Norderstedt
Moment mal!

Happy ohne Kapuzenpulli

Eine Glosse von Frank Knittermeier

Fröhliche Gesichter springen den Besuchern dieses Ladens förmlich entgegen. Das ist die Happy Family, wie sie von diesen Läden gerrne bezeichnet wird. In fast jedem Einkaufszentrum wird mit der Happy Family geworben. Aber mal im Ernst: Dagegen ist ja auch nichts zu sagen. Fröhliche Familien kann es gar nicht genug geben.

Wer aber genauer hinschaut, sieht in den Läden dieser Verkaufskette eigentlich nur fröhliche Frauen. Manchmal auch fröhliche Kinder, die sich über die niedlichen Plüschpuppen freuen. Männer? Keine Fröhlichkeit zu entdecken. Nirgends.

Neulich waren wir wieder in einem dieser Fröhliche-Familie-Läden. Während meine Frau sich sofort auf die Kleider in den buntesten Herbstfarben mit passenden Jäckchen, Schals und farblich fein abgestimmten Hosen stürzte, stand ich zunächst noch etwas ratlos herum. „Geh doch mal in die Männerabteilung, da findest du bestimmt etwas“, riet mir die Liebste. Die Männerabteilung ist von Weitem daran zu erkennen, dass ein fröhlicher junger Mann mit lauter Bartstoppeln im Gesicht von der Wand heruntergrinst.

Die Fröhlichkeit wollte bei mir angesichts der umwerfenden Auswahl nicht so richtig aufkommen. Eine kleine Männerecke in einem vergleichsweise riesigen Geschäft – das ist schon mal von vornherein etwas frustrierend. Das Angebot bestand aus Socken, Boxershorts und Kapuzenpullis. Punkt. Also genau das richtige Angebot für einen Mann in den reiferen Jahren. Ich habe mich dann schweren Herzens gegen einen Pulli mit Kapuze entschieden. weil ich nicht mit dem Nachbarsjungen, der die vierte Klasse besucht, konkurrieren wollte.

Wirklich Happy war ich dann auch nicht, als wir schließlich mit zwei großen Tüten von dannen zogen. Mein kleine im Brötchentütenformat fiel kaum ins Gewicht: Nach langem Stöbern auf dem mit zehn Socken reichlich gefüllten Ständer, hatte ich mich für ein dezentes schwarzes Paar entschieden. Immerhin. Kann man immer gebrauchen.