Norderstedt
Schröters Wochenschau

Winterbereifung bei Bollerwagen vorgeschrieben

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Es ist zwar schon Ende April, das Wetter ist allerdings nach wie vor eher winterlich. Jan Schröter sieht die guten Seiten.

Norderstedt.  Im August wird der Bramstedter Expeditionsspezialist Arved Fuchs von seiner jüngsten Polarreise zurückerwartet. Es wird gewiss ein Schock für den armen Mann, wenn sein Forschungskutter „Dagmar Aaen“ Kurs auf Hamburg nimmt und bereits vor Cuxhaven im Treibeis stecken bleibt.

Da nimmt jemand monatelang Strapazen auf sich, um zu erforschen, was mit den schmelzenden Polkappen passiert und wo das ganze weiße Zeug hin ist, das dort vorher herumlag. Hallo Arved: Es ist hier. Hättste eigentlich auch zu Hause in Bad Bramstedt bleiben können.

Wenigstens verfügen Fuchs & Crew über die geeignete Ausrüstung an Bord. Das kann dieser Tage nicht jeder von sich behaupten. Die meisten Vatertagstouren werden vermutlich dem verlängerten Winter zum Opfer fallen: Laut schleswig-holsteinischer Landespolizei ist in diesem Jahr für alle Bollerwagen zwingend Winterbereifung erforderlich. Nicht so schlimm. Die meisten werden ohnehin anstelle des Bollerwagens lieber einen Bollerofen hinter sich her ziehen, darauf kann man nämlich während der Vatertagstour unterwegs gleich den Glühwein heiß machen.

Der Mai kommt, der Winter bleibt, und irgendwo hockt ein Typ namens „El Nino“ und lacht. Könnte dem mal jemand sagen, dass es allmählich reicht? Klar, es gibt natürlich auch Gewinner in diesem merkwürdigen Spiel: Auf dem Bungsberg in Ostholstein lädt ab sofort ganzjährig ein Gletscher zum Wintersport ein, von so etwas träumen die in den Alpen doch bloß noch. Auch die Spargelbauern reiben sich die Hände. Offiziell wird zwar gejammert: Die Spargelernte verzögere sich – aber was heißt das schon? Textaufgabe, liebe Kinder: Letztes Jahr erntete Bauer Piepenbrink 1000 Kilo Spargel und verkaufte das Gemüse für 3 Euro pro Kilo. Dieses Jahr erntet er nur ein Kilo und das reißen ihm die Spargel-Junkies für 3000 Euro aus der Hand. Wer verliert? Eben. Ist wie bei den Öl-Multis, da gewinnt auch nie der Kunde.

Wahrscheinlich ist dieser verschneite Sommer sowieso bloß wieder eine Masche der Konzerne, um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Unter Hauptverdacht stehen die Süßwarenproduzenten, die den Saisonstart für Dominosteine und Weihnachtskringel auf die Sommerferienzeit vorziehen möchten. Aber nicht mit mir.

Da fahre ich nämlich in den Badeurlaub. Zum Südpol.