Norderstedt
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Alarm an der Segeberger Chaussee

Gegenüber von Mercedes Behrmann schlugen Flammen aus einem Mehrfamilienhaus. Die Brandursache ist unklar

Norderstedt. Der Mann hat sich vor dem Qualm und den Flammen auf den Balkon geflüchtet, steht dort, den nackten Oberkörper nur mit einer Decke gegen die eisigen Temperaturen geschützt. Er scheint verwirrt, tippt auf seinem Handy herum, bis Feuerwehrleute eine Steckleiter anstellen und ihn auf festen Boden bringen. Nachbarn hatten am gestrigen Donnerstag beobachtet, wie Flammen aus dem zweistöckigen Mehrfamilienhaus an der Segeberger Chaussee 80 schlagen und die Feuerwehr alarmiert. Die ersten Einsatzkräfte trafen um 11.20 am Brandort direkt gegenüber von Mercedes Behrmann ein.

Als die ersten Feuerwehr-Fahrzeuge stoppten, versammelten sich schnell viele Passanten rund um den zentral gelegenen Backsteinbau an der viel befahrenen Straße. Sie verfolgten, wie der Einsatzleiter, der stellvertretende Gemeindewehrführer Matthias Huhn, seine Leute ordnete, wie Schlauchwagen über die Straße gezogen und die Schläuche an den Hydranten angeschlossen wurden.

Die Einsatzkräfte gingen unter Atemschutz in das Haus, aus dem schwarzer Qualm drang. Über dem gesamten Bereich lag ein beißender Geruch, der entsteht, wenn die Flammen Kunststoff angreifen. Die Feuerwehrleute führten zwei weitere Männer durch das Treppenhaus ins Freie. Sie hatten offensichtlich geschlafen. Das Trio, laut Polizeiangaben 29 und 34 Jahre alt, wurde mit Rauchvergiftungen in nahe Krankenhäuser gebracht.

Die Männer sprachen kein Deutsch, konnten nur schwer erklären, wo und wer sie sind. „Die Bewohner wechseln ständig. Die können meist kein Deutsch und leben auch ganz anders. Die eine Wohnung wurde gerade erst renoviert, jetzt ist alles verrußt“, sagte Anwohnerin Jutta Martina Neumann.

Das Feuer war offenbar in der Küche ausgebrochen, ein Topf auf dem Herd hatte den Brand wahrscheinlich ausgelöst. Da mehrere Anrufe eingingen, schickten die Mitarbeiter der Leitstelle gleich zwei Züge von der Stormarnstraße zur Segeberger Chaussee. Die Ortswehren Garstedt und Glashütte rückten mit 40 Einsatzkräften aus. Sie sahen, wie die Flammen von der Küche auf den Dachstuhl übergriffen. Die Feuerwehrleute mussten das Dach öffnen, um die Brandnester zu orten und zu löschen.

Die Polizei sperrte die Segeberger Chaussee zwischen Schleswig-Holstein-Straße und Tangstedter Landstraße für den Zeitraum von 11.30 bis kurz vor 14 Uhr voll. Die zweieinhalbstündige Vollsperrung war nötig, um die Löscharbeiten zu ermöglichen und um die Fahrbahn anschließend vom Eis zu befreien, das sich aus dem Löschwasser gebildet hatte. „Zu schweren Beeinträchtigungen für den Verkehr kam es aber nicht, die Autofahrer waren durch Rundfunkdurchsagen informiert worden“, sagte Sandra Mohr, Sprecherin der Polizeidirektion Segeberg. Viele Autofahrerr seien offenbar über andere Strecken aus.gewichen.

Die Kriminalpolizei Norderstedt hat die Ermittlungen wegen des Verdachts auf fahrlässige Brandstiftung aufgenommen. „Die Kollegen sind dabei, den Sachverhalt durch Vernehmungen zu klären. Daher können wir zurzeit keine weiteren Angaben zum genauen Geschehen und zur Brandursache machen“, sagte die Polizeisprecherin. Auch die Schadenshöhe steht noch nicht fest. Angaben dazu könnten frühestens am heutigen Freitag erfolgen.