Norderstedt
Kisdorf

Sie weiß, warum Menschen töten

Deutschlands bekannteste Polizeipsychologin, Claudia Brockmann, las im Café Lebenskultur

Kisdorf. Markus Ebert? Nie von ihm gehört. Die Zuhörer im voll besetzten Café Lebenskultur in Kisdorf sind einigermaßen ratlos: Ebert, was hat der nur getan? Claudia Brockmann, Autorin des 2014 im Ullstein-Verlag erschienenen Taschenbuches „Warum Menschen töten“, klärt auf: „Ebert ist ein psychisch gestörter Serienmörder. Er ist die Hauptperson in dem Kapitel, aus dem ich jetzt vorlesen werde.“ Sein richtiger Name wurde aus Gründen der Wahrung von Persönlichkeitsrechten anonymisiert. Es sollte allerdings nur wenige Minuten dauern, bis auch der letzte Zuhörer wusste, um wen es sich bei der Lesung handelte, denn dieser Fall hatte die deutsche Öffentlichkeit einst erregt.

Markus Ebert hat zwischen 1987 und 1990 in und um Hamburg drei Frauen gequält, vergewaltigt, getötet und zerstückelt. Er wurde gefasst, floh, wurde wieder festgenommen, das Richterurteil lautete: Lebenslänglich! Ein psychiatrisches Gutachten beschrieb den Mörder als untherapierbar.

Seine Therapeutin (im Buch heißt sie Sophia Papadopoulu) liebte ihn, verhalf ihm zur Flucht aus dem Hochsicherheitstrakt der forensischen Abteilung des Klinikums Nord. 1995 stellte sich Ebert freiwillig, er sitzt seitdem wieder im Haus 18, Station 6, in Ochsenzoll. „Ich gehe davon aus, dass Ebert nie wieder freikommen wird“, sagt Claudia Brockmann.

Deutschlands bekannteste Polizeipsychologin, seit 25 Jahren beim Landeskriminalamt Hamburg tätig, leitet seit 2005 die „Kriminalpsychologische Einsatz- und Ermittlungsunterstützung“. Ihre Diplomarbeit hat sie zum Thema „Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen“ geschrieben.

„Wir beraten Polizeibeamte bei Ermittlungen oder Vernehmungen, in der ,operativen Fallanalyse’ rekonstruieren und analysieren wir den Ablauf einer Tat, und unsere ,Verhandlungsgruppe’ unterstützt die Kollegen bei Gesprächen mit Erpressern, Entführern oder Geiselnehmern“, heißt es in dem Buch.

„Die wahren Geschichten sind herausragende Fälle, die ich ausgewählt habe“, sagt Claudia Brockmann. „Es sind Kriminalfälle, die mich in meiner Rolle als Polizeipsychologin besonders berührt und auch geprägt haben.“

Einmal, kurz nach seiner Verhaftung, ist sie dem Serienmörder begegnet. „Er klagt darüber, dass er unter Depressionen leide, er habe die ganze Zeit Johanniskraut genommen“, schreibt sie. „Sein Vortrag ist sehr eindringlich, fast hilfeschreiend, aber mir erschließt sich sein einnehmendes Wesen, das ihm nachgesagt wird, nicht.“

Warum Menschen töten, schildert die Polizeipsychologin eindrucksvoll. Das letzte von fünf Kapiteln beleuchtet den Fall „Dagobert“ alias Arno Funke, der kein Mörder war. Den Namen des Bombenlegers und Gelderpressers brauchte Claudia Brockmann nicht zu anonymisieren.

Monika Horx, eine treue Anhängerin aus Kaltenkirchen, sagte: „Ich habe hier im Cafè schon viele Veranstaltungen besucht, das war heute eine der spannendsten und aufregendsten.“ Wilfried Brömstrup, Inhaber des Cafès Lebenskultur, freute sich über den enormen Andrang: „Alle 44 Tickets verkauft, ich musste noch Interessenten abweisen.“

„Warum Menschen töten“ von Claudia Brockmann: www.ullstein-taschenbuch.de, ISBN: 9783548375434. - 202 Seiten, Preis: 8,99 Euro