Norderstedt

Dieser Radwanderweg ist nichts für Radfahrer!

Foto: Hans Eckart Jaeger / Hans-Eckart Jaeger

Bei der Sanierung des Korl-Barmstedt-Weges wurde das falsche Material verwendet

Wakendorf II. Frühmorgens haben Sibylle und Holger Schura ihre Fahrräder aus dem Schuppen geholt und sich auf den Weg gemacht. Heute will das Ehepaar aus Hamburg-Klein Borstel bei schönstem Sommerwetter eine bei Naturfreunden besonders beliebte Wegstrecke bewältigen.

Ihr Fahrtziel heißt, falls die Nachmittagshitze sie nicht vorher stoppt, Bad Oldesloe. Vom Ausgangspunkt in Henstedt-Ulzburg wollen Sibylle und Holger Schura die 23,5 Kilometer lange Strecke auf der ehemaligen, 1973 für den Personenverkehr stillgelegten Bahntrasse der Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn-AG (EBOE) zurücklegen.

Der Radwanderweg, offiziell Korl-Barmstedt-Weg, ist ein beliebter Ausflugstipp für Wanderer und Fahrrad-Touristen. Doch seit einigen Wochen häufen sich Beschwerden von Anwohnern und Tagesausflüglern. Sie kritisieren den miserablen Zustand des Weges, der gerade erst zwischen Henstedt-Ulzburg und Wakendorf II erneuert wurde.

An manchen Stellen zwingt tiefer Sand zum Absteigen

Auch Sibylle und Holger Schura machen heute schlechte Erfahrungen. "Ich bin ganz gehörig ins Schlingern geraten", sagt die Hausfrau aus Klein Borstel. An manchen Stellen zwingt tiefer Sand zum Absteigen, dazu stören größere Steine die Wanderer und Radler sehr. Auch Holger Schura muss mehrmals gehörig aufpassen, dass er die Balance hält und nicht vom Rad fällt.

Hans-Hermann Schütt (60), seit 2003 ehrenamtlicher Bürgermeister der für diesen Streckenabschnitt zuständigen Gemeinde Wakendorf II, ärgert sich sehr: "Aufgrund der extremen Trockenheit wurden die Arbeiten zur Erneuerung der Decke auf dem Wanderweg nicht zu unserer Zufriedenheit durchgeführt, die beauftragte Firma muss noch Nacharbeiten durchführen", hatte der pensionierte Versicherungsangestellte vor seiner Abreise zu einem einwöchigen Urlaub in Bayern in seinem regelmäßig erscheinenden Bürgermeisterbrief an alle Haushalte angekündigt.

Das Amt Kisdorf, zu dem Wakendorf II seit 1969 verwaltungstechnisch gehört, hatte die Renovierungsarbeiten ausgeschrieben, den Zuschlag erhielt die Firma "F + H Tiefbau" in Fleckeby.

Firma bekommt nicht genügend Wasser zur Bodenverdichtung

Die Auftragssumme beläuft sich auf etwa 10 000 Euro, auf Antrag sagte der Verein für Naherholung einen Zuschuss zu. "Solange der Radwanderweg aber nicht in einem hervorragenden Zustand ist, gebe ich ihn nicht frei", versichert Hans-Hermann Schütt. Die letzte Sanierung der Strecke sei vor fünf oder sechs Jahren erfolgt.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem Kurzurlaub begann Wakendorfs Bürgermeister mit seinen Recherchen. Gleich am ersten Tag stellte er mit Genugtuung fest, dass zwei Mitarbeiter der Firma aus Fleckeby mit einem Schaufellader und einer Rüttelplatte zur Verdichtung des Bodens angerückt waren und mit den Nacharbeiten begonnen hatten.

"Eine Woche brauchen wir aber bestimmt noch", sagt Holger Wiese, Mitarbeiter der Tiefbaufirma. Für Bürgermeister Schütt hat er heute erst einmal eine schlechte Nachricht: "Wir brauchen dringend Wasser zur Bodenverdichtung, aber die Wasserwagen hier in der Gegend sind alle im Einsatz." Zusammen mit seinem Kollegen Sönke Matthiesen macht er sich erst einmal beim nächsten Bauern auf die Suche nach einem Gülle- oder Wasserwagen.

Hans-Hermann Schütt, bei seinen Nachforschungen vom Wakendorfer Wegeausschussvorsitzenden Rolf Czerwinsky unterstützt, macht mit seinem Fahrrad auf dem besonders betroffenen Teilstück des Wanderweges die Probe aufs Exempel und schüttelt den Kopf: "Hier ist offensichtlich das falsche Material genommen worden."

Holger Wiese von "F + H Tiefbau" kann sich das nicht erklären, aber er hat von seinem Chef den Auftrag erhalten, das Problem aus der Welt zu schaffen. Zunächst hatte er zwei Schilder aufgestellt: "Radfahrer bitte absteigen". Aber die sind in der ersten Nacht gestohlen worden", klagt Wiese.

Entlang des Radwanderwegs wurden 150 verschiedene Obstsorten gepflanzt

Wakendorfs Bürgermeister will noch einmal mit dem zuständigen Sachbearbeiter beim Amt Kisdorf telefonieren. Er hat eine Idee: "Vielleicht sollten wir als Verdichter den Granitsplit Glensanda nehmen, auch wenn die ganze Sache dann noch teurer wird."

Radtouristen wie Sibylle und Holger und viele Spaziergänger hoffen sehr, dass der Radwanderweg, an dem vor 14 Jahren mehr als 150 verschiedene Obstbäume gepflanzt worden waren, so schnell wie möglich auch wieder vom Rad aus als längster Obstgehölz-Lehrpfad Europas bewundert werden kann.