Die Suche nach den Tätern geht weiter

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Wolfgang Klietz

Kreis Segeberg: Spektakuläre Tötungsdelikte, die bisher nicht aufgeklärt wurden. Mit Hilfe moderner DNA-Analysen gelingt es der Kripo, Fälle aus den vergangenen Jahrzehnten zu lösen. Doch manche Taten bleiben rätselhaft.

Kreis Segeberg. Als die Handschellen kurz vor Weihnachten klickten, war Hans-Jürgen G. (41) völlig überrascht. 20 Jahre nach dem Mord an der Hamburgerin Antonie Scharringhausen nahmen Fahnder des Landeskriminalamtes den Henstedt-Ulzburger, wie berichtet, in seiner Wohnung fest. Er ist dringend verdächtig, die Frau getötet zu haben. Eine DNA-Analyse hatte die Fahnder auf die Spur des Tierpflegers geführt: Nach einem schweren Körperverletzung im vergangenen Jahr hatte die Kripo Gen-Material von G. gesichert und mit Spuren verglichen, die am Tatort in der Wohnung der Hamburger Küchenhilfe gefunden wurden.

95 Prozent aller Tötungsdelikte in Deutschland werden aufgeklärt, viele mit Hilfe moderner DNA-Vergleiche. Doch manche Fälle bleiben auch nach Jahrzehnten ungelöst, obwohl die Kriminalpolizei die Akten niemals schließt. Mord verjährt nie.

Auch im Kreis Segeberg sind einige spektakuläre Tötungsdelikte bislang nicht aufgeklärt - trotz jahrelanger Ermittlungen der Kieler Mordkommission.

Der Fall Heike Greve: Am Abend des 19. September 1979 starb die 17 Jahre alte Norderstedterin in den Armen des Hausmeisters des Festsaals am Falkenberg. Die blonde Schülerin hatte sich gegen 20.30 Uhr nach dem Besuch eines Gitarrenkurses im Gymnasium Harksheide von ihrer Freundin verabschiedet und traf danach ihren Mörder, der sie auf einer Baustelle vergewaltigte und mit zwei Messerstichen tötete. Mit letzter Kraft hatte sich das Mädchen nach der Tat zu den Stufen des Festsaals geschleppt.

Der Fall Horst Gnegel: Mit mehreren Schüssen aus einer großkalibrigen Waffe tötete ein Unbekannter am 24. Februar 1995 den 29 Jahre alten Taxifahrer. Gnegel lag blutüberströmt in seinem Fahrzeug an einem einsam gelegenen AKN-Bahnübergang in Höhe Kisdorf-Feld. Ob ein Fahrgast ihn umbrachte, ist bis heute unklar. Geld und Portemonnaie des Aushilfsfahrers fand die Spurensicherung im Taxi des Toten.

Der Fall Hans-Werner Studt: Die Leiche des Bauern aus Sülfeld wurde nie gefunden. Am Morgen des 18. Oktober 1996 war der 50jährige mit seinem Trecker losgefahren, um Roggen zu säen. Als er am Abend immer noch nicht zurückgekehrt war, fuhr seine Frau aufs Feld und entdeckte eine riesige Blutlache, die von ihrem Mann stammte, wie Analysen der Kripo später ergaben. Wo Studts Leiche liegt und wer ihn getötet hat, ist bis heute rätselhaft.

Der Fall ohne Namen: Eine entsetzliche Entdeckung machten Mitarbeiter am 26. Februar 1997 in einem Recycling-Betrieb in Nützen. In einer Müllfuhre entdeckten sie die Leiche eines neugeborenen Mädchens. Das Kind, das lebend zur Welt kam, wurde erschlagen und in einen Altpapiercontainer an der Schulstraße in Lentföhrden gelegt. Bei dem Säugling lag ein Kopfkissenbezug mit auffälligem Pferdemuster - bislang die einzige Spur der Ermittler.

Der Fall Harry Höft: Zwei Wochen nach einer brutalen Attacke vor einem U-Bahn-Kiosk an der Berliner Allee in Norderstedt starb am 2. Dezember 1999 der 60 Jahre alte Quickborner in einem Krankenhaus. Ohne ersichtlichen Grund hatte ein unbekannter Jugendlicher ihn am 19. November gegen 20.45 Uhr den Ellenbogen ins Gesicht gestoßen. Der 60jährige stürzte und schlug mit dem Hinterkopf auf dem Boden auf. Der Täter fuhr mit anderen Jugendlichen mit der U-Bahn in Richtung Hamburg davon.

Der Fall Gerd Peters: Schwerverletzt überlebte der 77 Jahre alte Gerd Peters am 16. Dezember 2004 einen Kopfschuß, den ein Unbekannter an der Haustür des Rentners abfeuerte. Der Täter hatte zuvor geklingelt, wollte in das Haus des Wittenborners eindringen und schoß, als Peters ihn daran hindern wollte. Die Hintergründe der Tat sind rätselhaft. Der Witwer Peters leidet noch heute unter den Verletzungen.

  • In der kommenden Woche berichten wir über eine unaufgeklärte Serie von Frauenmorden Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre in Norderstedt.

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