Henstedt-Ulzburg

Sportkindergarten steht auf der Kippe

Weil Gemeinde und SV Henstedt-Ulzburg in der Standortfrage uneins sind, könnte das "Leuchtturmprojekt" vor dem Scheitern stehen.

Henstedt-Ulzburg. Alle wollen einen Sportkindergarten in Henstedt-Ulzburg. Aber die Ansichten, wie das geschehen könnte, gehen stark auseinander. Weil sich der SV Henstedt-Ulzburg und die Gemeindepolitiker bisher nicht einigen konnten, droht das Aus des Projektes, das nach Ansicht des Landessportverbandes wegen seiner Einmaligkeit ein "Leuchtturmprojekt" für Schleswig-Holstein sein könnte.

Das sind die Fakten: Der SV Henstedt-Ulzburg will einen Sportkindergarten gründen und versucht, das Projekt schon seit einigen Jahren voranzutreiben. Erstmals wurde vor rund neun Jahren innerhalb der Vereinsgremien darüber gesprochen. Mit mindestens einer Stunde Sport täglich wollen die Verantwortlichen dem Bewegungsdrang von Kindern gerecht werden und ein Angebot für Eltern machen, die ihrem Nachwuchs schon im Kindergarten ein ganzheitliches Erziehungsangebot zukommen lassen wollen.

Die Henstedt-Ulzburger Gemeindeverwaltung, vertreten durch Bürgermeister Torsten Thormählen, begeisterte sich für die später planungsreif gewordene Idee, durch den Umbau des ehemaligen Tennisheimes einen neuen Standort für einen Kindergarten in der Gemeinde zu bekommen und damit gleichzeitig die Attraktivität des Bürgerparks zu steigern.

Die Delegiertenversammlung des Vereins sprach sich für das Projekt aus, die Vereinsspitze verfolgte das Projekt weiter, ließ Pläne und Konzepte anfertigen, schaltete einen Wirtschaftsprüfer ein und besprach das Konzept mit der Verwaltung. Der Verein sollte Träger des Kindergartens werden.

Nach den Erkenntnissen der Vereinsführung würden 60 Prozent der Kosten für den Anbau entstehen, 40 Prozent für den Umbau. Vorgesehen ist eine Krippengruppe, eine altersgemischte Gruppe und eine Kindergartengruppe.

Im Dezember 2012 kam die überraschende Wende: Die politische Mehrheit im Umwelt- und Planungsausschuss sprach sich in öffentlicher Sitzung zwar für einen Sportkindergarten aus - aber nicht für den vorgeschlagenen Standort. SPD, WHU und BfB wollen einen Neubau in Modulbauweise nahe am SVHU-Sportland auf den stillgelegten Tennisplätzen direkt an der Olivastraße, obwohl die Verwaltung einen Um- und Anbau an das Tennisheim vorgeschlagen hatte. Vor allem Kostengründe sollen ausschlaggebend gewesen sein. 150.000 bis 200.000 Euro könnten, so die Politiker, eingespart werden. Außerdem könnte der Modulbau zeitnaher, also noch 2013, errichtet werden.

Die Vereinsführung ist in einer prekären Lage. Sie hat das Mandat der Delegiertenversammlung, zudem ist der Verein bis zum Jahre 2032 vertraglich abgesicherter Nutzer des gesamten Geländes. "Wir wurden aufgefordert, kurzfristig eine Delegiertenversammlung einzuberufen", sagt Vereinsvorsitzende Nadine Lange. "Wir haben die Entwicklung zwei Jahre vorangetrieben und können das alles nicht sofort umstellen." Und die zweite Vereinsvorsitzende, Christa Nordwald, ergänzt: "Wir wissen, dass alle Fraktionen hinter der Idee des Sportkindergartens stehen und haben Verständnis dafür, dass die Gemeinde schnell Krippenplätze schaffen will, aber für eine schnell errichtete Modulbauvariante wären wir nicht mehr der richtige Partner. Selbstverständlich werden wir weiterhin mit der Gemeinde bei anderen Kindergartenprojekten kooperieren."

Dabei genießt der Vereinsvorstand die Rückendeckung des Aufsichtsrates. "Ob die Modulbauweise tatsächlich kostensparender ist, das ist noch nicht endgültig geklärt", sagt Jürgen Kirmse, Vorsitzender des Aufsichtsrates. "Außerdem müssen auf der Alternativfläche erst noch die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden; von daher ist es äußerst fraglich, ob das Zeitfenster bis zum 31. Dezember 2013 tatsächlich eingehalten werden kann."

Heute Abend befasst sich der Planungsausschuss mit dem Thema

Obwohl es eine Entscheidung für den Modulbau nahe dem Sportland gibt, scheint noch nicht das letzte Worte gesprochen zu sein. Der Umwelt- und Planungsausschuss tagt heute Abend im Ratssaal (18.30 Uhr) und berät unter anderem über einen Antrag der CDU-Fraktion, die nach wie vor den Um- und Anbau des Tennisheimes favorisiert. Die CDU geht davon aus, dass ein solcher Sportkindergarten durch eine "konzentrierte, zielgerichtete Zusammenarbeit" sehr wohl bereits 2013 fertig sein könnte. Zudem wird im Antrag empfohlen, die Kosten der Modulbauweise "realistisch" einzuschätzen.

Zumindest die WHU will wegen einer "sinnhaften Verwendung der Steuergelder" an der angeblich kostengünstigeren Variante festhalten. Die Wählergemeinschaft weiß aber auch, dass sich die Politiker auf einem schmalen Grad bewegen: "Der SV Henstedt-Ulzburg will keinen Sportkindergarten auf dem Alternativgelände; damit könnte das Projekt begraben sein", heißt es in einer Pressemitteilung der Wählergemeinschaft.