Norderstedt
Kaltenkirchen

Ausstellung im Rathaus: Ist das schon Kunst?

„Du und dein (W-) ORT – Porträts grenzenlos“ heißt das Fotoprojekt eines Paares

Kaltenkirchen. Prima Idee! Die Kunst lässt die Menschen zu Wort kommen – authentisch, direkt, ohne Schnörkel. Die Künstler Ann-Kristin Jahrmann und Laurenz-Alexander Schettler haben Kaltenkirchener Bürgerinnen und Bürger über ihre Stadt befragt, sie fotografiert und das Ergebnis ins Foyer des Rathauses gehängt: 15 Schwarz-Weiß-Fotos zeigen Männer und Frauen aus der Stadt. Jeweils darunter kann der Besucher nachlesen, was sie mit Kaltenkirchen verbindet.

„Du und dein (W-) ORT – Porträts grenzenlos“ heißt das Projekt des Paares aus Kappeln, das bereits in 20 Städten im Norden zu Gast war und irgendwann auch international umgesetzt werde, kündigen die Künstler an. Irgendwann wollen sie auch eine Gesamtschau mit Bildern aus allen Orten veranstalten. „Als Bürgermeister der Stadt ist es interessant zu sehen, womit sich die dargestellten Personen in Kaltenkirchen identifizieren, was ihnen gefällt und was vielleicht noch verbessert werden kann“, sagte Bürgermeister Hanno Krause etwas steif bei der Ausstellungseröffnung. „Der Besucher der Ausstellung wird angeregt, ebenfalls über seine Verbundenheit mit der Stadt Kaltenkirchen nachzudenken.“

Jenseits der offiziellen Ansprachen waren jedoch andere Kommentare über die Schau von Jahrmann und Schettler zu hören. Der Begriff „lächerlich“ fiel mehr als einmal. Bereits die Präsentation lässt zu wünschen übrig: Die Bilder sind kaum größer als das DIN-A4-Format. Sie hängen in Billigrahmen gefasst an einer Stellwand, die kaum mehr Eindruck macht als eine Pinwand in einem Klassenraum.

Auch inhaltlich hinterlässt die Ausstellung einen faden Eindruck. Um seine Verbundenheit mit Kaltenkirchen zu zeigen, hält der porträtierte Hartwig Lindemann ein T-Shirt der Holstentherme in die Kamera, Lorenz Schmidt zeigt ein Werbeprospekt des Spaßbades. Darunter steht der Satz: „Denke ich an Kaltenkirchen, fällt mir die Holstentherme ein.“ Ein paar Fotos weiter schwärmt die etwas zu schattig fotografierte Birgit Tramplin über die „grüne Oase Kaltenkirchen“. Über Banalitäten haben sich die Künstler nicht hinausgewagt oder sie nicht notiert.

Viele Porträtierte halten schlicht nichts in den Händen und konterkarieren damit das gesamt Konzept. Fotograf Schettler – der als Aktionskünstler firmiert – verzichtet auch auf den Hinweis, mit welcher Kamera er fotografiert hat. Mittelformat? „Ja, ja.“ Schwarz-Weiß-Filme habe er benutzt, weil damit auf den Fotos das Wesentliche zum Ausdruck komme. Warum er manchen Kaltenkirchener bieder wie ein Passbildfotograf abgelichtet hat, andere komplett bis auf die Augen in die Unschärfe einer großen Blende zieht, wird sein Geheimnis bleiben.

Wer im Rathaus ausstellen darf, hat die Stadt mit einer eigenen Verwaltungsordnung geregelt. Honorar zahlt die Stadt für die Ausstellung nicht. Zu den Ausschlusskriterien bei der Genehmigung gehören beispielsweise Darstellungen von Pornografie oder Gewalt. „Wir beurteilen jedoch nicht, ob etwas Kunst ist“, sagt die Pressesprecherin des Rathauses, Meike Wölfel.

Im Mai 2013 hatte Bürgermeister Hanno Krause eine Ausstellung des Itzstedter Künstlers Uwe Fossemer im Rathaus untersagt. Der Verwaltungschef hatte sich an den Phallus-Symbolen in den Werken gestört.

Seit 2013 ist das Paar Jahrmann und Schettler in vielen norddeutschen Städten unterwegs. Demnächst stehen Tönning und Heiligenhafen auf dem Programm. In Kaltenkirchen stellt das Paar noch bis zum 26. März aus.

Diese Daten hat die Stadtverwaltung veröffentlicht. Dass ein weiteres Kulturereignis bereits an diesem Wochenende ansteht, dürfte den meisten Kaltenkirchenern und anderen Bewohnern der Region jedoch verborgen bleiben. An diesem Sonnabend tritt das Pasadena Roof Orchestra in der Bürgerhalle am Flottkamp auf.

Bis zum renommierten Montreux Jazz Festival hat es die Big Band in den Jahrzehnten ihres Bestehens geschafft, nicht jedoch in den Kulturkalender der Stadt Kaltenkirchen. Auch Plakate und umfassende Ankündigungen in den Medien fehlten. „Das ist nicht Sache der Stadt“, sagt Meike Wölfel. „Das ist Sache des Veranstalters.“ Das Konzert beginnt um 20 Uhr.