Hardebek

Unglücksfahrer soll ins Gefängnis

Bei dem Unfall starben vier Menschen, darunter ein führendes Mitglied der Rockergang Bandido

Kiel/Hardebek. Für die fahrlässige Tötung von vier Menschen bei einem verheerenden Verkehrsunfall im Juni 2012 in Hardebek soll der Unglücksfahrer auf Antrag der Staatsanwaltschaft drei Jahre und zwei Monate in Haft. Der Mann, ein Berufskraftfahrer, sei angetrunken, grob verkehrswidrig und rücksichtslos mit Tempo 125 in den Ort gerast, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski am Dienstag vor dem Kieler Landgericht.

Das Fahrzeug prallte in einer Kurve ungebremst gegen einen Baum. Drei Insassen, darunter ein führendes Mitglied der Rockergang Bandido, waren sofort tot. Eine junge Frau starb wenig später im Krankenhaus. Der 28-Jährige überlebte als einziger schwer verletzt. Er sitzt seither im Rollstuhl. Zeugen zufolge kannten sich der Unglücksfahrer und drei der Insassen nicht. Man habe sich zufällig am Tresen einer Szenebar getroffen. Demnach wollten alle fünf dann am frühen Vormittag beim Angeklagten weiter „Party machen“. Doch die Fahrt dorthin überlebte nur der 28-Jährige.

Um ihn aus dem völlig zertrümmerten Wagen herauszuschneiden, mussten Rettungskräfte beide Unterschenkel bis zum Knie amputieren. Der 28-Jährige, selbst Vater einer kleinen Tochter, lag lange im Koma und erfuhr nach eigenen Worten erst Wochen später von einer Psychologin, was geschehen war. Er erinnere sich an keine Einzelheiten des Unfalles, sagte er zu Prozessbeginn. Unter Tränen meinte er, er wünschte, das Geschehen rückgängig machen zu können.

Auch das Leid der Angehörigen, sie sind Nebenkläger, war im Gerichtssaal bedrückend zu spüren. Mutter und Schwester eines der Toten konnten Verzweiflung und Tränen über Stunden nicht zurückhalten. Auch die anderen Angehörigen weinten immer wieder.

Der Unfall hatte als „Rockerfahrt in den Tod“ Schlagzeilen gemacht. Die Nebenklage wies aber ausdrücklich darauf hin, dass drei der Toten keinerlei Bezug zur Rockerszene hatten. Sie saßen nur zufällig im Wagen. Das Urteil soll heute verkündet werden.