Bad Segeberg

Selbst gedrehten Sexfilm in der Schule gezeigt

Schwere Vorwürfe einer Frau gegen ihren ehemaligen Liebhaber erweisen sich als haltlos

Bad Segeberg . Fiona F., 23, gibt vor dem Amtsgericht in Bad Segeberg offen zu, dass es ihr einen besonderen Kick gegeben habe, beim Sex gefilmt zu werden. Die Auszubildende zur Fachkraft für Sicherheit und Schutz räumt auch ein, dass es ihre Idee war, im Frühjahr 2012 den Film mit ihr und ihrem Partner Kevin K. zu drehen. Das Wiedersehen vor dem Amtsgericht in Bad Segeberg fällt unterkühlt aus. Fiona F., eine hochgewachsene attraktive junge Frau, bemüht sich, jeden Augenkontakt mit ihrem einstigen Liebhaber zu vermeiden.

Mit ihrer Behauptung, Kevin K., 23, habe ohne ihr Einverständnis die Filmaufnahmen in der Berufsschule in Segeberg herumgezeigt, brachte sie ihren damaligen Partner auf die Anklagebank. Sie habe nämlich später Skrupel bekommen und K. gebeten, die Filmaufnahmen zu löschen, sagt sie vor Gericht aus. Angeklagt wurde K. deshalb wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs, einer Vorschrift, die erst im Jahre 2004 in das Strafgesetzbuch eingefügt wurde. Unter Strafe gestellt wird das unbefugte Filmen von Personen in deren persönlichem Lebensbereich, aber auch das unbefugte Zugänglichmachen des Materials für Dritte. Und genau das wirft die Staatsanwaltschaft dem jungen Mann vor.

Der Angeklagte und die Zeugin trafen sich in einem Kieler Hotel

Kevin K. war damals ein Klassenkamerad von Fiona F. in der Berufsschule. Damals wie heute lebte er in Kiel mit seiner Freundin und deren Kind zusammen, was ihn nicht davon abhielt, mit Fiona F. eine Affäre zu beginnen. Man traf sich im März 2012 in Kiel in einem Hotel und verbrachte die Nacht gemeinsam, berichtet der Angeklagte, der auf Wunsch seiner Sex-Partnerin mit einem Tablet-PC die Filmaufnahmen machte. Dass er die Aufnahmen anderen zeigte, sei auf ausdrücklichen Wunsch von Fiona F. geschehen, behauptet der Angeklagte. Immer wieder habe sie ihn bedrängt, er solle das doch mal zeigen.

Die 23-Jährige hatte das Gefühl, in der Schule schief angesehen zu werden

Dass ihn Fiona F. im Sommer letzten Jahres anzeigte, wertet der Angeklagte als Racheakt. Fiona F. habe nämlich mehr von ihm gewollt als nur Sex und schon in Kiel eine gemeinsame Wohnung gesucht, während er nie geplant habe, seine Freundin zu verlassen, beteuert der Angeklagte. Im Rahmen dieses Gerichtsverfahrens habe seine Freundin von der Affäre erfahren, aber man habe sich ausgesprochen, erklärt der zurzeit arbeitslose junge Mann, der die Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft nach einem Jahr abbrach.

Fiona F. streitet energisch ab, davon gewusst zu haben, dass der Angeklagte die Aufnahmen jemandem zeige. Auch habe sie ihn keinesfalls jemals dazu aufgefordert. Im Gegenteil habe sie das Gefühl gehabt, in der Schule von anderen schief angesehen zu werden. Bei einem Einsatz als Sicherheitskraft in einem Elektronik-Markt habe sie einer der Kollegen vom Sicherheitsdienst mit den Worten angesprochen: „Mensch, es gibt ja einen tollen Film von dir.“

Ansonsten erinnert sich die junge Frau nach eigenen Angaben nicht mehr genau daran, wer sie noch alles auf den Film angesprochen hat. „So etwas weiß man doch. Das ist einem doch peinlich“, sagt die Richterin, die zudem wissen möchte, warum sie den Angeklagten erst im Sommer, Monate nach dem Filmdreh, angezeigt habe. Sie habe Angst gehabt, da der Angeklagte sie bedroht habe, erklärt die Zeugin. Erst als Kevin K. die Schule verlassen und ein guter Freund ihr dazu geraten habe, sei sie zur Polizei gegangen.

Der Angeklagte protestiert, er habe die Klassenkameradin nie bedroht, aber Richterin Sabine Roggendorf kontert sofort, indem sie aus Nachrichten auf Facebook zitiert, in denen der Angeklagte Fiona F. Prügel androht. Sie müssten bedenken, dass alles, was sie über Internet verbreiten, ewig lesbar sei, ermahnt sie die Anwesenden.

Ein weiterer Zeuge sagt aus, man habe sich über das Video lustig gemacht

Ein weiterer Klassenkamerad, der Zeuge Andre H., 20, gibt an, dass ihm der Angeklagte Sequenzen des selbst gedrehten Sexfilms im Klassenraum gezeigt habe. Der Zeuge, von dem der Angeklagte zuvor berichtet hatte, er habe sich mit anderen über die Geschichte lustig gemacht, ist inzwischen mit Fiona F. befreundet und gibt sich wortkarg. Von der Segeberger Amtsrichterin Sabine Roggendorf in die Mangel genommen, gibt er nach und nach zu, mit mehreren Leuten über das Video gesprochen zu haben. Nach einigem Herumgedruckse räumt der junge Mann schließlich auch ein, dass die Anzeigende den Angeklagten in seinem Beisein aufgefordert habe: „Nun zeig doch mal das Video.“

Nach dieser Aussage steht für die Richterin fest: Fiona F. war nicht nur die treibende Kraft beim Dreh des Films, sie war auch damit einverstanden, dass der Film anderen gezeigt wurde. Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis wird Kevin K. schließlich freigesprochen.