Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Henstedt-Ulzburg wuchert zu

CDU sieht Anzeichen von Verwahrlosung. In Norderstedt dagegen freut man sich über das Grün am Straßenrand

Henstedt-Ulzburg. Die einen sprechen von Unkraut, die anderen von ökologisch wertvollen Pflanzen: Die CDU in Henstedt-Ulzburg entdeckt Anzeichen von Verwahrlosung und Ungepflegtheit in der Gemeinde, weil das Unkraut an vielen Gemeindestraßen und Verkehrsinseln ungehindert sprieße und das Gras meterhoch stehe. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Stadtgrün in Norderstedt hingegen versuchen gerade, die Straßenränder mit heimischen Stauden und Blumen erblühen zu lassen. Sie lehnen Rasen genauso ab wie künstlich geschaffene Blumenbeete oder -kübel.

Stiefmütterchen, Vergißmeinicht, Osterglocken, Tulpen, Gemswurz, Steinkraut, Frauenmantel, Silberling (Silberpfennig), Kamille, Glockenblume, Lupinen – das sind nur einige der Pflanzen, die für farbige Akzente sorgen und die öden Rasenflächen ersetzen. „Besonders üppig zeigt sich die rosa Malve, in wenigen Tagen wird die Goldrute aufblühen“, sagt Gerda Meister, Sprecherin der Arbeitsgruppe, die an der schadstoffarmen Zukunft Norderstedts mitarbeitet. Die Gruppe gehört zur „ZukunftsWerkStadt“– einem Projekt des Bundesforschungsministeriums. Ziel ist, die Stadt bis 2040 klimaneutral zu machen. Es soll nur so viel CO2 in die Luft gepustet werden, wie auch im Stadtbereich gebunden wird.

Und da hat das neue Grün am Straßenrand durchaus seinen Anteil: „Nicht nur Bäume, sondern auch die Blattmasse der dicht stehenden Stauden trägt zur Reduzierung von CO2 bei“, sagt Gerda Meister, die weitere Vorteile der naturnahen Grünstreifen nennt: Die Pflanzen kommen mit wenig Pflege aus, es muss nicht gemäht werden, was wiederum den CO2 -Ausstoß reduziert. Und das Stadtgrün ist ein Paradies für Insekten. Nun hoffen sie und ihre Mitstreiter auf Nachahmer. Je mehr Norderstedter Brachflächen bepflanzen und pflegen, desto stärker verbessert sich das Stadtklima.

Das sieht die CDU in Henstedt-Ulzburg ganz anders: Die CDU glaubt, dass Henstedt-Ulzburg ungepflegt wirkt. Sie geht sogar einen Schritt weiter: Die CDU-Politiker glauben, Anzeichen von Verwahrlosung in der Gemeinde entdeckt zu haben. Und das keineswegs auf irgendwelchen versteckten Plätzen, sondern mitten im Ort.

„Gerade durch die feuchtwarme Witterung sprießt das Unkraut an vielen Gemeindestraßen, Verkehrsinseln, aber auch an den Privatgrundstücken. Teilweise steht das Gras an den Straßenrändern meterhoch“, sagt CDU-Vorsitzender Michael Meschede. Dieses Bild, gerade in öffentlichen Bereichen der Gemeinde, ist nach Auffassung der CDU nicht hinzunehmen. Kein Verständnis bringt die CDU dafür auf, dass zum Beispiel eine Verkehrsinsel zwar gemäht wird, das um die Verkehrsinsel wachsende Unkraut allerdings ungehemmt weiterwächst und nicht in einem Arbeitsgang mit beseitigt wird. Teilweise sind Verkehrsschilder zugewuchert, sodass die Verkehrssicherheit gefährdet ist, hat der CDU-Chef festgestellt.

Auch im Bewusstsein der knappen Kassen der Kommunen hält die CDU ein Mindestmaß an Pflege für das Image und die Attraktivität der Gemeinde für geboten. „Wir brauchen nur einmal in unser Nachbarland Dänemark zu gehen, dort funktioniert die Pflege öffentlich wie privat einwandfrei, vielleicht sollten wir uns dort einmal Anregungen holen“ sagt Michael Meschede. „Wir sollten alle dafür sorgen, dass unser Ort attraktiv bleibt.“ Nur wenn die Gemeinde mit einem guten Beispiel vorangeht, könne auch an die Eigenverantwortung der Grundstückseigentümer appelliert werden, vor ihren Grundstücken für ein unkrautfreies Bild zu sorgen.

Michael Meschede hat sich auch Gedanken darüber gemacht, wie den privaten Grundeigentümern geholfen werden kann. So sieht er das Problem der Grünabfallbeseitigung, vor das sich jeder gestellt sieht, der den eigenen Garten mal wieder so richtig auf Vordermann bringen will. Denn nicht jeder Grundstückseigentümer hat die Möglichkeit, große Mengen Bioabfall in seinem Garten zu kompostieren. Zumal die Tendenz zu immer kleineren Grundstücken geht.

Hier sollten seiner Ansicht nach Lösungsansätze gesucht und nach Möglichkeit auch gefunden werden. So könnte sich die CDU in bestimmten Bereichen zentrale Sammelstellen vorstellen, die in regelmäßigen Abständen von der Gemeinde entsorgt werden. Meschede: „Gerade vor dem demografischen Wandel sollte Henstedt-Ulzburg keine Anzeichen von Verwahrlosung zeigen. Wir wollen auch weiterhin eine für Jung und Alt attraktive Gemeinde bleiben.“

Im Rathaus sieht man das Unkraut-Problem eher gelassen. „Dahinter steckt keine Grünphilosophie’“, sagt Jens Richter, Sprecher der Gemeindeverwaltung. Es sei vielmehr so, dass die Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes gar nicht in der Lage seien, das schnell wachsende Unkraut ebenso schnell zu beseitigen – schon gar nicht während der Urlaubszeit.