Norderstedt

Das Publikum sang mit

Viel Applaus gab es für die 20er-Jahre-Revue "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine"

Norderstedt. "Haben Sie einen Herrn gesehen, kurze, dunkle Haare?" Suchend tastet sich eine junge Frau durchs Café im großen Saal des Kulturwerks in Norderstedt. "Blumen, Süßwaren?" Ein junges Mädchen preist aus einem Korb seine Waren an, ein Kellner geht mit einem Tablett mit gefüllten Sektkelchen durch die Stuhl- und Tischreihen, während sich die Bühne langsam mit Schauspielern füllt.

Eine Frau schwingt sich auf einen Barhocker, als Tresen dient die Rückseite des Klaviers, an Bistro-Tischen nehmen Cafébesucher Platz. Mittlerweile sitzt auch die "Sitzengelassene" an einem Tisch auf der Bühne und liest den Abschiedsbrief. Marianne Grammersdorf spielt und singt das bedauernswerte Mädel, und sie macht das mit viel Herzeleid.

Die 20er-Jahre-Revue "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine" stellte ein Ensemble der Musikschule Norderstedt um Regisseurin Simone Voicu-Pohl auf die Kulturwerk-Bühne. Am Flügel begleitete Pianist Rainer Lankau die Sängerinnen und Sänger. Das Premieren-Publikum zwischen 18 und 80 Jahren war begeistert und sang sogar mit.

"Ich habe diese Lieder und Chansons in meinem Elternhaus gehört, von den Schellackplatten aus unserem Musikschrank", freute sich Friedrich Wilhelm Thoele aus Norderstedt über die Revue.

Viel Applaus gab's beispielsweise für Wolfgang Pein, der Otto Reutters "Nehm Se 'n Alten" mit viel Wissen und Selbstironie, im Frack und mit Zylinder sang. Eine gestandene Hure gab Sylvia Battiston als Lebedame, die Theo Makebens Chanson "So oder so ist das Leben" wunderbar schnoddrig bringt. Grit Marlow-Buchholz begeistert mit "Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?" von Fritz Löhner-Beda, das sie auch szenisch gut umsetzt, Gunnar Weitz singt Willi Kollos "Nachts geht das Telefon" mit komisch-ironischer Übertreibung.

Mit roter Stola zeigt Marianne Grammersdorf Verwandlungsfähigkeit und gab Erich Kästners verruchte Animierdame, bevor sie mit Ehemann Frank Grammersdorf in "Nachtgespräch" von Kurt Tucholsky eine nette Bettszene hinlegt. Birthe Dittberner, die sich mit der Querflöte gerade einen ersten Platz beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert" holte, gab dem Gassenhauer "Benjamin, ich hab nichts anzuziehn" von Löhner-Beda viel Witz, während Isa Scholz mit Überzeugungskraft die Empörte in "Wegen Emil seine unanständ'ge Lust" von Paul Strasser spielt.

"In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine" ist noch am Sonntag, 16. Juni, 19 Uhr, im Kulturwerk, Am Kulturwerk 1, in Norderstedt zu sehen. Karten zu acht Euro gibt es im Vorverkauf, unter Telefon 040/30 98 71 23 und an der Abendkasse.