Norderstedt
Norderstedt/Kaltenkirchen

Oktoberfeste im Norden: Feiern wie die Bayern!

Marina (v.l.), zwei Mal Nina und Saskia aus Norderstedt zeigen, wie vielfältig Dirndl sein können

Marina (v.l.), zwei Mal Nina und Saskia aus Norderstedt zeigen, wie vielfältig Dirndl sein können

Foto: Heike Linde-Lembke / HA

Oktoberfest geht auch im Nordern: In Norderstedt, Bad Segeberg und Kaltenkirchen findet die Bayern-Sause immer mehr Freunde.

Norderstedt/Kaltenkirchen.  „Er ist drin!“ rief Kathy Prinz und hob strahlend die erste Moaß Bier: „O’zapft is!“ Schaum rann über den Glasrand, und in Sekundenschnelle standen die Männer Schlange. Kathy Prinz stach diesmal auf dem Oktoberfest in der „TriBühne“ am Rathaus das Fass Münchner Paulaner-Wies’n-Bier an. Die Norderstedterin musste den schweren Holzhammer nur einmal auf den Hahn dreschen, keine Bierfontäne oder Riesenlache wie bei einigen ihrer Vorgänger, die in den letzten Jahren das Fass anstachen und das Oktoberfest eröffneten.

Fesch in Dirndl und Krachlederner stürmten wieder 2000 Gäste den großen Saal, und sofort ging die Bayern-Sause an den Start. Es wurden kräftig Moaß gehoben, Feiglinge getrunken, und für manch einen war die Party denn auch um 23 Uhr schon zu Ende. Der Rest hielt durch bis 2 Uhr nachts, brachte das glatte Tanzparkett zum Glühen und sang kräftig mit, wenn die Bayern-Band Die Wilderer ihre Wies’n-Evergreens in den Saal trompeteten.

Einige Mädels hatten diesmal den Spieß umgedreht und die Krachledernen angezogen, beispielsweise Merle Kothe und Jasmin Friedrichs aus Norderstedt: „Wir sind zum zweiten Mal hier, aber diesmal wollten wir die Krachledernen tragen, das macht mächtig viel Spaß!“ Männer in Dirndln? Fehlanzeige.

Das Oktoberfest ist eines der Höhepunkte in Norderstedts „Nachtleben“, und die meisten Gäste buchten auch diesmal wieder die Tische fürs nächste Jahr. „Das ist wie im Abonnement, und sie möchten auch immer wieder den gleichen Tisch am selben Platz haben“, sagte Rajas Thiele, Geschäftsführer der „TriBühne“.

Der Mann, der Norderstedt im November das erste Brauhaus in der Geschichte beschert, denkt aber nicht daran, dort auch ein eigenes Oktoberfest-Bier zu brauen. „Die Tradition des Oktoberfestes gehört nach Bayern und damit auch das Bier. Außerdem hätten wir dann im Brauhaus für mindestens vier Wochen kein eigenes Bier mehr“, sagt Thiele.

3800 Liter Bier pichelten die Oktoberfest-Gäste weg und vertilgten dazu 600 Weißwürste, 800 Nürnberger Rostbratwürste und 500 deftige Schweinshax’n.

Doch auch etliche Flaschen Wein gingen über den Tresen. Der Wasser-Konsum hielt sich allerdings in engen Grenzen. Beim Oktoberfest bleibt auch immer die Tiefgarage leer. „Wir sind mit der Bahn gekommen“, sagten Basti, der schon um 22 Uhr mächtig mit seiner Zunge kämpfte, und Sarah aus Buxtehude.

Auch aus Norderstedts Partnerstadt Zwijndrecht waren wieder einige Männer der Feuerwehr angereist. „Wir kommen seit 2008, aber nächstes Mal auch in Lederhosen“, sagte Ybert Visson. „Morgen geht’s auf die Reeperbahn“, machte Job van de Booquart klar, warum sie ohne Ehefrauen auf Tour gegangen waren. „Das Oktoberfest ist für unsere holländischen Freunde ein Riesenspaß“, sagte Frank Groß, Löschmeister der Freiwilligen Feuerwehr Harksheide.

Als Show-Act tanzten die preisgekrönten Cheerleader-Girls des 1. SC Friedrichsgabe, als Spaßmacher fackelte NDR-Moderator Michael Wittig seine Gags ab und spornte vier Paare bei der Wahl des Norderstedter Wies’n-Paares an. Baumstamm-Sägen, Teller-Wettlaufen und Bierhumpen-Heben waren die Disziplinen, Sieger waren Verena und Marcel aus Tangstedt. „Nächstes Jahr sind wir wieder dabei“, strahlte das Paar. Nach dem Oktoberfest ist vor dem Oktoberfest.

Auch in anderen Orten im Kreis Segeberg wurde Oktoberfeste gefeiert. Zum Beispiel in Bad Segeberg auf dem Gelände von Möbel-Kraft. Bis zum kommenden Wochenende geht es dort noch hoch her, etwa 30.000 Besucher werden insgesamt erwartet.

In Kaltenkirchen lockt das Oktoberfest direkt gegenüber vom Bahnhof schon seit etlichen Jahren viele Festbesucher an. Über 6000 werden es wohl auch in diesem Jahr wieder gewesen sein. Der „Durchlauf“ war groß: Den ganzen Tag über bis spät in den Abend konnten sich die Gäste auf dem Bankgelände und in einem Festzelt amüsieren. Wer nicht zünftig genug aussah, konnte sich mit Oktoberfest-Utensilien an einem Verkaufsstand der Bank ausstatten. Am Sonntagnachmittag gab es dann eine Riesenpolonaise: Stargast Gottlieb Wendehals alias Werner Böhm führte sie an.