Norderstedt

Theater im Würgegriff

Der Thriller "Todesfalle" begeisterte in der "TriBühne" nur mäßig. Er gehört in den Theaterfundus

Norderstedt . Es ist wie mit einem geliebten Kleidungsstück. Irgendwann stellt man fest, die Klamotte ist völlig aus der Mode. Ab damit in die Altkleidersammlung. Auch einige Theaterstücke sollten den Gang alles Irdischen oder in den Fundus gehen. Beispielsweise "Todesfalle" von Ira Levin.

Ende des vorigen Jahrhunderts am Broadway stark bejubelt, entlockt die Geschichte um einen von einer Schreibblockade gequälten Autor und seinem ideenreichen jungen Kollegen, um Ehefrust und eine Wahrsagerin allenfalls ein Lächeln, und das auch nur aufgrund des soliden Spiels der Schauspieler. Jedenfalls in der Inszenierung von Robert Klatt, die das Tourneetheater Thespiskarren in der "TriBühne" am Norderstedter Rathaus spielte. Für die Schauspieler gab's netten Applaus, dann strebte das Publikum nach Haus.

Unverhoffte Wendungen im Spielverlauf zünden zwar noch, aber so schnell wie die Spannung aufflammt, so schnell erlischt sie auch wieder. Auch Trommelfell gefährdende Schüsse helfen nicht. Der Schluss ist so gedrechselt wie die Versuche der Regie, das überholte Stück mit Schuss-Effekten aufzupeppen, und er soll entlarven, das der Autor einen Krimi im Krimi im Krimi geschrieben hat. Das wurde in den 80er-Jahren als toller Einfall gelobt, ist aber mittlerweile ein abgetakelter Theater-Trick.

Michael Lesch ist der Publikumsmagnet, der in der Hauptrolle als schreibmüder Autor mit dem Stück durch die Lande zieht. Ein Mann mit langer Bühnen- und Filmerfahrung ("Soko Kitzbühel", "Polizeiruf 110"), der weiß, was er dem Publikum schuldig ist, und seine Rolle als Autor Sidney Bruhl verlässlich, mit Nonchalance auf die Bretter bringt. Zielsicher setzt der 56-Jährige die Überraschungseffekte, wohltuend sparsam sind seine Gesten, klar nuanciert ist seine Sprache.

Im Gegensatz zu Marten Sand als angeblicher Jung-Autor Clifford Anderson. Der 49-Jährige spricht zu schnell, spielt dafür aber energisch und auftrumpfend, was dem Stück denn doch noch einen Drive gibt. Leider muss er auch eine Schwuchtel mimen, was durch den aktuellen Spruch "Die Eier sind angeblich bio" auch nicht wettgemacht wird.

Peinliches mutet Regisseur Klatt Schauspielerin Renée Zalusky zu, die als Wahrsagerin Gizi Barna im unerträglichen "Zigeuner-Slang" sprechen und alle Klischees der Wahrsager-Zunft bedienen muss. Nett im roten Kleid und souverän im Spiel kommt Arzu Ermen als Mya Bruhl auf die Bühne.