Norderstedt
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Hübsche Kleider, Bauchtanz und Falafel

Landeskunde anschaulich: Beim Projekt Switch Kids präsentierten drei Mädchen den beiden anderen für einen Tag ihr Herkunftsland

Norderstedt. Unter dem Motto „Fremde werden Freunde“ hat der Verein Kulturbrücke Hamburg die „Switch Kids“ auf Norderstedt übertragen, wo der kulturelle Austausch, dritter Sieger im Wettbewerb „1001 Euro für eine tolle Idee“, inzwischen in die zweite Runde gegangen ist. „Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunft verbringen jeweils einen Tag bei der Familie eines der Kinder in Norderstedt. So lernen sie spielerisch die Lebensgewohnheiten, den Alltag und die Bräuche anderer Nationen kennen“, sagt Lida Buchmann, die das Projekt in Norderstedt betreut.

Sie war dabei, als sich Rosa Amin, 11, aus dem Irak, Sara Eldilati, 11, aus dem Libanon und Beyza Acikolla, 12, aus der Türkei trafen, um den beiden anderen das eigene Land nahezubringen. „Leider musste ein deutsches Mädchen kurzfristig absagen“, sagt die Organisatorin. Die junge Deutsche wolle aber bei einer Neuauflage des Projekts auf jeden Fall mitmachen.

Rosa, Sara und Beyza sind in Deutschland geboren. Sara und Beyza besuchen in unterschiedlichen Klassen die Gemeinschaftsschule Ossenmoorpark in Norderstedt, Rosa das Lessing-Gymnasium. Alle drei sprechen perfekt Deutsch, was sich als äußerst hilfreich erweist. Obwohl die Familien aus dem Nahen Osten im weiteren Sinn stammen, können sie sich in den Landessprachen nicht verständigen: Rosa spricht Kurdisch, Beyza Türkisch und Sara Arabisch, Betreuerin Lida Buchmann stammt aus dem Iran und spricht Farsi.

Die Mädchen wechseln mühelos Identität und Sprache. Mit ihrer Mutter spricht Sara Arabisch, sitzt mit ihren beiden Besucherinnen vor dem PC, das Trio sieht und hört Libanon-Pop, eingängige Lieder, garniert mit den typisch orientalischen Klängen, dargeboten von einer hübschen jungen Künstlerin in traditioneller Tracht – Landeskunde per Internet.

„Bauchtanz ist wieder angesagt“, sagt Sara und kann es kaum erwarten, nach dem Essen mit Rosa und Beyza in die schillernden Kleider zu schlüpfen und die Hüften kreisen zu lassen. „Auch im Irak tragen die Frauen schöne Kleider und viel Schmuck“, sagt Rosa, die dort regelmäßig Verwandte besucht.

Sie findet das Projekt „Switch Kids“ toll, weil sie andere Kulturen kennenlernen und Spaß in den Ferien haben kann. Und sie widerlegt einen in Deutschland weit verbreiteten Eindruck: „Im Alltag gibt es überhaupt keine Probleme, die mit dem Glauben zusammenhängen. Islam ist Islam, ob nun sunnitisch oder schiitisch, kurdisch oder arabisch, und auch Christen werden im Irak respektiert.“

Saras Mutter Hiba Al Dilati tischt inzwischen das Mittagessen auf: Tabuli, einen libanesischen Salat, Falafel, Reis mit gebratenen Mandeln und Fleisch. Landeskunde geht eben auch durch den Magen.