Henstedt-Ulzburg: Bei der Klausurtagung kam es zum Eklat

Politisches Erdbeben in der CDU

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Frank Knittermeier

Die Partei ist tief gespalten: Der Landtagsabgeordnete Wengler wurde bei der Kandidatennominierung kaltgestellt, Gemeindevertreter Schlömann verlässt die Union.

Henstedt-Ulzburg. Die Henstedt-Ulzburger CDU geht schweren Zeiten entgegen: Gemeindevertreter Jörg Schlömann ist aus der Partei ausgetreten und will als fraktionsloses Ratsmitglied weiter arbeiten, ein anderer CDU-Vertreter, Frank Rauen, steht kurz davor, sein Mandat zurückzugeben. Das sind die Folgen der CDU-Klausurtagung vom vergangenen Wochenende. Dort wurde unter anderem festgelegt, wer bei den Kommunalwahlen 2008 für den Gemeinderat kandidieren soll. Der frühere Fraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Wilfried Wengler wurde nicht mehr berücksichtigt.

Schon seit Monaten zeichnet sich ab, dass es in der Henstedt-Ulzburger CDU-Fraktion nicht mehr "rund läuft". Zwei Lager erschweren sich das politische Leben gegenseitig: Auf der einen Seite die eher konservativen Gemeindevertreter um Bürgervorsteher Joachim Süme, für die wichtig ist, mit Bürgermeister Volker Dornquast an einem Strang zu ziehen. Andererseits die "Abtrünnigen" um den Fraktionsvorsitzenden Folker Brocks und seinem Vorgänger Wilfried Wengler, die vermeiden wollen, dass die CDU von der Bevölkerung als "Bürgermeisterabnickpartei" angesehen wird. Diese Konstellation führte in den vergangenen Monaten zu Brüskierungen im Gemeinderat. Bürgermeister Dornquast hielt sich zurück: Er besuchte in diesem Jahr noch keine CDU-Fraktionssitzung. Aber ansonsten flogen die Fetzen.

Zum Eklat kam es nach der CDU-Klausurtagung. Vom derzeitigen Fraktionsvorstand wurde Jörg Schlömann nicht mehr als Direktkandidat berücksichtigt. Er landete auf Listenplatz 40. Schlömann habe ihm vor einem halben Jahr signalisiert, er lege nicht unbedingt Wert auf eine erneute Kandidatur, stellt CDU-Chef Wolfgang Horstmann fest. So habe er es nicht gesagt, meint Schlömann, der als Konsequenz aus dem Vorgehen des Parteivorsitzenden seinen Austritt aus der CDU bekannt gab.

Wilfried Wengler hatte den Bürgermeister seit etwa zwei Jahren häufiger brüskiert und kritisiert. Die Konsequenz: Er wird nicht wieder als Kandidat nominiert, darf aber für den Kreistag kandidieren. "Ich habe einigen Herren wohl zu sehr auf die Zehen getreten", meint Wengler. "Nämlich dem Bürgermeister und dem Bürgervorsteher. Die Allianz im Ortsvorstand hat sich durchgesetzt."

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender Frank Rauen wurde vom Ortsvorstand zwar für den Listenplatz fünf und als Direktkandidat nominiert, aber die Entwicklung und das "Kippen" von Wengler und Schlömann kritisiert er. Rauen, der ebenfalls zum Lager der "Abtrünnigen" gehört, überlegt sich Konsequenzen: "Ich stehe kurz davor, mein Mandat zurückzugeben." Für ihn gäbe es einen Nachrücker, für Jörg Schlömann, der ja im Gemeinderat bleibt, hingegen nicht. Damit verliert die CDU zwar nicht ihre absolute Mehrheit, die Ausschussbesetzungen müssen aber unter den Fraktionen neu geregelt werden. Einen Ausschussvorsitz muss die CDU abgeben.

Fraktionsvorsitzender Folker Brocks genießt weiter das Vertrauen des Ortsvorstandes - er wurde nach Bürgervorsteher Süme auf Listenplatz zwei gesetzt. Trotzdem will er nicht von seinem Kurs abweichen: "Wir werden künftig versuchen, einen Konsens mit dem Bürgermeister zu finden, abnicken wird es bei uns nicht geben."

Viele CDU-Gemeindevertreter tauchen auf der Vorschlagsliste des Ortsvorstandes auf. Neben Jörg Schlömann fehlen aus der jetzigen Fraktion auf eigenen Wunsch nur Detlef Reinke und Mariano Cordova. Am Donnerstag, 4. Oktober, entscheiden die CDU-Mitglieder über die Kandidaten.

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