Norderstedt

Sophiko Simsive erobert die Norderstedter Musikfreunde

Viel Applaus für das Klavierspiel der 18-Jährigen in der "TriBühne"

Norderstedt. Sie ist 18 Jahre alt, wirkt schüchtern, lächelt ungläubig, als Applaus und Bravo-Rufe ihr Klavierspiel feiern. Sophiko Simsive aus Georgien eröffnete in der "TriBühne" die neue Saison der "Cognito"-Konzertreihe. Ganz allein. Ohne Noten. Ohne Moderator Rüdiger Herrmann, der sonst über Komponist und Werk spricht. Nur Shiro Fujita stand der jungen Pianistin zur Seite. Der "Cognito"-Initiator begrüßte das Publikum und unterstützte Sophiko Simsive mit aufmunternden Blicken.

"Junge Musiker brauchen Publikum und Applaus, das ist sehr kostbar für sie", sagte der pensionierte Direktor der Yamaha-Music-Foundation, die junge Musikerinnen und Musiker mit Stipendien fördert.

Mit einem knackig gespielten ersten Satz des "Carnaval"-Zyklus' von Robert Schumann startete die Pianistin und malte alle 20 Sätze lebendig, tänzerisch und immer dicht am Thema aus. Eine Herausforderung für eine 18-Jährige, die sich gerade aufmacht, die große Welt der klassischen Musik zu erobern. Programmänderung: Nicht Ludwig van Beethovens 17. Sonate, sondern die zweite in A-Dur spielte Sophiko Simsive. Expressiv, schnell und akzentuiert erklang das Allegro vivace. Im Largo appassionato ließ sie sich vorsichtig auf Beethovens Klangstrukturen ein, das Scherzo kam mal tänzerisch, mal verträumt und im Allegretto fast keck, das Rondo erklang mit elegantem Schwung. Kontrastprogramm: Eine starke Neigung zum Jazz ließ die Pianistin mit György Ligetis Etüde Nr. 4 "Fanfare" hören, in der sie die Jazz-Elemente stark betonte.

Und die Überraschung: Die 18-Jährige wagte sich an Franz Liszt, an die "Rhapsodie Espagnole", und auch das wieder ohne Noten. Mehr noch: Das zurückhaltend wirkende Mädchen wurde mit den ersten Liszt-Klängen, die es anschlug, zur selbstbewussten Frau. Endlich war sie angekommen. Sie spielte die Rhapsodie mit Leidenschaft, Übermut, Feinsinnigkeit und mit einem furios gespielten Allegro als Schlusssatz. Für diesen Liszt wurde Sophiko Simsive in der "TriBühne" gefeiert. Endlich entspannt, bedankte sie sich mit einer Melodie ihrer Heimat Georgien und "Undine" von Claude Debussy.