Norderstedt
Norderstedt: Der ehemalige Fußballlehrer wird heute 85 Jahre alt

Alles Gute zum Geburtstag, "Ritter Kuno"!

Mit dem HSV hat Klötzer als Trainer den Europapokal der Pokalsieger gewonnen. In Norderstedt genießt er mit Frau Anneliese seinen Ruhestand.

Norderstedt. Das Reihenhaus in Norderstedt mit dem Opel vor der Tür, der kleine gepflegte Garten: Die Welt eines Mannes, dem einst die Fußballstars aufs Wort gehorchten. Das ist längst Vergangenheit, aber Kuno Klötzer denkt noch gern daran zurück. Und sehr viele Fußballfans haben ihn nicht vergessen. Der Fußballlehrer im Ruhestand feiert heute seinen 85. Geburtstag. Zusammen mit Ehefrau Anneliese (86) ist er gestern nach Usedom gefahren, um dem Trubel zu entgehen.

Heute wird im Fußball das schnelle Geld gemacht. Millionen-Transfers und hohe Trainergehälter sind an der Tagesordnung. Als Kuno Klötzer aktiv war, ging es noch gemächlicher zu: Den Weg zum HSV-Training legte er bisweilen mit dem Fahrrad zurück. Schließlich wohnt er ganz in der Nähe der Norderstedter HSV-Plätze. Als die Spieler ihm dann allerdings einen Streich spielten und die Luft aus den Reifen ließen, verzichtete er aufs Radeln und kam fortan mit dem Auto.

Beim HSV hat Kuno Klötzer Maßstäbe gesetzt. Der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger im Jahr 1977 hat ihn unsterblich gemacht, darüber wird zumeist vergessen, dass er derjenige war, der auch den Grundstein für die späteren Erfolge unter Trainer Ernst Happel gelegt hat: Vom Beginn seiner Trainertätigkeit im Jahr 1973 baute er eine junge Mannschaft um Manfred Kaltz, Caspar Memering, Peter Hidien und Rudi Kargus auf. Er förderte die Talente und ließ sie reifen. Heute freut er sich, wenn er den einen oder anderen Spieler trifft.

Das passiert zum Beispiel dann, wenn der HSV ein Heimspiel hat. Kuno Klötzer versäumt kein Spiel. Mit Tochter Ute (52) aus Henstedt-Ulzburg an seiner Seite sieht er sich an, was sein ehemaliger Verein zu bieten hat. Ehrenkarte, eigener Parkplatz und Zugang zum VIP-Raum - das sind die Zugeständnisse an einen Mann, der vor 30 Jahren für einen enormen Aufschwung beim HSV sorgte.

"Huub Stevens ist genau der richtige Mann in dieser Krisenzeit", sagt der Fußballfachmann aus Norderstedt. Thomas Doll sei wohl zu kumpelhaft gewesen. Diesen Vorwurf konnte Kuno Klötzer keiner machen. "Der Feldwebel" wurde er genannt. Kumpel war er auch, aber er setzte sich durch. "Alle haben pariert damals", sagt Kuno Klötzer, der sich von seinen Spielern mit "Sie" anreden ließ. Schorsch Volkert und Manni Kaltz waren die Führungspersonen in der Mannschaft. Mittlerweile hat Klötzer allerdings auch Manfred Kaltz längst das "Du" angeboten.

Die HSV-Trainer kommen und gehen. Viele sind vergessen. Aber "Ritter Kuno" ist allgegenwärtig. Die Fans sprechen ihn in der AOL-Arena an, auf dem Wochenmarkt in Harksheide kennen ihn alle. Der alte Fußballlehrer ist bescheiden geblieben, aber er genießt diese Popularität nach all den Jahren immer noch. Obwohl er nach seinem vierjährigen Engagement beim HSV noch mit Hertha BSC und Werder Bremen, wo er den heutigen Trainer Thomas Schaaf in die erste Mannschaft einführte, große Erfolge feiern konnte, haben die Hamburger Kuno Klötzer vereinnahmt: Er ist bis heute nach Ernst Happel der erfolgreichste Bundesliga-Trainer des HSV. 1977 ging er freiwillig, bevor er vom damaligen Manager Peter Krohn an die Luft gesetzt wurde. Ein wenig Genugtuung schaffte das anschließende Engagement in Berlin: Hertha belegte am Saisonende 1977/78 den dritten, der HSV nur den zehnten Platz. Und Klötzers Nachfolger Rudi Gutendorf musste schon nach wenigen Wochen wieder gehen.

Der aus dem Erzgebirge stammende Fußballtrainer hat ungefähr zehn deutsche Vereine in den oberen Ligen trainiert - so ganz genau weiß er es nicht mehr. Einige davon mehrfach. Er hätte nach dem unfreiwilligen Abschluss seiner Laufbahn - die Folgen eines schweren Verkehrsunfall, als er Trainer in Bremen war - überall wohnen können. Doch Anneliese und Kuno Klötzer entschieden sich für Norderstedt. Dort hatten beide am Heidestieg ein Reihenhaus erworben, nachdem Kuno zu Beginn seines HSV-Engagements zunächst zwei Eingänge weiter zur Miete gewohnt hatte. Hier wollte vor allem Ehefrau Anneliese nach mehreren Umzügen sesshaft werden.

Bis heute ist dieses Reihenhaus ihr Paradies geblieben. Aktuelle HSV-Trainer können sich Luxus-Villen leisten, aber vor 30 Jahren wurden noch kleinere Brötchen gebacken. Keine Millionengehälter, sondern ein bekömmliches Auskommen. Das reichte nicht für große Sprünge, aber für ein Reihenhaus in Norderstedt und einige finanzielle Rücklagen allemal. Die Rente ist nicht üppig, gibt Kuno Klötzer zu. Das kommt auch daher, dass einige Vereine (nicht der HSV) "vergaßen", Sozialabgaben zu zahlen. Zehn Jahre fehlten bei der Rentenbilanz. Als Kuno Klötzer das bemerkte, war es leider schon zu spät. "Wir kommen zurecht", schmunzelt der Rentner.

Ehefrau Anneliese laboriert noch an den Folgen von zwei Lendenwirbelbrüchen, aber ansonsten geht es dem Paar gut. Die nächsten Geburtstage will Kuno Klötzer nicht mehr feiern, erst zum 90. will er wieder eine Fete schmeißen. So wie damals, als er seinen 80. Geburtstag im HSV-Restaurant "Raute" in der AOL-Arena feierte.