiterin gewählt wurde. Gerne würde sie in eine zweite Amtszeit gehen. Die Ausschreibung der Stelle sieht Anette Reinders sportlich – und sie nimmt die Herausforderung gerne an.

Feld der potenziellen Nachfolger ist heterogen

Das Feld ihrer potenziellen Nachfolger ist heterogen. Bewerbungen kamen aus Norderstedt, Quickborn, Offenbach, Kiel, Berlin, Bad Kissingen, Schlangen und Hannover. Deutlich wird, dass einige Bewerber glauben, den Job als Quereinsteiger bewältigen zu können. So bewerben sich etwa ein 25 Jahre alter Betriebswirt einer Autobahnraststätte, eine 52 Jahre alte Zahntechnikerin mit Bachelor in Erziehungswissenschaften und einem Master of Arts in Bildungswissenschaften, aber auch die 53 Jahre alte Personalkauffrau einer wissenschaftlichen Einrichtung. Die meisten Bewerber kommen aus dem Bereich des Schulwesens: ein 43 Jahre alter Geistes- und Sozialwissenschaftler, der an einer Sprachschule arbeitet; ein 39 Jahre alter Diplom-Soziologe und Leiter einer Privatschule; der 60 Jahre alte Gymnasiallehrer und ehemalige Bereichsleiter eines Sozial-Landesverbandes war; der 41 Jahre alte Oberstudienrat und kommunale Sozialpolitiker, der als Berater eines Bundesamtes arbeitet. Ebenfalls im Bewerberfeld finden sich ein 54 Jahre alter Richter aus Berlin und ein 57 Jahre alter Diplom-Verwaltungswirt, der diverse Bildungseinrichtungen leitet.

Auffallend ist das hohe Alter vieler Bewerber. Für mehr als eine sechsjährige Amtsperiode kommen sie nicht infrage. Allerdings würde auch Anette Reinders mit ihren 60 Jahren in ihre zweite und letzte Amtszeit starten. Für die Zeit danach wäre eine Besetzung mit längerer Perspektive für Norderstedt sicher wünschenswert.

Bis Mitte September können die Parteien der Stadtvertretung das Bewerberfeld sichten und entscheiden, wen sie zu Vorstellungsgesprächen nach Norderstedt einladen wollen.Anfang bis Mitte Oktober sollen die Gespräche in nicht öffentlicher Sitzung im Hauptausschuss über die Bühne gehen. Im November wird die Norderstedter Stadtvertretung die Dezernatsleitung wählen.