Norderstedt
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Mehr Betreuungsplätze für die Jüngsten

Bis 2020 sollen weitere Plätze für die Krippenkinder entstehen

Bis 2020 sollen weitere Plätze für die Krippenkinder entstehen

Foto: Uli Deck / picture alliance / dpa

Kita-Offensive zeigt erste Erfolge, die angestrebten Versorgungsquoten sind fast erreicht. Die Nachfrage wird jedoch weiter steigen.

Norderstedt.  Die Betreuung der Kinder in Norderstedt soll weiter verbessert werden. Zentrales Ziel für die nächsten fünf Jahre ist es, das Angebot flexibler zu gestalten. Dafür hat sich der Jugendhilfeausschuss ausgesprochen. Die Verwaltung hatte zuvor berichtet, dass die wesentlichen Ziele der 2013 gestarteten Kita-Offensive inzwischen erreicht seien: eine Versorgungsquote von 65 Prozent bei den Krippenkindern und eine Quote von 95 Prozent bei den Drei- bis Sechsjährigen. „Die Umsetzung dieser ehrgeizigen Ziele ist uns bisher gut gelungen und wird im kommenden Jahr abgeschlossen sein“, sagt Petra Müller-Schönemann (CDU), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Bis 2020 sollen weitere Plätze für die Jüngsten geschaffen werden.

Seit 2013 wurden in Norderstedt 199 neue Krippen- und 114 neue Elementarplätze für die Drei- bis Sechsjährigen geschaffen. In der Tagespflege werden nochmals 251 Kinder betreut. Bis einschließlich 2016 wird sich die Stadt mit 7,6 Millionen Euro am Kita-Ausbau beteiligen.

Aus der Vorlage der Verwaltung für die Ausschusssitzung geht aber auch hervor, dass die bisher angestrebte Quote bei den Jüngsten von 65 Prozent nicht ausreichen wird. Im Unterschied zu vielen Städten und Gemeinden in Deutschland wird die Zahl der Kinder bis 2020 noch wachsen. Aktuell zählen 1850 Jungen und Mädchen bis zu drei Jahren zu den rund 77.000 Norderstedtern, in fünf Jahren sollen es 1917 sein. Bis 2030 wird der Anteil der Minis dann bis auf 1644 schrumpfen.

Die Kinderzahlen des städtischen Einwohnermeldeamtes weichen nach oben ab

2118 Drei- bis Sechsjährige leben zurzeit in Norderstedt, ihre Zahl wird laut Prognose bis 2023 auf 2275 steigen, um dann bis 2030 auf 2094 zu sinken. Allerdings behält die Verwaltung diese Prognose des Statistikamtes Nord sehr genau im Auge, denn: Die Kinderzahlen, die das städtische Einwohnermeldeamt den Kita-Planern zur Verfügung stellt, weichen nach oben ab. So hatten die Statistiker in Kiel und Hamburg für das vorige Jahr 90 Kinder unter drei Jahren weniger vorhergesagt als beim Einwohnermeldeamt registriert. „Das bedeutet im Krippenbereich neun Gruppen oder 18 Tagespflegestellen mehr“, heißt es in der Vorlage.

Bei den Elementarkindern kann es, so der Ausblick der städtischen Kita-Planer, rein rechnerisch zu einem Überangebot an Plätzen kommen. Einschließlich der schon beschlossenen Plätze würde die Versorgungsquote bei 99 Prozent liegen – zu hoch, da nicht alle Eltern ihre Kinder in einer Kita anmelden. Allerdings entstehe dadurch Spielraum, um Kinder aufzunehmen, die im Laufe eines Kindergartenjahres drei Jahre alt werden. Es gäbe weitere Plätze für Flüchtlingskinder, weniger Norderstedter Eltern müssten ihre Kinder in anderen Städten und Gemeinden, vor allem Hamburg, unterbringen. Dadurch spare Norderstedt Geld, die Erstattung der Kosten sei teurer als ein Kita-Platz in Norderstedt.

Die meisten Kinder kommen mit einem Jahr in die Kita und bleiben bis Schulbeginn. „Während dieser Zeit verändert sich die Lebenssituation vieler Familien, die Betreuungszeit muss angepasst werden“, sagt die zuständige Amtsleiterin im Norderstedter Rathaus, Sabine Gattermann. Wenn die Eltern ins Berufsleben zurückkehren, sich die Arbeitszeit verändert, sich die Eltern trennen oder ein Geschwisterkind hinzukommt, kann das mehr Betreuungszeit erfordern.

Mehr Flexibilität bei den Kita-Plätzen

Im Idealfall kann der Kita-Betreiber wie das evangelische Kita-Werk flexibel reagieren und die Zeit einfach ausweiten. Unproblematisch ist auch, wenn mehrere Eltern einer Kita-Gruppe das gleiche Problem haben und beantragen, dass die gesamte Gruppe länger betreut wird. Problematisch wird es, wenn das Kind die angestammte Gruppe oder sogar die Kita verlassen muss, weil statt eines Halbtags- ein Ganztagsplatz nötig wird, denn: Die Gruppen sind wesentlich nach den Betreuungszeiten zusammengesetzt.

Wird ein Kind aus seiner Stammgruppe herausgerissen, leidet die pädagogische Konstanz. Die Kinder verlieren den Kontakt zu den anderen Kindern, an die sie sich gewöhnt haben, und zu den vertrauten Erzieherinnen. Das soll durch mehr Flexibilität bei den Kita-Plätzen verhindert werden. Ein Konzept will die Stadt gemeinsam mit den anderen Kita-Trägern in Norderstedt erarbeiten. „Es bietet sich an, die Verhandlungen hierzu schnellstmöglich aufzunehmen, weil die alten Verträge mit den freien und kirchlichen Trägern demnächst auslaufen. Für die Eltern wäre es ein großer Vorteil, wenn sie mehr Transparenz über freie Plätze in der Wohn- oder Arbeitsnähe und die entsprechenden pädagogischen Ziele der Einrichtungen hätten“, sagt die Ausschussvorsitzende Petra Müller-Schönemann. Bei den Mitgliedern des Ausschusses sei auch der Wunsch nach einer Art Dachverband als organisatorische Hilfe aufgekommen. Darüber soll im Ausschuss weiter diskutiert werden.