HaWe Kühl singt frivole Arien und Chansons jüdischer Künstler

Norderstedt. "Dein ist mein ganzes Herz", "In der Bar zum Krokodil", "Ich bin das Nachtgespenst" oder "Das find ich reizend von Lulu" sind heute noch gern gehörte Arien und Chansons. Doch wer hat die frivolen Texte geschrieben? Wer hat die mitreißenden Melodien komponiert? Die Urheber sind vergessen. Ermordet. Ihre Namen ausradiert. Hans-Werner "HaWe" Kühl gibt den jüdischen Komponisten, Textdichtern und Autoren jetzt mit seinem Programm "Ausgemerzt!" Namen und Gesicht wieder, darunter den Brüdern Wolf (die mit dem "Tüdelband"), Kurt Gerron, Fritz Löhner-Beda ("Dein ist mein ganzes Herz"), Willy Rosen und den Comedian Harmonists.

Am Montag, 28. Januar, stellt Norderstedts Chansonnier die heute weitgehend unbekannten Künstler berühmter Werke zum Holocaust-Gedenktag im Kulturwerk am See vor. Der Chansonabend findet im Alfred-Stern-Studio statt und beginnt um 20 Uhr. Alfred Stern, der mit seiner Familie in Garstedt lebte, war ebenfalls Jude und wurde ins KZ Theresienstadt deportiert. Nur die Ehe mit seiner nicht jüdischen Frau rettete ihn. Nach Jahren der Verfolgung und Folter gründete er 1947 Norderstedts erste Amateurbühne, das Norderstedter Amateur-Theater.

Für "Ausgemerzt!" hat Kühl, ehemals Redakteur des Magazins "Geo", monatelang in Archiven recherchiert. Die jüdischen Künstler wurden von ihren Freunden und Kollegen verraten. Sie wurden in KZ deportiert und ermordet. So half beispielsweise Franz Léhar, einer der größten Operetten-Komponisten, seinem jüdischen Textdichter Fritz Löhner-Beda nicht, als dieser von den NS-Schergen drangsaliert wurde. Am 17. Oktober 1941 verschleppten ihn die Nazis ins KZ Auschwitz und erschlugen ihn dort am 4. Dezember 1942, weil eine Gruppe von IG-Farben-Direktoren seine Arbeitsleistung moniert hatte.

Diesem Grauen stehen die frechen, oft frivolen Texte und Lieder gegenüber. Kühl erzählt die Schicksale der jüdischen Künstler und singt Chansons wie "Das find' ich reizend von Lulu" von Willy Rosen, ermordet am 28. Oktober 1944 im KZ Auschwitz, "Heut' war ich bei der Frieda" von Siegfried Arno, "Dat Paddelboot" von den Brüdern Wolf, "Irgendwo auf der Welt" von den Comedian Harmonists und Chansons von Friedrich Hollaender. Von "Ausgemerzt!" hat HaWe Kühl jetzt auch eine CD vorgelegt.

Karten zu neun Euro gibt es an der Abendkasse im Kulturwerk am See, Am Kulturwerk 1, in Norderstedt.

Termine zum Holocaust-Gedenktag: Sonntag, 27. Januar, 15 Uhr: KZ-Gedenkstätte Wittmoor, Fuchsmoorweg in Norderstedt, Gedenkzeit mit Kranzniederlegung des Kulturvereins Chaverim mit der Stadt Norderstedt. 18 Uhr: Shoah-Gedenken mit Gespräch über das KZ Auschwitz in der Kapelle der katholischen Kirche St. Hedwig am Falkenkamp 2 in Norderstedt. Montag, 28. Januar, 20 Uhr: Kulturwerk am See, Am Kulturwerk 1, Alfred-Stern-Studio, "Ausgemerzt!", Chansonabend mit Hans-Werner HaWe Kühl. Eintritt neun Euro.