Bad Segeberg

Trinker aus dem Verkehr gezogen

Nach der dritten Alkoholfahrt ohne Führerschein nimmt das Amtsgericht Norderstedter das Auto weg

Bad Segeberg. Jose L., 59, aus Nahe ist Kellner. Er arbeitet sozusagen an der Quelle seiner Probleme, nämlich in der Nähe eines Zapfhahns. Der Alkoholiker trinkt gerne einen über den Durst. Was den Spanier zu einer Gefahr für die Allgemeinheit macht, ist seine kriminelle Neigung, sich mit erheblichen Promille-Werten Alkohol im Blut noch ans Steuer seines Wagens zu setzen. Zum dritten Mal innerhalb von nur zehn Monaten wurde der Mann betrunken im Straßenverkehr von der Polizei erwischt. Seinen Führerschein ist Jose L. schon längst los, er fährt einfach ohne. Richterin Sabine Roggendorf vom Amtsgericht in Bad Segeberg musste gegen den Mann nun mit härteren Bandagen ran. Sie verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe. Und um ganz sicher zu gehen, ließ sie noch sein Auto einziehen.

Es war im Oktober 2012, morgens um 10 Uhr in Oering. Jose L. ist mit 1,77 Promille Alkohol im Blut im Auto unterwegs zu seiner Arbeitsstelle, einer Gaststätte in Leezen, als die Polizei ihn stoppt. Es ist das dritte Mal in zehn Monaten. Das erste Mal wurde Jose L. im Dezember 2011 erwischt. Geldstrafe, Führerscheinentzug. Im Mai 2012 war es wieder soweit - die nächste Geldstrafe. Doch bereits vier Wochen danach saß Jose L. wieder stockbetrunken in seinem Wagen.

Vor Gericht wirkt Jose L. äußerst freundlich und höflich. Bei seiner letzten Alkohol-Fahrt im Oktober mit 1,77 Promille Alkohol im Blut habe er am Abend vorher Rotwein getrunken, behauptet er. Er habe Stress bei der Arbeit gehabt und außerdem sei seine Mutter gestorben. Für den Polizisten, der ihn in Oering kontrollierte, war Jose L. kein Unbekannter. Der Beamte wusste auch, dass er ohne Führerschein unterwegs ist. Trotz der Trunkenheit stellte er keine Ausfallerscheinungen bei Jose L. fest. Richterin Sabine Roggendorf vom Amtsgericht in Bad Segeberg erkannte, dass sie härtere Maßnahmen ergreifen muss. Sie sagte dem Angeklagten auf den Kopf zu, dass er schwerer Alkoholiker sei. "Bei einem so hohen Promillewert am frühen Morgen könne man sich ausrechnen, welche Mengen der Mann in der Nacht zuvor getrunken haben muss", sagt die Richterin. Andere würden mit solchen Promille-Werten "unter dem Tisch liegen". Jose L. beteuert, jetzt keinen Tropfen mehr trinken zu wollen. Doch das nimmt ihm die Richterin nicht ab.

Vielmehr verurteilt sie den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten. Sie erlegt Jose L. als Bewährungsauflage eine Geldbuße von 600 Euro auf. Außerdem muss er mindestens drei Besuche bei einer Drogenberatungsstelle nachweisen. Die Sperre für die Neuerteilung des Führerscheins setzt Richterin Roggendorf mit drei Jahren fest. Damit Jose L. erst gar nicht in Versuchung kommt, erneut betrunken und ohne Führerschein zu fahren, ordnet sie an, dass der Wagen des Angeklagten eingezogen wird.