Norderstedt

Im Zustellzentrum werden Pakete im Akkord sortiert

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Christian Spreer
Postzustellbasis in Norderstedt: Hier herrscht kurz vor Weihnachten Hochbetrieb, der Internethandel treibt die Zahl der Pakete kräftig in die Höhe

Postzustellbasis in Norderstedt: Hier herrscht kurz vor Weihnachten Hochbetrieb, der Internethandel treibt die Zahl der Pakete kräftig in die Höhe

Foto: Christian Spreer / LNBILD/Christian Spreer

In der Zustellbasis der Deutschen Post in Norderstedt müssen vor Weihnachten 50 Prozent mehr Pakete verarbeitet werden.

Norderstedt.  Der Internethandel hat die Deutsche Post/DHL vor neue Herausforderungen gestellt. Der Paketversand hat in den vergangenen Jahren derart zugenommen, dass das Unternehmen in den Ausbau von über 50 großen Zustellbasen und 33 wahrlich riesigen Paketzentren investieren musste. Dort werden enorme Mengen umgeschlagen. In der Vorweihnachtszeit stellt die Post bundesweit über sieben Millionen Pakete zu – und zwar pro Tag. Nur einen Bruchteil davon trägt die Zustellbasis in der Stadt Norderstedt bei. Aber auch hier wird bis zum Anschlag geknüppelt, um vor Weihnachten massenhaft Pakete zu verteilen.

Um 30 Mann hat Osman Erdogan, der Chef der Norderstedter Zustellbasis, sein 90-köpfiges Team aufstocken müssen. Außerdem hat der 42-Jährige 25 Lieferfahrzeuge angemietet. 50 Prozent mehr Pakete als üblich müssen hier täglich in 60 Bezirke in Norderstedt, Henstedt-Ulzburg und Teile Hamburgs ausgeliefert werden. Wie viele Einheiten das täglich sind, will er nicht sagen – das gehe die Konkurrenz schließlich nichts an.

Pakete dürfen 31,5 Kilogramm wiegen

Um 3.30 Uhr geht an der Oststraße 1 „der Wahnsinn“ los. Dann fahren die Lastwagen aus Neumünster, dem einzigen Paketzentrum in ganz Schleswig-Holstein, an die Rampen. Nyarko Derick macht sich bereit. Gleich müssen er und seine Kollegen ranklotzen. In Neumünster ist in der Nacht die gesamte Paketpost für die Postleitzahlgebiete 23, 24 und 25 gelandet: 250.000 Pakete täglich – darunter winzige, die fast nichts wiegen, und solche mit einem Maximalgewicht von satten 31,5 Kilogramm. Der Mann aus Ghana zieht ein Förderband bis in den Lastwagen hinein und lädt die Pakete darauf ab. Über das Band werden sie in den „ersten Stock“ der Halle befördert, wo jedes Paket automatisch gescannt wird. Der Scanner „liest“, wohin das Paket geliefert werden soll. Er ordnet die Anschrift dem Zustellbezirk zu und transportiert es zu der entsprechenden Rutsche.

Unten, an den insgesamt 60 Rutschen, warten bereits die Zusteller, scannen die Pakete zur Kontrolle noch einmal und laden sie dann in ihr Auslieferungsfahrzeug. „Die Kollegen gehören zur ersten Welle“, erklärt Erdogan. Da es nur 30 Tore gibt, können auch immer nur 30 Rutschen geleert und 30 Wagen beladen werden. Das dauert etwa 90 Minuten. Danach kommt die zweite Welle von Austrägern. Ihre Rutschen sind inzwischen gut gefüllt. Sie können sofort anfangen, ihre Autos zu beladen. Ist die Anschrift nicht zu lesen oder der Barcode nicht zu entziffern, „weiß“ das Förderband nicht, auf welche Rutsche es das entsprechende Paket bugsieren soll. Also wird es bis zur allerletzten befördert, der „No-read“-Rutsche („nicht lesbar“). Von dort holen es Spezialisten und recherchieren so lange, bis sie wissen, wo das Paket hingebracht werden soll.

In der 100 Meter langen Halle arbeiten alle zügig und konzentriert. Geklönt wird hier nicht. Erdogan begrüßt jeden mit Vornamen. Man duzt sich. Erdogan ist ganz klar der Chef, aber er hat Stallgeruch. „Ich war früher auch Zusteller“, erklärt der gebürtige Lübecker. Er hat sich hochgearbeitet, Karriere gemacht. Jetzt ist er hier der Boss.

Etwa 200 Pakete pro Tag und Zusteller

Die Zusteller Thomas Kiesling und Kim Schwerdtfeger bemühen sich, ihre Fahrzeuge zügig zu beladen. Die Wagen haben Regale, auf denen vorsortiert wird, wo welche Pakete abzugeben sind. Etwa 200 hat jeder täglich zuzustellen. Wer mit System arbeitet, ist schneller fertig. Die Zusteller hoffen stets, dass die Pakete gut gepackt sind. Leider nicht immer. „Zwei Weinflaschen in Zeitungspapier eingewickelt und lose in einen Karton gelegt, das gibt es immer mal wieder“, berichtet Post-Pressesprecher Martin Grundler. Dann ist die Sauerei programmiert. Und wer glaubt, mit der Aufschrift „zerbrechlich“ sei genug vorgewarnt worden, der wisse offenbar nicht, „dass Förderbänder und Rutschen nicht lesen können“. Grundlers Rat: Was gut verpackt, sauber beschriftet und bis 10 Uhr am 23. Dezember in einer Postbankfiliale abgegeben wird, wird in der Regel bis zum Heiligen Abend zugestellt.

Die Zusteller der ersten Welle beginnen um 7.40 Uhr. Gegen 9 Uhr fahren sie los, die „zweite Welle“ kann ihre Autos beladen. Ein Knochenjob. Heute seien die Pakete größer, sperriger und schwerer als früher, sagt Erdogan. „Für Tante Emma ist es bequem, dosenweise Katzenfutter online zu bestellen und sich nach Hause in den vierten Stock bringen zu lassen.“ Von den Zustellern. Und für die ist es kein großer Trost, dass das Maximalgewicht bei 31,5 Kilogramm liegt.

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