Entscheidung: Nur die SPD stimmt gegen den Ausbau der Potenberg-Ruine

Bühne frei für die Kultur am See

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Heike Linde-Lembke

Knapp sieben Millionen Euro investiert die Stadt Norderstedt in den neuen Kulturtreffpunkt an der Stormarnstraße 55.

Norderstedt. Die Industrie-Ruine "Potenbergwerk" kann zum "Kultuwerk am See" ausgebaut werden. Das beschloss der Kulturwerk-Ausschuss in seiner Sitzung am Montagabend. Jetzt muss die Stadtvertretung Norderstedt zustimmen. "Ich gehe davon aus, dass wir auch diese Hürde nehmen", sagt Hans-Joachim Grote.

Norderstedts Oberbürgermeister hatte vor einem Jahr die Idee, das ehemalige Kalksandsteinwerk an der Stormarnstraße 55 in Norderstedts Ortsteil Harksheide zu einem Ensemble mit Bühnen, Probebühnen, Tonstudio, Galerie, Ateliers und Werkstätten auszubauen. Der CDU-Mann schob die Realisierung energisch an. Nicht zur Freude aller Parteien.

Die drei SPD-Ausschuss-Mitglieder Bodo von Appen, Emil Stender und Wolfgang Schmidt lehnten den Ausbau der Industrie-Brache zum "Kulturwerk am See" ab, der parteilose Jens Kahlsdorf enthielt sich der Stimme. GALiN (Grüne Alternative Liste in Norderstedt) und FDP stimmten mit der CDU für den Ausbau.

"Sieben Millionen Euro für den Ausbau zum ,Kulturwerk am See' sind nicht verantwortbar", sagte Schmidt und ergänzte: "Es stehen eine Reihe von Ausgaben in der Stadt an, beispielsweise Sanierungen von Kindertagesstätten, Schulen und Sporthallen und soziale Belange." Zudem befürchtet die SPD für 2010 Einbrüche der Gewerbesteuer. Bei vier Millionen Euro Baukosten könne die SPD mitgehen. "Wir befürchten, dass aus dem Projekt nur eine Musikschule und ein Vereinsheim für die Kulturträger wird", polterte Schmidt.

Damit degradierte der SPD-Mann die 32 Kulturträger der Stadt, von denen viele ehrenamtlich höchst aktiv sind und vielfach ausgezeichnete Veranstaltungen durchführen, zu Häkelbüdel-Klubs. ",Vereinsheim' ist ein schlimmer Begriff für die Kulturträger, schließlich sind sie das Rückgrat der Kultur Norderstedts", konterte Grote.

Norderstedts Oberbürgermeister stellt klar: "Wir tätigen in diesem Haushaltsjahr keine Kreditaufnahme, haben keine zusätzlichen Kosten, sondern eine gute Wirschaftslage und eine Entschuldung von 2,7 Millionen Euro." Zudem sei das Projekt durchfinanziert.

Die FDP brachte den Antrag ein, die veranschlagte Bausumme von 6 950 000 Euro zu deckeln. "Das ist auch im Sinne der Verwaltung", sagte Grote. Die Energiekosten sind in dieser Bausumme nicht enthalten. "Das Energiekonzept steht weder vom Umfang noch von den Kosten her fest", so Grote und verwies auf spezielle Fördermittel für nachhaltige Energiekonzepte.

Einen ganzen Katalog an Änderungsanträgen brachte die GALiN ein. Norderstedts Grüne beantragten beispielsweise, dass die Stadtpark Norderstedt GmbH nicht nur, wie in der Planung vorgesehen, das "Kulturwerk am See" ausbauen, sondern auch als Betreiber übernehmen solle. Das Kulturwerk Norderstedt (ehemals städtisches Forum für Kultur und Städtepartnerschaften) wäre dann nicht Betreiber, sondern nur Dauermieter. "Wenn das Kulturwerk das ,Kulturwerk am See' betreibt, befürchte ich, dass alter Wein nur in neuen Schläuchen fließt", sagte Maren Plaschnick von der GALiN.

"Dadurch würde die ganze Umwandlung des Kultur-Forums in ein Eigenwerk wieder rückgängig gemacht werden", wandte Heideltraud Peihs (CDU) ein. "Ich bin tief enttäuscht über diese Entziehung des Vertrauens", wehrte sich Gabriele Richter, die das Kulturwerk Norderstedt mit Musikschulleiter Rüdiger George und "TriBühne"-Geschäftsführer Rajas Thiele leitet. "Wir wollen mit allen Norderstedter Kulturschaffenden, auch mit freien Bands, eng zusammen arbeiten", stellte Richter klar.

Dazu zähle auch der Musikveranstalter "normu.net", der im Gegensatz zu den Kulturträgern schon frühzeitig gebeten worden war, seine Bedarfe für das Kulturwerk mitzuteilen, sich aber harsch aus dem Projekt verabschiedete, als er seine Ideen eines freien Jugendband-Treffs nicht verwirklicht sah (wir berichteten).

  • INFO

Die endgültige Entscheidung über das Projekt trifft die Stadtvertretung am Dienstag, 8. April, 19 Uhr, im Plenarsaal des Norderstedter Rathauses, Rathausallee 50. Die Sitzung ist öffentlich.

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