Norderstedt

Wohin mit den Kindern?

Foto: Andreas Burgmayer

Die Stadt Norderstedt fragt die Eltern von 3600 Kindern, welche Betreuung sie sich für den Nachwuchs wünschen

Norderstedt. Hort oder offene Ganztagsschule oder beide Systeme nebeneinander? Wie viele Eltern wollen und müssen überhaupt ihre Kinder außerhalb der Grundschulzeit betreuen lassen? Ist der Bedarf in allen Norderstedter Stadtteilen gleich, oder variiert er je nach Wohnort? Antworten auf diese Fragen erhofft sich die Stadt von einer Umfrage.

3600 Fragebogen wird die Verwaltung in der nächsten Woche an die Eltern der Kinder verschicken, die zwischen 2002 und 2007 geboren sind. Einbezogen sind gleichermaßen Kita- wie Grundschulkinder. Damit will die Verwaltung möglichst verlässliche Daten haben, um eine wichtige Zukunftsaufgabe angehen zu können: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einerseits und die optimale Förderung der Kinder auf der anderen Seite.

"Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es eine große Nachfrage vor allem für die Zeit nach dem Unterricht gibt", sagt die zuständige Amtsleiterin Sabine Gattermann. Zwar komme die Verwaltung mit der Umfrage mitten in die Herbstferien, die Amtsleiterin hofft aber, dass möglichst viele Bögen ausgefüllt zurückkommen. Da die Politiker bis Ende des Jahres ein Konzept für die künftige Betreuung der Grundschüler vor und nach dem Unterricht auf dem Tisch haben wollten, sei die Zeit knapp. Jeder ausgefüllte Bogen erhöhe die Genauigkeit der Ergebnisse und damit die Planungssicherheit. Darauf verweist Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote: "Deshalb bitte ich alle Eltern, die den Brief erhalten, mitzumachen. Eine möglichst breite Beteiligung ist für uns de beste Grundlage, um das künftige Angebot in der Schulkindbetreuung so zu gestalten, dass es dem Bedarf möglichst vieler Eltern entspricht", sagt der Verwaltungschef.

Er geht davon aus, dass mindestens 35 Prozent der Fragebogen ausgefüllt zurückkommen. Abgefragt werden unter anderem die derzeitige Betreuungssitutation und der individuelle Bedarf. Die Stadt möchte aber auch wissen, wie viel Geld Väter und Mütter jetzt dafür zahlen und zahlen könnten, damit ihre Kinder optimal betreut werden, Hausaufgaben erledigen, spielen und essen können.

"Natürlich müssen wir auch darüber sprechen, wie wir ein bedarfsgerechtes Angebot finanzieren", sagt Sabine Gattermann, die auf die Vielfalt des gegenwärtigen Betreuungssystems und die intensive politische Diskussion darüber hinweist. Gleich zwei Ausschüsse sind mit dem Thema befasst: Der Jugendhilfeausschuss ist zuständig für Kita-Belange wie die Hort- und Modulbetreuung. Der Ausschuss für Schule und Sport wiederum beschäftigt sich mit der offenen Ganztagsgrundschule.

Beschlossen ist, dass die Grundschulen Niendorfer Straße und Friedrichsgabe ab dem Schuljahr 2011/2012 den Eltern verlässliche Betreuungszeiten zwischen 12 und 16 Uhr bieten sollen. Dafür müssen die Schulen ausgebaut und mit einer Mensa ausgestattet werden, damit die Schüler ein warmes Mittagessen zu sich nehmen können. Das Konzept der Verwaltung sieht unterschiedlich lange Betreuungsbausteine, die sogenannten Module, vor. Nach dem Essen erledigen die Kinder die Hausaufgaben, wenn nötig, mit Hilfe. Anschließend können sie unter unterschiedlichen Freizeitangeboten wählen, sich sportlich oder kreativ betätigen, basteln oder spielen. Demgegenüber steht die Hortbetreuung, die eine Betreuung in festen Gruppen vorsieht. Die Gruppengröße ist begrenzt, die Erzieherinnen sind bekannt, die Kinder können leichter Vertrauen aufbauen als in wechselnden Gruppen. Dritte Säule sind die Tagesmütter, die vor allem von den Eltern favorisiert werden, die flexible und individuelle Betreuung in kleinen Gruppen favorisieren.

Die Vorsitzende der Segeberger Kreiselternvertretung, Kathrin Schmieder, hatte sich in einem Gespräch mit der Norderstedter Zeitung dafür ausgesprochen, dass die Stadt die Systeme zusammenführen solle. Mit einer solchen Kombi-Lösung, bei der allerdings erhebliche bürokratische Hürden übersprungen werden müssten, könne die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die pädagogischen Mängel der offenen Ganztagsgrundschule kompensieren und, gemessen an einer umfangreichen Aufstockung an herkömmlichen Hortplätzen, Geld sparen. Denn Hortplätze sind teuer, da sie an bestimmte räumliche und personelle Auflagen gebunden sind.

Eltern, die mehrere Kinder im Umfrage-Alter haben, bekommen auch mehrere Briefe. "Das war aus Gründen des Datenschutzes nicht anders möglich", sagt Sabine Gattermann. Im Brief enthalten ist auch ein adressiertes Antwortkuvert, das Porto übernimmt die Stadt. Die ausgefüllten Fragebogen sollten bis zum 22. Oktober zurückgeschickt werden. Sie können auch in den Kindertagesstätten oder in den Sekretariaten der Grundschulen abgegeben werden. Die Auswertung übernimmt das Unternehmen Steria Mummert Consulting, das schon das Gutachten zum Thema Kita-Gutscheine erarbeitet hatte.