Kreis Segeberg

Der Absturz der FDP: „Nur kein Mitleid bitte!“

| Lesedauer: 3 Minuten
Heike Linde-Lembke und Andreas Burgmayer

Die Reaktionen der Liberalen im Kreis Segeberg auf ihr politisches Waterloo

Kreis Segeberg. Stinksauer ist Katharina Loedige. Die FDP-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete kann im Segeberger Kreishaus ihre Wut auf die liberalen Führungskräfte in Berlin nur mühsam im Zaum halten. „Die Zweitstimmen-Kampagne zum Schluss – das war grottenschlecht.“ Brüderle, Rösler – Namen die auf sie wirken wie ein rotes Tuch auf den Stier. „Die sind so schlecht da oben. Wir hier an der Basis kämpfen in drei Wahlen hintereinander um gute Ergebnisse im Land und in den Kommunen. Und die Berliner reißen uns das alles wieder ein.“

Für Katharina Loedige ist klar, dass sich die komplette, zerstrittene FDP-Spitze verabschieden muss. Ein glaubwürdiger Neuanfang der FDP sei nur so möglich.

Norderstedts FDP bekämpft den Untergang mit Galgenhumor

Auch die CDU bekommt bei Loedige ihr Fett weg. „Die haben uns in der Koalition schlecht behandelt. Aber wir haben uns auch schlecht behandeln lassen.“ Im Kreishaus gibt sich Loedige gegenüber der politischen Konkurrenz kämpferisch und selbstbewusst. Als Landrätin Jutta Hartwieg ihr bei der Begrüßung mit einem verständnisvollen Blick begegnet, sagt Loedige: „Was ist los? Nur kein Mitleid, bitte!“

Das entspricht auch der Stimmung der Norderstedter FDP. Beim Wahlabend im Haus von Marlis Krogmann, Seniorin der Partei und langjährige Stadtvertreterin, wird die Untergangsstimmung mit Trotz, Galgenhumor und Weitermach-Parolen, Schnittchen, passierter Erbsensuppe,Cocktails, Wasser und Wein bekämpft.

„Das Ergebnis ist erschreckend, ich hatte mit sechs bis sieben Prozent gerechnet“, sagt Gabriele Heyer, Stadtvertreterin der FDP, und ihre Stimme klingt trotz aller aufmunternden Worte der Wahlabend-Gäste fassungslos. „Aber in Norderstedt haben wir zumindest 5 bis 5,2 Prozent erhalten. Jetzt müssen wir unsere Fehler analysieren und fragen, warum sich der Wähler gegen uns entschieden hat.“

„Und im Kreis haben uns 5,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihr Vertrauen ausgesprochen“, sagt FDP-Fraktions-Vorsitzender Klaus-Peter Schroeder. „Ich hatte gehofft, dass unsere Wahlkampagne mit Wolfgang Kubicki noch durchschlägt. Jetzt müssen wir uns sortieren und neu anfangen.“ Guido Westerwelle habe bei den Wählern hohe Erwartungen von der FPD geweckt, die aber nicht eingelöst werden konnten.

„Die FDP war immer ein gutes Kontroll-Organ der großen Parteien“

„Alles wird auf die FDP abgeladen, und unser Berliner Personal war manchmal denn doch etwas ungeschickt“, klagt Schroeder. Zudem habe eine starke CDU mit einer starken Kanzlerin Angela Merkel der FDP keine Luft gelassen. „Schon die SPD musste während der Großen Koalition merken, dass unter Kanzlerin Angela Merkel alles nur kleiner wird“, sagt Schroeder. Er freue sich jetzt darauf, „in die Opposition gehen und Finger in Wunden legen zu können.“

„Die FDP wird fehlen, denn sie war immer ein gutes Kontroll-Organ der großen Parteien“, sagt Marlis Krogmann aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung heraus. Jetzt hätte aber die junge Generation Zeit, sich zu festigen.

Zudem sei offenbar nicht klar genug kommuniziert worden, für welche politischen Inhalte und Forderungen die FDP stehen würde. „Vieles, was die FDP angeregt hat, wurde verächtlich behandelt“, sagt Marlis Krogmann. Jetzt sei aber die Zeit gekommen, die Glaubwürdigkeit wieder zu finden und aus zu bauen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt