Schröters Wochenschau

Kirchen, Klöster, Doppelhäuschen

Beinahe 700 Jahre ist sie alt, die Maria-Magdalenen-Kirche in Bad Bramstedt. Kein Wunder, dass es da schon mal im Gebälk kracht - in dem Alter hätten wir ja alle längst Rücken, bis der Arzt kommt.

Der berüchtigte Zahn der Zeit hat die Bausubstanz angeknabbert, Holzwürmer (haben die eigentlich Zähne? Und wenn ja - warum essen die nichts Anständiges? Morsche Balken, also wirklich...) besorgten den Rest. Doch Rettung naht: Die Sanierung steht an, dem 700-Jahre-Jubiläum anno 2016 wohl nichts im Wege.

Staunen lässt mich der Kostenplan. 720.000 Euro sind veranschlagt. Sicher, nicht wenig Geld. Entspricht aber in der Relation lediglich einem guten Tausender pro Existenzjahr dieser Kirche. Ich durfte jüngst ein gerade mal 50 Jahre altes Doppelhäuschen sanieren und versichere Ihnen: Die kommen gut dabei weg. Der Bau einer Elbphilharmonie verschlingt 999 Fantastillionen, die Neuanlage des Parkplatzes Bönningstedt-West an der A 7 kostet immerhin noch 1,8 Millionen. Die Köhlbrandbrücke, eröffnet 1974, gilt bereits als so marode, dass man ernsthaft ihren Abriss diskutiert. Wenn das Dach meines besagten Doppelhäuschens wider Erwarten noch 20 Jahre halten sollte, zünde ich - in der dann vermutlich baulich völlig intakten - Maria-Magdalenen-Kirche eine Dankeskerze an. In der, übrigens, stammen die tragenden Hölzer des Dachstuhls aus den Jahren 1512 bis 1648. Und das, obwohl die ausführenden Handwerker damals wahrscheinlich nur für Gotteslohn und, wahlweise, ein Ave Maria oder Vaterunser gearbeitet haben. In einer Qualität, die locker einer mehrhundertjährigen Gewährleistungspflicht standgehalten hätte. Daran sollten sich die Meister von heute mal ein Beispiel nehmen. Die berechnen in der Regel bereits für ihre Anfahrt den äquivalenten Jahreslohn eines mittelalterlichen Kathedralenerbauers. Dafür quillt nach einer WC-Neuinstallation die braune Brühe aus der Duschwanne, und daran ist dann natürlich immer der Klempner/Maler/Fliesenleger schuld, der letzte Woche auf gleicher Baustelle tätig war. Ich lege mich mal fest: 350 Jahre schafft der Dachstuhl meines Hauses nicht. Früher war alles besser.

Obwohl: Bauliche Qualitätsarbeit galt damals vermutlich auch bloß für Kirchen, Klöster und Paläste. Schnöde Doppelhäuschen mit Baujahr 14. Jahrhundert sind heutzutage eher nicht mehr gut erhalten anzutreffen.