Norderstedt
Kreispolitik: Im Segeberger Parlament wird es immer bunter

Allianz der "CDU-Geschädigten"

Joachim Dose und Renee Böttcher bilden die "Fraktion unabhängiger Kreistagsabgeordneter".

Bad Segeberg. Der Segeberger Kreistag bekommt neben CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken eine weitere Fraktion. Diese heißt "Fraktion unabhängiger Kreistagsabgeordneter", erklärt Fraktionsmitglied Joachim Dose. Das frühere CDU-Mitglied hatte es als unabhängiger Kandidat aus Ellerau überraschend geschafft, in den Kreistag gewählt zu werden. Nachdem der 62-Jährige sich in seiner Heimatgemeinde Ellerau gegen die Ämterfusion gewehrt hatte und schließlich nicht mehr in der CDU, sondern in der Wählergemeinschaft "Aktives Ellerau" mitwirkte, gab es Krach und ein Parteiausschlussverfahren.

Doch der Mann mit der mächtigen Gestalt war dem Rausschmiss zuvorgekommen und hatte nach 24 Mitgliedsjahren die CDU verlassen. Trotzdem schaffte der 62-jährige "Hansdampf in allen Gassen" den Sprung in den Kreistag und schloss sich als Unabhängiger kürzlich der FDP-Fraktion an.

Doch jetzt holen ihn wieder kommunalpolitische Querelen in Ellerau ein. "Die FDP geht dort gegen meine Wählergemeinschaft ungebührlich vor." Das Verhalten der FDP in Ellerau sei "saumäßig", da könne er nicht mit den Freidemokraten im Kreistag zusammenarbeiten, "als wenn nichts wäre", bekannte er. Im Einvernehmen mit der FDP-Fraktion im Kreistag habe er diese verlassen und bilde jetzt mit Renee Böttcher aus Lentföhrden, der aus der CDU-Fraktion im Unfrieden geschieden war, eine neue eigene Fraktion.

Dose: "Man könnte uns auch die CDU-Geschädigten nennen." Da hätten sie aber rechtlichen Ärger mit der CDU bekommen. Am 15. Oktober habe man sich als Fraktion bei Kreispräsident Winfried Zylka angemeldet. Dose will die Eltern von den Schulbuskosten befreien, verriet er ein politisches Ziel. "Wir gehören nicht zu den Revoluzzern", versprach er. Wo die neue Zwei-Mann-Gruppe der unabhängigen Abgeordneten im Sitzungssaal Platz nehmen darf, sei noch nicht heraus. Sicher sei nur, "dass es noch ein bisschen bunter im Kreistag wird".

Gegen seinen Mitstreiter in der Mini-Fraktion, Renee Böttcher, läuft derzeit ein Parteiausschlussverfahren, obwohl er im heimischen Lentföhrden einhellig zum CDU-Ortsvorsitzenden wiedergewählt worden sei. Böttcher, der von der CDU über Anwälte Post bekommt, will nicht austreten. Er selbst verstehe die CDU als Wertegemeinschaft. Er lehne Parteiklüngel ab und vertrete eine klare politische Meinung. In der CDU-Kreistagsfraktion sei es, so Böttcher, nur darum gegangen, wer welchen Posten bekomme, weil es dafür Geld gebe. Er selbst sei strikt gegen die Erhöhung der Aufwandsentschädigung gewesen, habe sich auch deshalb mit dem CDU-Fraktionsvorstand überworfen. Vieles in der Fraktion werde vom CDU-Kreisvorsitzenden Gero Storjohann gesteuert. Diesem sei nur wichtig, dass er wieder in den Bundestag komme. Böttcher: "Für mich ist Storjohann ein Strippenzieher."

Das "Aalglatte" sei nie Böttchers Ding gewesen, "ich möchte Politik machen". Er selbst sei Vorstand in einem Unternehmen, habe es aus finanziellen Gründen nicht nötig Politik zu machen. CDU-Fraktion und Kreispartei hätten "ein Führungsproblem".