Norderstedt

Gottesdienst auf der Baustelle

Bramstedts Maria-Magdalenen-Kirche wird zurzeit saniert. Die Festtagsgottesdienste können trotzdem gefeiert werden

Wenn Heiligabend um 14 Uhr der erste von fünf Gottesdiensten beginnt, zeigt sich die Bramstedter Maria-Magdalenen-Kirche wie gewohnt zu Weihnachten. Die Kerzen am Weihnachtsbaum brennen, die Orgel spielt. Hunderte Besucher werden sich in dem Jahrhunderte alten Gotteshaus treffen, um gemeinsam die Geburt von Jesus Christus zu feiern. Kaum zu glauben, dass die Festtagsgottesdienste auf einer Baustelle gefeiert werden, die nur für wenige Tage ruht. Bis zum 23. Dezember dauerten die Vorbereitungen, um der Kirche innen die vertraute Atmosphäre zurückzugeben. Die Besucher müssen nicht einmal – wie zunächst befürchtet – am Heiligen Abend frieren.

Alle Spuren der Sanierung von Turm und Dach konnten die Handwerker jedoch nicht verbergen. Zwar müssen Altar und Wandfiguren nicht mehr unter Planen verschwinden, um sie vor dem Schmutz der Bauarbeiten zu schützen. Doch die Orgel bleibt verhängt. Der Aufwand, sie nur für die Unterbrechung der Arbeiten freizulegen und danach wieder unter Folie zu verstecken, wäre zu groß.

Ein bisschen wird der Klang leiden. „Doch das hören nur Kenner“, glaubt der Bauexperte der Kirchengemeinde, Stefan Dörksen. Dass die Kirche von drinnen noch einmal großflächig verhängt werden muss, glaubt er nicht. Mit den Arbeiten unterm Dach sind die Arbeiter zu zwei Dritteln durch. „Jetzt kommt nicht mehr so viel Dreck.“

Den Besuchern werden auch mehrere schlichte Holzpfeiler auffallen, die unter der Empore stehen. Sie wurden sicherheitshalber aufgestellt, um für zusätzliche Stabilität zu sorgen, wenn die Kirche auch auf den oberen Plätzen komplett besetzt ist. Normalerweise hängt die Empore am Deckengebälk, doch dort sind die Handwerker noch nicht mit allen Arbeiten an den Balken fertig geworden. „Wir mussten einige Verbindungen kappen“, sagt Dörksen. Demnächst werden Fachleute noch einmal die gesamte Statik der Empore untersuchen, kündigt Dörksen an.

Unterm Dach, verborgen vor den Blicken der Gottesdienstbesucher, sind die Spuren der Bauarbeiten deutlich sichtbar. Der Wind hat den Regen der vergangenen Tage und Wochen durch die Planen gedrückt, die das geöffnete Dach schützen soll. Unterm Gebälk stehen Eimer und Maurerbütten, die das Wasser auffangen. „Hier wird regelmäßig kontrolliert, damit keine Schäden entstehen“, sagt Dörksen. Rund um die Kirche stehen auch über Weihnachten die Gerüste für Zimmerleute und Dachdecker. Sie werden ab Januar ihre Arbeiten fortsetzen.

Pünktlich zum Fest ist auch der Kronleuchter in die Rolandstadt zurückgekehrt, der zu Weihnachten mit seinen Kerzen die Kirche in ein warmes Licht tauchen wird. Das 300 Jahre alte Messing-Schmuckstück war bereits Anfang des Jahres aus der Reparatur gekommen, nachdem es bei einem Absturz von der Decke schweren Schaden genommen hatte. „Doch wir haben danach festgestellt, dass zwei Arme schief hingen“, sagt Bauexperte Dörksen. Jedes Mal, wenn ein schwerer Lastwagen vorbeifuhr, lösten sich über dem Mittelgang der Maria-Magdalenen-Kirche Metallteile und Kerzen.

Die Reparatur des Leuchters übernahm Eisenschmied Peter Eingrüber, der sich in ganz Norddeutschland als Fachmann für historische Metallarbeiten einen Namen gemacht hat. Er hatte im vergangenen Winter vor der Bramstedter Kirche das denkmalgeschützte Grabmal des Bramstedters Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer restauriert (das Abendblatt berichtete).

Nach den Feiertagen wird der Glanz aus der Bramstedter Kirche fürs Erste wieder verschwinden. Die Handwerker kehren zurück, sodass das Gotteshaus geschlossen werden muss.

Insgesamt 900.000 Euro kostet die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Einen Teil der Kosten versucht die Kirchengemeinde mit Spenden zu decken und sucht deshalb weiterhin Sponsoren. 33.600 Euro sind bislang eingegangen.