Kaltenkirchen

In Kaltenkirchen wird am Sonntag gewählt

Bei der Nachwahl kämpft Kurt Barkowsky gegen zwei Herausforderinnen: SPD-Kandidatin Fidan Akar und Martina Sprotte von der Wählergemeinschaft Pro Kaki.

Kaltenkirchen. Wenn es am Sonntag für Kurt Barkowsky gut läuft, bleibt alles beim Alten. Läuft es schlecht, muss der 62-Jährige seinen Sitz in der Stadtvertretung räumen. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich der Christdemokrat in der Politik, führte die Fraktion, leitete den Hauptausschuss und gehörte damit zu den einflussreichsten Männern der Stadt. Und jetzt das: Eine Nachwahl in seinem Wahlbezirk könnte für ihn das kommunalpolitische Aus bedeuten.

Ganz Schleswig-Holstein hat am 26. Mai die Parlamente in den Dörfern und Städten gewählt - bis auf die Kaltenkirchener, die zum Wahlbezirk 4 gehören und in ihrem Wahllokal im Rathaus nur ihre Kreuzchen für die Kreistagswahl machen konnten. Gemeindewahlleiter Ralf Köhler musste im Bezirk 4 die Wahl zur Stadtvertretung auf den 16. Juni verschieben, weil der SPD-Kandidat Manfred Littau am 1. Mai starb und die Partei fristgerecht keinen Nachfolger aufstellen konnte.

In diesem Bezirk stehen deshalb immer noch die Plakate mit den lächelnden Menschen, die um die Gunst der Wähler werben. Barkowsky gehört dazu und die zwei Frauen, die dem erfahrenen Strippenzieher gefährlich werden können: die neue SPD-Kandidatin Fidan Akar und Martina Sprotte von der Wählergemeinschaft Pro Kaki, die am 26. Mai bei ihrer kommunalpolitischen Premiere aus dem Stand acht Sitze holte und mit der SPD gleich zog.

Die CDU holte alle Direktmandate, verbucht zehn Sitze und wird stärkste Fraktion. Doch am Sonntag könnte Barkowsky Opfer dieses Wahlerfolges werden, wenn er den Wahlkreis nicht direkt gewinnt. Da die Christdemokraten so viele Direktmandate erringen konnten, nützt ihm der erste Listenplatz nichts. Er braucht den Sieg beim Kampf um das Direktmandat. Machen Fidan Akar oder Martina Sprotte das Rennen, bliebe Barkowsky nur der Kreistag, um sich politisch zu engagieren.

Der Wahlabend am Sonntag könnte also spannend werden, obwohl sich an den Mehrheitsverhältnissen in der Stadtvertretung kaum etwas ändern wird. Der CDU ist der Status der stärksten Fraktion nicht mehr zu nehmen. Möglicherweise erhält die FDP nach ihrem Wahldebakel einen dritten Sitz. Klare Mehrheiten werden am Sonntag nicht entstehen, aber ein Wechsel im Bezirk 4 könnte kommen.

Deshalb wird in der Innenstadt Wahlkampf gemacht, während in den anderen Bezirken Kaltenkirchens fast alle Plakate verschwunden sind und die Bürger nicht mehr mit Hausbesuchen der Kandidaten rechnen müssen. Rund ums Rathaus lächeln die Kandidaten von der Pappe, Flyer werden verteilt.

Dabei kämpfen die Kandidaten nicht nur für den eigenen Erfolg, sondern dagegen, dass diese ungewöhnliche Wahl mit einem Minusrekord bei der Wahlbeteiligung in die Stadtgeschichte eingehen wird. Barkowsky gibt das ehrgeizige Ziel von 36 Prozent Wahlbeteiligung vor.

"Herr Barkowsky ist der Favorit für die Nachwahl", sagt SPD-Kandidatin Fidan Akar. "Nach vielen positiven Äußerungen aus dem Wahlkreis glaube ich aber, dass ich eine Chance habe." Auch wenn sie nicht gewählt werden sollte, will die gebürtige Kaltenkirchenerin versuchen, als bürgerliches Mitglied kommunalpolitisch aktiv zu bleiben. "Politik für Kaltenkirchen zu machen, hat mir einfach Spaß gebracht", sagt sie.

Auch Martina Sprotte kämpft für den Wechsel im Wahlkreis. "Das bisherige Wahlergebnis verdeutlicht den Wunsch nach Veränderung", sagt die 46-Jährige. Sie ist sicher, dass Pro Kaki mit dem Wahlprogramm und seinem Team den Nerv der Zeit getroffen hat.

Wer im Wahlkreis 4 das Rennen machen wird, steht am Sonntag voraussichtlich gegen 18.20 Uhr fest. Die Stadt verzichtet auf eine Wahlparty und wird nach der Auszählung das Ergebnis im Foyer des Rathauses aushängen.