Norderstedt
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Auch die Edelstahlrose hat Dornen

Winulf Machold ist Physiker, hat sich aber ganzder floralen Kunst verschrieben und kreiert in seiner Werkstatt Pflanzen und Blumen aus Edelstahl

Norderstedt. Auch in Edelstahl haben Rosen Dornen. Jedenfalls die von Winulf Machold. Der Mann ist Physiker. Modelliert aber Rosen. Mit Stahlschere und Schweißgerät. Zu seinem Repertoire gehören auch Fingerhüte, Lilien und Orchideen. Und die Helikonie, diese exotische Schöne aus Costa Rica, die auch Strelitzie oder Hummerschere genannt wird.

Für Winulf Machold sind Blumen und Physik kein Gegensatz. Der Mann, der meistens barfuß unterwegs ist, sieht in den Gesetzmäßigkeiten der Physik und im Aufbau von Blumen absolute Parallelen. „Blüten haben oft eine feste Zahl von Blütenblättern, Staubgefäßen und Knospenblättern, und sie haben charakteristische Winkel, Radien, Kurven und Grenzwerte“, sagt der Mann, der exakt auf der Stadtgrenze von Hamburg und Norderstedt lebt und arbeitet.

Was aber macht ein Physiker? Da hat er so seine eigenen Ideen: „Physiker können Bundeskanzlerin werden, aber den Job hat schon Angela Merkel, sie können Rock Star werden wie Brian May von Queen. Uns eint, unsere Kreativität zum Lösen von Problemen zu nutzen.“ Physiker würden instinktiv nach Symmetrien und Gesetzmäßigkeiten suchen, wie sie beispielsweise in Pflanzen zu finden sind.

Deshalb liebt der Mann nicht nur seine Ehefrau, für die er 1999 zum Geburtstag die erste Rose aus Edelstahl entwarf, er liebt auch die Vielfalt der Natur: „Oft gibt es unzählige Arten einer einzigen Gattung, und alle gehorchen gemeinsamen Regeln, die sich mathematisch beschreiben lassen.“ Diese Regeln stecken im winzigen Samen und sind im genetischen Code komprimiert. Im Samen sitzt die Anleitung für die Blüte, die wiederum neue Samen produziert. „Dieser Kreislauf von Regeln ist die Schönheit der Natur“, sagt Machold.

„Mein Ziel ist es, alle Blumen dieser Welt in Edelstahl nachzubauen“, sagt der Blumen-Liebhaber. Und kommt damit zu seinem nächsten großen Thema: Edelstahl. Rostfreier Edelstahl. Winulf Machold fragt immer, wo seine Edelstahl-Werke, wo die Blume, die Rankhilfe, Staudenstütze oder das Gartentor stehen werden, mitten in der Stadt oder direkt an der Nordseeküste. Oder gar in den Tropen. Er hat sogar schon eine Helikonie für eine Auftraggeberin in Südamerika gebaut, als Einbruchschutz.

„Ich bin extra hingeflogen, um die Luft zu testen, und da sie sehr salzhaltig und auch feucht ist, musste ich einen besonderen Edelstahl verwenden, denn in solcher Luft kann auch rostfreier Stahl rosten“, sagt der gelernte Schmiede-, Schlosser- und Maschinenbauer.

Nach dem Gesellenbrief studierte er an der Hamburger Universität Physik, widmete sich der Materialwissenschaft und schrieb seine Diplomarbeit über Metall und Schweißnähte.

Anschließend baute der gebürtige Süddeutsche Windkraftanlagen im Norden. Zwischendurch genehmigte er sich eine Rucksack-Tour durch Neuseeland und ist heute noch von Natur, Land und Leuten fasziniert. 2012 erfüllte er sich einen Traum und machte sich selbstständig. „Ich freue mich, dass ich nicht wie viele Gründer schon wieder pleite bin“, sagt Machold und grinst fröhlich.

Die Idee, Edelstahlblumen zu bauen, führt ihn zu seinen beruflichen Anfängen. „Schon mein Schlossermeister schmiedete gern Rosen“, sagt Machold. Zum ersten Mal hat er mit Edelstahl als Zivi im Dominikanerkloster Braunschweig gearbeitet: „Ich wollte schon immer etwas mit den Händen machen.“

Nun lässt er mit seinen Händen Blumen wachsen, die der Vergänglichkeit, der Vanitas, trotzen. „Normale Blumen welken, und ihre Schönheit wird ein Opfer der Zeit“, sinniert er. Vielfach aber würden Blumen aus Zuneigung und Liebe geschenkt, und mit seinen Edelstahlblumen wolle er eine Alternative zur Vergänglichkeit bieten.

Es müsse aber Edelstahl sein, denn normaler Stahl, wie ihn auch sein Meister für seine Rosen nutzte, würde ebenfalls mit der Zeit welken und zu braunem Rost zerbröseln. Seine erste Edelstahlrose ließ er noch unpoliert. „Doch durch das Polieren bekommen die Blumen nicht nur einen wundervollen Glanz, die Oberfläche wird auch unempfindlicher“, sagt Machold.

Winulf Machold legt Wert auf eine florale Ästhetik, wie sie schon im Jugendstil gepflegt wurde, in wunderschönem, aber auch teilweise skurrilem Design. Auch die Jugendstil-Künstler ließen sich von der Natur und ihren faszinierenden Formen inspirieren, setzten sie in ihrer Kunst auch durchaus gegenständlich um, veränderten allerdings gern die ursprünglichen Formen. „Ich will die natürliche Ästhetik so originalgetreu wie möglich wiedergeben“, sagt der Edelstahlblumen-Designer. Alle seine Kreationen seien daher Unikate. Abstrakte Formen verwirklicht er nur in seinen Rankgittern, Gartenpforten und Staudenstützen. Seine Blumen will er so originalgetreu wie möglich gestalten: „Ich will die schöne Form konservieren und nicht verändern, ich will etwas schaffen, was bleibt.“

Winulf Machold stellt auf Messen wie „Home and Garden“ aus und ist über seine Website www.edelstahlblumen.de zu erreichen.