Norderstedt

19-Jähriger sieht sich schlecht entlohnt und beklaut seinen Vater

Stephan J., 19, aus Quickborn weiß im Nachhinein nicht mehr, warum er seine eigene Familie bestahl.

Norderstedt. Gegenüber der Polizei hatte der Auszubildende nach der Tat Anfang Mai letzten Jahres als Motiv für den Diebstahl eines Motorrollers und einer Spardose mit etwa 400 Euro aus dem Haus seines Vaters in Hamburg angegeben, er habe sich nach Malerarbeiten in dem Haus nicht ausreichend entlohnt gesehen.

Gemeinsam mit einem Freund habe er den Roller entwendet und über Ebay für 420 Euro verkauft. Er habe bei dem Verkauf einen falschen Namen benutzt, sich als Eigentümer ausgegeben und behauptet, die Papiere für das Fahrzeug seien verschwunden. Den Verkaufserlös habe er sich mit seinem Freund geteilt und verspielt.

Von dem Diebstahl der Spardose will der junge Mann aus Quickborn allerdings nichts bemerkt haben, obwohl er auch diesen Diebstahl bei der polizeilichen Vernehmung auf seine Kappe nahm - angeblich, um den Freund zu schützen, wie er jetzt beteuert.

Der Vater des Angeklagten erscheint nicht zum Prozess. Er möchte seinen Sohn nicht mehr sehen. Die Stiefmutter Andrea K., 43, schluchzt bei ihrer Zeugenaussage. Für sie sei eine Welt zusammengebrochen, als sie und ihr Mann den Diebstahl entdeckt hätten. Eigentlich weigere sie sich immer noch, an die Täterschaft ihres Stiefsohnes zu glauben, so die Zeugin. Die Anzeige erhielten sie und ihr Mann aber aufrecht, da sie die Sache klären wollten. Der Angeklagte entschuldigt sich im Gerichtssaal bei seiner Stiefmutter.

Er möchte nach eigener Aussage ein neues Leben anfangen und wird von der Familie einer Freundin, bei der er wohnt, unterstützt, setzt nun auch die früher abgebrochene Ausbildung fort.

Stephan J. ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Es gibt zwei weitere Anklagen gegen ihn: Im Oktober letzten Jahres wurde er bei einer Kontrolle in der S-Bahn mit der Kundenkarte einer Bekannten erwischt. Auf die Fahrkarte hatte er ein Bild von sich geklebt. Das brachte ihm eine Anzeige wegen Urkundenfälschung ein. Die dritte Anklage wegen Betrugs wird angesichts der Schwere der beiden anderen Vorwürfe fallen gelassen.

Richterin Dörte Barbirz glaubt dem Angeklagten, dass er einen Schlussstrich unter seine kriminelle Karriere ziehen möchte. Um dem Angeklagten den Neuanfang und die Fortsetzung seiner Ausbildung zu ermöglichen, lässt ihn die Richterin mit einer Verwarnung und einer weiteren Arbeitsauflage von 50 Stunden davonkommen und wünscht ihm, dass er eine Annäherung an seine Familie schafft.